Von Olaf Weiden, 21.12.09, 21:31h
In Köln schlief zufällig in einer gedehnt gebremsten Version von Schumanns Träumerei der erste Klassikfreund mit rhythmischen Schnaufern ein. Schumanns „Kinderszenen“ - nach einer Ouvertüre mit den interessanten „Kindheitserinnerungen“ von Modest Mussorgsky - vertieften den Bereich „Musik nicht nur für Kids“. Durch eine Lichtregie war das Bild des spielenden Künstlers Andsnes sehr angenehm für das Auge. Dafür sorgten leise Lüfter für ein konstantes Rauschen, was nicht besonders störte, weil die Hustensalven im winterlichen Köln wirklich das Außerordentlichste boten an diesem Abend. Eine diesjährig entstandene Komposition von Klavierkenner Thomas Larcher nannte sich „Was wird“, ein schöner Titel zum Jahresausklang. Satzbezeichnungen wie „Dont step on the Regenwurm“ klangen so leichtfertig erfunden wie das ganze Stück, das wie eine transkribierte lockere Improvisation anmutete - mit Übergriffen des Spielers in das Flügel-Innere zum Dämpfen und Harfen. Andsnes beherrscht diese Klassiker im modernen Klavierspiel virtuos.
Enorme Kraft setzte er beim Hauptwerk „Pictures Reframed“ frei, den klingenden „Bildern einer Ausstellung“ von Mussorgsky. Hier interpretierten die laufenden Bilder von Rhode die vertonten Bilder, Klaviersaiten und Zirkel tanzten Ballett, Kreidestifte sortierten sich wie Klaviertasten, ein Hahn jagte seine Hennen, und zum „Großen Tor von Kiew“ versank ein schöner alter Flügel in Wassermassen.
Alle diese Bilder bedurften einer Bedienungsanleitung im Programmheft, um ihnen einen Bezug zur Musik zu geben. Der Aha-Effekt stellte sich also erst nach dem Konzert ein. Zuvor gab es begeisterten Applaus für den ausgezeichneten Pianisten und dieses ausgefallene Konzert.
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22. April 2012,
E-Werk Köln