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Wandertag

Moderne Architektur in der Idylle

Von Peter Jessen, 07.12.09, 22:39h

Die Wanderung wird empfohlen für die sonnigen Tage des Dezembers, sie ist jedoch auch bei nasser Witterung durchzuführen. An mehreren Stellen werden Gräben gequert, in denen Trinkwasserleitungen aus der Kalkeifel nach Köln führen.

Bruder-Klaus-Kapelle
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Die „Bruder-Klaus-Kapelle“. (Bild: Jessen)
Bruder-Klaus-Kapelle
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Die „Bruder-Klaus-Kapelle“. (Bild: Jessen)
Die Tage sind extrem kurz um diese Jahreszeit, deshalb sollte man nicht zu spät aufbrechen, um diese Wanderung vor der einbrechenden Dunkelheit zu beenden. Sie ist auch bei nasser Witterung zu machen, empfohlen werden jedoch die sonnigen Tage des Dezembers, wo der klare Blick von den Höhen hinter Wachendorf weit schweifend bis zum Siebengebirge reicht.

Ein Teil des Wanderwegs verläuft auf dem Römerkanal-Wanderweg, der dem Verlauf der römischen Wasserleitung aus der Eifel nach Köln folgt. Seit dem ersten Jahrhundert nach Christus versorgte die knapp 100 Kilometer lange Leitung Köln mit Trinkwasser aus der Kalkeifel. Die Leitungsführung war so angelegt, dass das Wasser mit natürlichem Gefälle fließen konnte, was Wasserbrücken (Aquädukte) über Täler wie auch weiträumige Bögen erforderlich machte, um Höhenverluste zu vermeiden. Über eine längere Strecke gibt es zwei Parallel-Leitungen. Die erste wurde provisorisch angelegt, um Zeit zur Ausführung der endgültigen Trasse zu gewinnen.

Wir queren an mehreren Stellen die Gräben, in denen die Leitungen verlegt worden waren. Informationstafeln des Römerkanal-Wanderweges geben an diesen Stellen Auskunft über die historischen und bautechnischen Besonderheiten dieses Bauwerks aus römischer Zeit. In Wachendorf wandern wir durch die rund 800 Meter lange vierreihige Schloss-Allee, die um die vorhandene Dorfbebauung herumführte. Die ursprünglich mittelalterliche Wasserburg wurde im 17. Jahrhundert durch Wälle und Bastionen geschützt, deren Reste noch sichtbar sind. 1780 wurde das Herrenhaus zu einem Schloss umgebaut, und diese Anlage überformten neue Besitzer Ende des 19. Jahrhunderts im historisierenden Stil zu einem adelsgemäßen Wohnsitz. Einige Jahrzehnte wurde das Schloss von buddhistischen Mönchen bewohnt, heute für private Feste genutzt.

In jüngster Zeit hat Wachendorf ein neues Wahrzeichen. Auf der Feldanhöhe errichtete der Schweizer Architekt Peter Zumthor 2005 bis 2007 die „Bruder-Klaus-Kapelle“, ein Fünfeck aus rötlichem Stampfbeton. Der Wachendorfer Landwirt Hermann-Josef Scheidtweiler, der den Schweizer Einsiedler Nikolaus von Flüe verehrte, wollte 1998 eine kleine Feldkapelle errichten lassen. Als er las, dass Zumthor den Wettbewerb für den Neubau des Kölner Diözesanmuseums gewonnen hatte, schrieb er ihn an mit der Frage, ob er ihm nicht mal „ein Plänchen“ für seine Kapelle zeichnen könnte. Zumthor klärte den zukünftigen Bauherrn über seine Honorarforderungen und seine Auffassung von moderner Architektur auf, hatte jedoch über die Person des Nikolaus von Flüe eine emotionale Bindung an das Projekt gewonnen. Er bot Scheidtweiler an, ohne Honorar zu arbeiten, wenn der Bauherr sich umgekehrt auf eine ungewohnte Umsetzung einlassen würde.

Scheidtweiler sagte zu, was ihm die Gegnerschaft einiger Wachendorfer Bürger eingetragen hat. Diese stört vor allem der anhaltend große Besucheransturm auf das Bau-Kunstwerk. Man ist so gut wie nie allein in der Kapelle, die ihr Licht durch einen offenen Blick in den Himmel und durch mehr als 300 Glasröhren erhält, die Lichtreflexe auf die rußgeschwärzten Innenwände zaubern. Hier waren Baumstämme in Zeltform aufgebaut, die nach Fertigstellung der Betonhülle wie ein Kohlenmeiler verbrannt wurden und ihre Außenseite als Hohlform an den heutigen Wänden hinterlassen haben. Erinnerungen an die Waldklause des Nikolaus von Flüe und an seine meditative Lebensweise werden hier wach.



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