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Tagesthema vom 1. Dezember

Flucht auf dem Damenrad

Von Jens Meifert, 01.12.09, 21:06h, aktualisiert 21.11.10, 11:43h

Spezialkräfte der Polizei haben am Dienstagmorgen den flüchtigen Mörder Paul Michalski in Wesel festgenommen. Der Flüchtige war bewaffnet, verletzt wurde jedoch niemand. Komplize Heckhoff war bereits am Sonntag gefasst worden.

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Auf diesem Damenfahrrad wurde der flüchtige Michalski in Schermbeck gefasst. (Bild: dpa)
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Auf diesem Damenfahrrad wurde der flüchtige Michalski in Schermbeck gefasst. (Bild: dpa)
KÖLN/SCHERNBECK - Die Flucht endet auf der Bundesstraße 58. Peter Paul Michalski ist auf einem silbernen Damenfahrrad in Schermbeck im Kreis Wesel unterwegs. Zwei Wagen der Spezialeinsatzkräfte keilen den Mörder ein, er folgt der Aufforderung, sich sofort auf den Boden zu legen, und verrät, wo er sein Waffe trägt. Sie ist durchgeladen, mit acht Schuss Munition. Doch die Aktion verläuft blitzschnell und unblutig. Im Kölner Polizeipräsidium schilderten Ermittler gestern die Umstände der Festnahme und die fünftägige Flucht der Schwerverbrecher. „Wir können nur dankbar sein, dass es so ausgegangen ist“, sagt Einsatzleiter Dieter Klinger. Zwei Tage zuvor hatte sich auch der andere Ausbrecher, Michael Heckhoff, bei seiner Festnahme ergeben.

Gestern Morgen um 9.50 Uhr griffen die Einsatzkräfte im Kreis Wesel zu. Die Großfahndung im Raum Bielefeld - mit mehreren Hundertschaften und Spürhunden - war zuvor ohne Ergebnis geblieben. Offenbar hatte sich Michalski gar nicht in Ostwestfalen aufgehalten. Die Ermittler wollten nicht ausschließen, dass der Gesuchte bereits seit Sonntagabend mit dem Fahrrad Richtung Niederrhein unterwegs war. Ob er plante, in den Niederlanden unterzutauchen, blieb unbekannt. Geortet wurde der 46-Jährige letztlich über ein Handy. Woher er es hatte, wer den entscheidenden Hinweis gab, dazu wollte die Polizei nichts sagen. Aufmerksam geworden waren die Fahnder auf den einsamen Radfahrer auch durch einen Schlafsack, den dieser auf sein Rad geschnallt hatte. Der Zugriff folgte auf einem freien Straßenabschnitt, ohne Wohnbebauung, Büsche oder Wald. „Bei zwei Menschen mit dieser Vita“ wisse man nie, wie sie sich verhalten“, sagt Klinger.

Seit der Flucht am Donnerstagabend hat das kriminelle Duo das Bundesland in Atem gehalten. Mit einem Taxi sind sie zunächst nach Kerpen-Buir gefahren, dort haben sie ein anderes Taxi gerufen und sich in die Kölner Innenstadt bringen lassen. „Da sind wir erstmal auf den Weihnachtsmarkt“, zitiert die „Bild“-Zeitung Heckhoff. „Wir haben uns in einer Pommesbude Pommes und Sprudel gekauft. Während wir gegessen haben, kreiste ein Polizeihubschrauber über uns.“ Die Nacht verbrachten die Männer unter der Kölner Severinsbrücke.

Am Freitagmorgen hätten sie sich in einem Krankenhaus gewaschen. Dem 19-jährigen Mädchen, mit deren Auto sie ins Ruhrgebiet gefahren sind, haben sie laut „Bild“ nach der Ankunft in Essen zehn Euro zum Tanken gegeben. „Die musste ja irgendwie nach Hause kommen.“ Beide Männer haben dem Bericht nach vereinbart, während der Flucht nicht zu schießen und niemanden zu verletzen.

Beide Männer sind zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt - Heckhoff unter anderem wegen Geiselnahme und versuchten Mordes, Michalski wegen Mordes an einem Mittäter im Jahr 1993. Nun erwartet sie ein neues Strafverfahren unter anderem wegen Geiselnahme und schwerer räuberischer Erpressung. „Es ist schwer vorstellbar, dass die beiden sich noch einmal wiedersehen“, sagt der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller, „außer in der Hauptverhandlung.“ Während Heckhoff derzeit im Hochsicherheitstrakt der JVA Bochum untergebracht ist, wird Michalski nun in einem anderen Gefängnis einsitzen.



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