Von Knut Pries, 02.12.09, 20:45h
Rasmussen trommelte zuletzt in Europa für verstärktes Engagement. Er rechne für das kommende Jahr mit der Entsendung von „mindestens 5000 zusätzlichen Soldaten“ auf Seiten der Verbündeten Washingtons, sagte er.
Die Nato-Militärs sollen Anfang kommender Woche ihren Bedarf genauer beziffern. Die große Heerschau ist dann für Ende Januar geplant, wenn sich die Nato-Staaten mit den 15 anderen Ländern, die am Afghanistan-Einsatz beteiligt sind, in London treffen. Dann will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entscheidung der Bundesregierung bekannt geben. Vorerst verlängert der Bundestag nur die bisherige Isaf-Mission um ein Jahr, ohne das Truppenkontingent aufzustocken. Grundsätzlich unterstützt die Bundesregierung aber die neue Strategie Obamas.
Bisher haben die Briten zusätzlicher 500 Soldaten in Aussicht gestellt, Polen 600, die Slowaken 250, die Türken 800 und Georgien 900 - zusammen also bereits mehr als 3000. Obama will das um 30 000 Mann aufgestockte US-Kontingent vom übernächsten Jahr an dann Schritt für Schritt abgebauen.
Von einer „Exit-Strategie“, also einer Planung für den endgültigen Rückzug aus Afghanistan, könne aber nicht die Rede sein, meinte Nato-Generalsekretär Rasmussen. Es handle sich vielmehr um eine „Übergangsstrategie“, bei der immer mehr Verantwortung in die Hände der Afghanen selbst gelegt werde. „Wir bleiben solange, bis die Arbeit erledigt ist", sagte der oberste Repräsentant des westlichen Bündnisses. „Der Einsatz ist zu Ende, wenn die Afghanen ihr Land und seine Sicherheit selbst im Griff haben.“
Obama hatte allerdings in West Point betont: „Amerika hat kein Interesse daran, einen endlosen Krieg in Afghanistan zu führen.“ US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, dass die Strategie im Dezember 2010 überprüft werde. Erst dann könne über einen Truppenrückzug entschieden werden.
US-Medien bewerten die Rede Obamas als wichtigste sicherheitspolitischen Weichenstellung seit Jahren. Der Präsident machte klar, dass er den Druck auf die Regierung in Kabul verstärken wolle, aber er stellte auch unmissverständlich klar, dass er den Krieg zu einem „erfolgreichen Ende“ bringen will. Zugleich betonte er die wichtige Rolle Pakistans zur Befriedung Afghanistan. Die Regierung in Islamabad reagierte jedoch daraufhin mit deutlicher Zurückhaltung.
Die radikal-islamischen Taliban kündigten als Reaktion erbitterten Widerstand an. Ihre Kämpfer seien bereit, es mit den zusätzlichen Soldaten aus den USA und anderen Nato-Staaten „in allen Teilen des Landes“ aufzunehmen, hieß es auf einer Internetseite der Extremisten. „Die Aufstockung der US-Soldaten wird keinerlei Auswirkung haben. Stattdessen wird sie den Mudschaheddin eine noch bessere Gelegenheit geben, ihre Angriffe zu verstärken, und die ohnehin schon angeschlagene US-Wirtschaft zusätzlich erschüttern.“ (mit dpa)
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