Schriftgröße

Gemeinde Much

Wohlfühlen im Allgäu des Nordens

Erstellt 04.08.09, 15:05h

Haben Sie schon von "Huvenia Kleui" gehört? Das älteste Fossil einer Landpflanze wurde von Paläobotanikern in einem Steinbruch im Ortsteil Huven gefunden. Nicht die einzige Besonderheit einer Gemeinde, deren Name auch aus dem Englischen stammen könnte. Denn Much hat much (viel) zu bieten.

Much
Bild vergrößern
Ein Wahrzeichen der Gemeinde: die Burg Overbach
Much
Bild verkleinern
Ein Wahrzeichen der Gemeinde: die Burg Overbach
Haben Sie schon von "Huvenia Kleui" gehört? Das älteste Fossil einer Landpflanze wurde von Paläobotanikern in einem Steinbruch der Familie Kleu im Ortsteil Huven gefunden. Nicht die einzige Besonderheit einer Gemeinde, deren Name auch aus dem englischen Wortschatz stammen könnte. Denn Much hat much (viel) zu bieten.

112 Ortsteile hat die Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis, 110 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege, einen zertifizierten Nordic Walking Park mit vier Strecken unterschiedlicher Schwierigkeiten, vier ausgeschilderte Fahrradtouren für Familien, Rennradfahrer, Mountainbiker und eine sportliche Grenzlandtour. Wer es besinnlicher und gemächlicher mag, kann auf dem Skulpturenweg der Kunst nachspüren oder sich auf dem Panoramarundweg an der Poesie des Dichters Arnold Leifert ergötzen.

Für Familien gibt es einen Lehrpfad, auf dem die Waldmaus Silva den Kindern viel Wissenswertes über die Natur erklärt; ein zweiter Rundwanderweg speziell für Familien rund ums FIT-Hotel in Berghausen ist in Arbeit. Und nicht zuletzt gibt es einen Golfplatz an der mittelalterlichen Burg Overbach.

"Much ist das Allgäu des Nordens", schwärmt Bürgermeister Alfred Haas von seiner Gemeinde und verweist auf die vielen Hügeln und saftigen Weiden mit schwarz- und rot-bunten Kühen. Das große Potenzial der Gemeinde - die Natur, Landschaft und gute Luft - wurde lange nicht so touristisch ausgeschöpft wie es hätte sein können, sagt Haas. Dabei kamen nach dem Krieg die Tagesbesucher in Scharen nach Much beispielsweise zum Bötchenfahren auf dem Herrenteich. Mehr als 30 Gaststätten sorgten für das Wohl der Gäste. Aber die Gemeinde setzte vor allem auf Gewerbeansiedlung. In Bövingen entstand ein Gewerbegebiet mit über 1000 Arbeitsplätzen.

"Das eine tun und das andere nicht lassen", lautet heute die Devise. Bövingen soll erweitert und in Bitzen gemeinsam mit Neunkirchen-Seelscheid das erste interkommunale Gewerbegebiet erschlossen werden. Aber Much möchte auch mit seinen bergischen Nachbarn Neunkirchen-Seelscheid, Ruppichteroth und Overath ein Synonym für Naherholung und Gesundheit sein. Die Kindergärten machen es schon vor. Im Ortsteil Wellerscheid gibt es eine Nachwuchseinrichtung, die sich gerade als Bewegungskindergarten hat zertifizieren lassen, in Hetzenholz einen Feng-Shui-Kindergarten und in Marienfeld einen Kneipp-Kindergarten. "Wir möchten zeigen, dass die Lehre Kneipps nicht nur was für alte Leute ist und sich im Wassertreten erschöpft", sagt Haas, der übrigens selbst ein überzeugter Kneipp-Anhänger ist. Gemeinsam mit dem Lindner-Hotel in Bövingen wird dazu derzeit ein Konzept erarbeitet.

Wasser ist eine der fünf Säulen der Kneipp-Lehre. Davon gibt es reichlich in Much, dessen Name aus dem Indogermanischen stammt und soviel bedeutet wie feucht, sumpfig, moorig. Vermutet werden heilklimatische Quellen mit Mineralwasserqualität, die in naher Zukunft als "Mucher Mineralwasser" in Flaschen abgefüllt werden sollen. Die bergischen Gesundheits- und Wohlfühltage, die seit ein paar Jahren in Much gemeinschaftlich veranstaltet werden, haben auch für den Bürgermeister ein erstaunliches Potenzial von 60 bis 70 Gesundheitsanbietern im Ort zutage gefördert, die es zum Nutzen der Bewohner und Urlaubsgäste zu vernetzen gelte. Haas kann sich eine Zukunft seiner Gemeinde als Kurort vorstellen, spätestens dann, wenn der Durchgangsverkehr über die Umgehungsstraße rollen wird.

Mucher schätzen die hohe Lebensqualität. Sie tragen aber auch selbst dazu bei, mit einem erstaunlichen Maß an bürgerschaftlicher Selbsthilfe. Als das Waldfreibad im Jahr seines 75-jährigen Bestehens aus Kostengründen vor der Schließung stand, gründeten Mucher eine Bürgerstiftung zu seiner Rettung. Mit viel Schweiß und Spucke und noch mehr guten Ideen machen sie es seither jedes Jahr noch ein bisschen schöner. Ebenso schnell waren sie zur Stelle, um den Personennahverkehr in den entlegeneren Ortslagen zu verbessern. Seit Mitte Mai rollt der Bürgerbus, am Steuer rund 40 ehrenamtliche Fahrer im Schichtdienst. Viele engagieren sich zudem bei der Mucher Tafel, in der Kleiderstube des Kinderschutzbundes oder halfen beispielsweise in Marienfeld ehrenamtlich bei der Erstellung des Kunstrasenplatzes.

Gesellig ist der Mucher sowieso. 150 Vereine gibt es in der Gemeinde. Der TSV Much ist mit rund 1500 Mitgliedern der größte und bietet mit Bogenschießen eine seltene, aber überaus erfolgreiche Abteilung auf.

Mehr als 200 Wegekreuze, Heiligenhäuschen und Kapellen schmücken die 112 Ortschaften. Einige stehen am Pilgerweg ins 130 Kilometer entfernte Werl. Jährlich pilgern bis zu 200 Mucher zum Fest Mariä Heimsuchung zum Marienbild in Werl. Die Tradition geht auf ein Gelübde aus dem 18. Jahrhundert zurück. Das Salz aus den Werler Salinen sollte eine Tierseuche im Ort bekämpfen helfen. Das Gelübde erneuerte Pastor Schaaf im Zweiten Weltkrieg, als er gelobte, wenn Much von Bomben verschont bliebe, drei weitere Male nach Werl zu pilgern. (kmü)



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Anzeige


Rundschau-Quiz


40 Jahre Rhein-Sieg in Bildern


Rundschau-Gewinnspiel


Rundschau-Biergartenführer


Rundschau-Service


RHEINLAND WETTER


Top-Links

Anzeige