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Der Schatten einer großen Liebe

Von HANNA STYRIE, 20.12.09, 20:00h

Theater im Stadtsaal: "Roses Geheimnis" Der amerikanische Autor Neil Simon hat mit Komödien wie „Barfuß im Park“ und „Sonny Boys“ weltweite Berühmtheit...

FRECHEN. Der amerikanische Autor Neil Simon hat mit Komödien wie „Barfuß im Park“ und „Sonny Boys“ weltweite Berühmtheit erlangt. Zu den Werken aus neuerer Zeit gehört „Roses Geheimnis“. Und auch diese „etwas andere Liebesgeschichte“, die am Freitagabend im Stadtsaal aufgeführt wurde, fesselt durch eine ungewöhnliche Story und gut gezeichnete Charaktere.

Mit Doris Kunstmann war die Titelrolle prominent besetzt. Sie spielt eine alternde Autorin namens Rose, die seit dem Tod ihres Mannes Walsh nichts Bedeutendes mehr geschrieben hat - vielleicht auch, weil dieser immer noch ihr Dasein beherrscht und gehorsam auf der Bildfläche erscheint, wenn sie nach ihm ruft.

Rose streitet und diskutiert mit ihm, als sei er noch am Leben, was auch ihre Tochter und Assistentin Arlene fast normal findet. Wolfgang Häntsch verkörpert diesen Geist, den nur Rose sehen kann, auf ganz irdische Weise. Um seiner Witwe finanziell aus der Klemme zu helfen, macht er sie auf ein unvollendetes Manuskript aufmerksam. Rose soll einen Ghostwriter für die Fertigstellung engagieren und sich damit sanieren.

So kommt der junge Gavin ins Haus. Zu den schönsten Szenen des Stücks gehört die Verhandlung zwischen dem unbedarften Jungautor und der vom Erfolg verwöhnten Rose, der der verblichene Ehemann aus dem Jenseits eifrig souffliert.

Doris Kunstmann ist die perfekte Besetzung für die Rolle der Rose: überheblich, egoistisch, berechnend, zugleich Gefangene ihrer Gefühle für ein Phantom, das sie in ihrer Schaffenskraft hemmt. Zu spät erkennt sie, dass sie sich wegen ihrer Karriere zu wenig um ihre Tochter gekümmert hat. Julia Thurnau gefällt als sensible Arlene, der am Ende die Befreiung von der übermächtigen Mutter gelingt.

Wolfgang Häntsch ist mit seinen sarkastischen Bemerkungen und seinem Pragmatismus ein passender Partner bei den zündenden verbalen Gefechten, die er sich mit Doris Kunstmann auf der Bühne liefert. Allein Johannes Richard Völkel schlägt aus der Figur des Gavin kaum Funken und wirkt auch in seinen Annäherungsversuchen bei Arlene recht hölzern.

Welch ein geschickter Autor Neil Simon ist, zeigt sich in der letzten Szene. Da wird den Theaterbesuchern wie auch Rose erst allmählich bewusst, dass sie sich nach einem Herzinfarkt im Jenseits befindet, wo sie nun mit ihrer großen Liebe wieder vereint ist. „Ich hatte ohnehin nicht mehr viel zu sagen“, sagt sie resigniert, während Gavin und Arlene zu neuen Ufern aufbrechen. Viel Applaus gab es für diese Aufführung, in der sich Tiefgang mit komödiantischem Esprit verbindet.



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