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Fall Kampusch

Spur führt nach Deutschland

Erstellt 10.11.09, 10:48h, aktualisiert 10.11.09, 17:32h

Ein mutmaßlicher Mittäter im Fall Kampusch könnte offenbar aus Deutschland stammen. Die Behörden haben in Baden-Württemberg eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Angeblich ist zudem neues, brisantes Videomaterial aufgetaucht.

WIEN - Bei der Suche nach möglichen Mittätern im österreichischen Entführungsfall Natascha Kampusch führt nun auch eine Spur nach Deutschland. Deutsche Behörden hätten am Wochenende in Baden-Württemberg das Haus eines mutmaßlichen Zeugen durchsucht, sagte der ermittelnde Grazer Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher am Montag. In der Zeitung "Österreich" und auf seiner Homepage kampascha.de outet sich ein Thomas V. aus Tengen im Kreis Konstanz als Zeuge. Er besitze brisantes Material zum Fall Kampusch, sagte Vogel der Deutschen Presse-Agentur dpa auf Anfrage. Dieses habe er nach Internetrecherchen von einem angeblichen Freund des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil zugeschickt bekommen.

   V. will zwei Tage nach der Flucht Kampuschs aus ihrem Kellerverlies im August 2006 im Internet ein Video von Kampusch und einem weiteren Mann gesehen haben. Ein zweiter Mitwisser müsste demnach gefilmt haben. Außerdem behauptet der Grafiker, er sei im Besitz von einer Art Vermächtnis von Entführer Priklopil mit Handschriften und Fotos. "Ich habe mehrfach versucht, eine Aussage zu machen, und bin dafür bei der Polizei ausgelacht worden", sagte er. Seine Fotos belasteten Priklopil-Freund Ernst H. schwer als Mitwisser. Am Wochenende wurde bekannt, dass die österreichische Staatsanwaltschaft inzwischen gegen Ernst H. ermittelt.

   Die Glaubwürdigkeit des neuen Zeugen wollte die Staatsanwaltschaft nicht bewerten. "Wir müssen warten, was die deutschen Behörden uns berichten", sagte Mühlbacher der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Kampuschs Anwalt betonte am Montag erneut, dass seine Mandantin nur von einem Täter wisse. In einem Video auf seiner Homepage erhebt V. zugleich Vorwürfe gegen Kampuschs Mutter und behauptet, dass Kampusch mehr oder weniger freiwillig bei ihrem Entführer geblieben sei. Die Mutter wollte sich dazu am Montag auf dpa-Anfrage nicht äußern.

   Die heute 21 Jahre alte Kampusch war 1998 im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg von Wolfgang Priklopil entführt und achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies gefangen gehalten worden. 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht, ihr Peiniger warf sich noch am selben Tag vor einen Zug und starb. Inzwischen hat aber eine Untersuchungskommission erhebliche Ermittlungsfehler bemängelt und die Einzeltäter-Theorie bezweifelt. Der Fall wird deshalb neu aufgerollt. (dpa)



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