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Stunksitzung

Wieso blieb die Severinstraße stehen?

Von Stefan Volberg, 22.12.09, 22:26h, aktualisiert 23.12.09, 11:17h

„Schunkeln Sie!„: Am Montagabend feierte die Stunksitzung Premiere. Witzige Wortspiele, grandiose Archiv-Trümmerfrauen und „bewaffnetes Brunnebohren“ in Afghanistan: Beste Unterhaltung mit fiesen Spitzen.

Stunksitzung in Köln
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Das komplette Stunksitzung-Ensemble nahm bei "Alte Säcke, junge Hühner" Müntefering und Co. aufs Korn.
Stunksitzung in Köln
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Das komplette Stunksitzung-Ensemble nahm bei "Alte Säcke, junge Hühner" Müntefering und Co. aufs Korn.
KÖLN - Als Erstes hat das Publikum einige kleine Aufgaben zu bewältigen, um richtig durch das Web zu navigieren: Einstieg in die Stunksitzung, die am Montagabend bereits vor Weihnachten Premiere hatte. Das „rheinische Betriebsprogramm“ wird gestartet mit der Aufforderung „Schunkeln Sie! - Leute, das kann doch nicht so schwer sein!“, und dann zieht Sitzungspräsidentin Biggi Wanninger mit dem Elferrat (von „Fatal Banal“) ein.

„Der Kölner“, sagt Biggi, „ist leider stinkefaul: Der tanzt im Sitzen, beim Schunkeln.“ Aber: „Schunkeln ist Scheiße, dein Nachbar stinkt nach Schweiß“, singt sie. Es geht aber noch schlimmer: „Polonaise ist Scheiße.“ Der ganze Saal schunkelt unbekümmert weiter, und die Präsidentin seufzt: „Man findet wat Scheiße und tut's trotzdem.“

Bewaffnetes Brunnenbohren

Verteidigungsminister zu Guttenberg besucht die deutschen Soldaten in Afghanistan, aber da herrscht doch kein Krieg, sondern allenfalls „bewaffnetes Brunnenbohren“. Der Minister ist übrigens mit zwei Maschinen angereist: eine für ihn, eine für seine Klamotten und das Haargel.

Manches ist alt. Was ist das, wenn ein Mann aus der Wohnung auszieht? Schöner wohnen. Der Tod klopft bei Johannes Heesters an die Tür. Er macht auf und ruft: „Simone, Liebling, es ist für dich.“ Eine der Damen macht Diät, genauer gesagt Trennkost. Gratuliere: „Da hast du ja auf einen Schlag 90 Kilo verloren.“ Na ja.

Logisch, dass der Archiveinsturz vorkommt: „Die Welt hat Angst vor Al Kaida, Kölle vor der KVB.“ Wie konnte es zu dem Einsturz kommen? Das sei die falsche Frage, findet KVB-Vorstand Walter Reinarz: „Wieso ist der Rest der Severinstraße stehen geblieben?“ Aber jetzt steht die „Appellhof 11“ vor der Jungfernfahrt vom Chlodwigplatz zum Dom; Kosten von einer Milliarde für sechs Minuten Zeitgewinn. Der Fahrer ist schon am Dom: Er hat doch lieber den Bus genommen. Witzige Wortspiele, als es ums Sparen beim Kulturetat geht. Bei der Museumsführung herrscht der „Würdikativ“, denn es sind alle Bilder abgehängt: „Wat hinge do hinge?“ Oder: „Wenn dort neben der Dür en Dürer hing: Wie dür wör der dann?“

Die Politik der Linken mit der Forderung nach „Plateausohle für zu klein geratene Parteivorsitzende“, Wanninger als „Calli“ Calmund („Schramma ist die größte Niete, die Köln je eingekauft hat“), vier Zwangsjecken in Zwangsjacken, die das „böse F-Wort“ meiden (nicht f. . ., nicht FDP, nicht FC, sondern Feiern), die Rütteltests der KVB in der Philharmonie, wobei der Krach das Streichquintett übertönt und die Notenständer von der Bühne tanzen: nett.

Sehr witzig die Klo-Szene vom Gürzenich (mit etlichen Variationen), als ein Jeck nicht gleichzeitig Knabüs und Handy halten und Wasser lassen kann (der Nebenmann muss da eingreifen, wo es dann kein Mann gern hat). Grandios: die drei Trümmerfrauen, die Archivfundstücke zusammenpuzzlen und ein sich veränderndes Gemälde mit Sand auf einer Glasplatte schaffen. Aus Pitter und Apollonia, der Brücke, dem Dom werden Panzer und Bomben, daraus wächst der Wiederaufbau: toll! Anmutig: das „Tanzmarie-Mobile“.

Ach, ja: die Musik! Wunderbar wieder Ecki Pieper mit „Köbes Underground“, auch „Trude Herr“ (Wanninger), die im Himmel sogar von Jörg Immendorf gemalt wurde, „wie Gott und Ritter Sport mich geschaffen haben“; jetzt aber stiehlt ihr Michael Jackson die Schau. Vom „Tambourkorps Heisterbacherrott“ erstreitet das begeisterte Publikum eine Zugabe. Nur Kardinal Meisner wird wieder nicht von den Stunkern gewürdigt. - Karten gibt es übrigens nicht mehr.



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