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Klassik

Klaviersaiten tanzen Ballett

Von Olaf Weiden, 21.12.09, 21:31h

In der Kölner Philharmonie hatte die Medieninstallation „Pictures reframed“ die letzte Station ihrer Welttournee. Pianist Leif Ove Andsnes schlägt mit Mussorgskys Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ die Brücke zur Gegenwart.

Bilder einer Ausstellung
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Pianist Leif Ove Andsnes inmitten der beeindruckenden Medieninstallation. (Bild: Brill)
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Pianist Leif Ove Andsnes inmitten der beeindruckenden Medieninstallation. (Bild: Brill)
KÖLN - Sechs Leinwände lenkten den Blick der Gäste beim multimedial aufgewerteten Klavierrezital des Norwegers Leif Ove Andsnes auf den Flügel. Den Hintergrund der Bühne bildete eine Projektionswand. Hier lief der Film zur Musik oder zwischen den Musiken. Nach der Premiere in New York reist diese Produktion mit Bildern des Südafrikaners Robin Rhode über Moskau, London, Neapel und Paris bis nach Abu Dhabi.

In Köln schlief zufällig in einer gedehnt gebremsten Version von Schumanns Träumerei der erste Klassikfreund mit rhythmischen Schnaufern ein. Schumanns „Kinderszenen“ - nach einer Ouvertüre mit den interessanten „Kindheitserinnerungen“ von Modest Mussorgsky - vertieften den Bereich „Musik nicht nur für Kids“. Durch eine Lichtregie war das Bild des spielenden Künstlers Andsnes sehr angenehm für das Auge. Dafür sorgten leise Lüfter für ein konstantes Rauschen, was nicht besonders störte, weil die Hustensalven im winterlichen Köln wirklich das Außerordentlichste boten an diesem Abend. Eine diesjährig entstandene Komposition von Klavierkenner Thomas Larcher nannte sich „Was wird“, ein schöner Titel zum Jahresausklang. Satzbezeichnungen wie „Dont step on the Regenwurm“ klangen so leichtfertig erfunden wie das ganze Stück, das wie eine transkribierte lockere Improvisation anmutete - mit Übergriffen des Spielers in das Flügel-Innere zum Dämpfen und Harfen. Andsnes beherrscht diese Klassiker im modernen Klavierspiel virtuos.

Enorme Kraft setzte er beim Hauptwerk „Pictures Reframed“ frei, den klingenden „Bildern einer Ausstellung“ von Mussorgsky. Hier interpretierten die laufenden Bilder von Rhode die vertonten Bilder, Klaviersaiten und Zirkel tanzten Ballett, Kreidestifte sortierten sich wie Klaviertasten, ein Hahn jagte seine Hennen, und zum „Großen Tor von Kiew“ versank ein schöner alter Flügel in Wassermassen.

Alle diese Bilder bedurften einer Bedienungsanleitung im Programmheft, um ihnen einen Bezug zur Musik zu geben. Der Aha-Effekt stellte sich also erst nach dem Konzert ein. Zuvor gab es begeisterten Applaus für den ausgezeichneten Pianisten und dieses ausgefallene Konzert.



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