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Neue Bauturm-Produktion

Immer ein Messer unterm Kaftan

Von Thomas Linden, 04.08.09, 09:12h

"Das Produkt" von Mark Ravenhill im Bauturm-Theater ist eine böse Mediensatire. Gnadenlos werden in dem Stück die westlichen Klischees über den Islam und die sexualisierten Vorstellungen von Liebe aufgespießt. Thomas Ulrich inszeniert temporeich.

Wie groß ist der Überdruss an Stereotypen, die wir täglich vom Konflikt zwischen dem Westen und dem Islam vorgesetzt bekommen? Wie lächerlich ist die Vorstellung, dass sich hinter jedem Kaftan ein Islamist verbirgt, und wie albern erscheint uns die Vorstellung, dass im Paradies der Moslems Jungfrauen zur Beglückung verdienter Kämpfer zu Diensten sind?

Der Brite Mark Ravenhill, der in seinen Stücken immer wieder der Wut über die Klischees der Konsumindustrie Ausdruck gab, zeigt in seinem neuen Stück "Das Produkt", wie die Massenmedien mit Klischees spielen. Der Filmproduzent James erklärt Olivia, einer renommierten Schauspielerin, die Story einer Liebesgeschichte. Es geht um Amy, eine junge Geschäftsfrau, und einen Moslem, der im Flugzeug neben ihr sitzt und durch einen Gebetsteppich und ein Messer charakterisiert wird.

Temporeich, aber etwas oberflächlich inszeniert

Die Geschichte nimmt die unglaublichsten Wendungen, weil sie mit einer Konsequenz auf Kitsch setzt, die die Inszenierung fulminant ins Finale führt und mit knalliger, intelligenter Komik aufwartet. Das Premierenpublikum im Theater im Bauturm hatte seinen Spaß. Thomas Ulrich inszeniert auf den Punkt; es gelingt ihm, den Sturzbach der Motive und Bilder, die James hastig aneinander setzt, so zu arrangieren, dass der Aufführung nicht die Puste ausgeht. Felix Meyer saugt die Rolle des skrupellosen, selbstvergessenen Produzenten, der sich immer wieder an seinen Einfällen berauscht, mit allen Sinnen auf. Svenja Ingwersen reagiert auf diesen explodierenden Wortschwall gut mit Körpergesten - keine leichte Aufgabe, wenn einem die Sprache nicht zur Verfügung steht, weil man nie zu Wort kommt.

Über dem satirischen Genuss behält Ulrich nicht den Hintergrund von Ravenhills Text im Auge. Es geht hier immer um das schon bekannte Gefühl, seien es der Hass gegen das Fremde, oder die pornografischen Vorstellungen von der Liebe. Alles bleibt an der Oberfläche. Deshalb erscheint die Story von James zwar abstrus, aber man könnte sich sofort vorstellen, sie morgen in der Regenbogenpresse zu lesen. Der Bauturm wird dieses komödiantische Praliné im Herbst wöchentlich in der Freitagsvorstellung um 22.30 Uhr präsentieren. Eine gute Entscheidung.

Spieldauer: Eine Stunde. Nächste Vorstellungen: 5. und 7. August, 20.30 Uhr. Aachener Str. 24-26, Tel. 0221/52 42 42



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