Von Uta Kristina Maul, 06.01.10, 22:42h
Dach, Fassade, Fenster, Technik - alles an dem denkmalgeschützten Rokokobau (siehe Kasten) ist schwer in die Jahre gekommen. Dank der 4,4 Millionen Euro, die aus dem Konjunkturpaket II des Bundes stammen, können nun die Darmstädter Architekten Rittmannsperger und Partner mit der Instandsetzung beginnen. Sie gelten als Experten in der Sanierung historischer Gemäuer, wirkten 2004 nach dem spektakulären Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar an deren Sanierung und Neubau mit.
Ab Aschermittwoch, so das städtische Presseamt auf Anfrage, werden an Bonns „guter Stube“ Gerüste errichtet - Auftakt auch einer ganzen Reihe von Provisorien für die Dauer der Arbeiten, die noch im Dezember abgeschlossen sein sollen. So müssen Brautleute vorerst auf Trauungen im repräsentativen Dienstzimmer des Oberbürgermeisters verzichten. Seit dem 21. Januar 1995 gibt es nach Auskunft des Presseamtes diese Möglichkeit freitags und samstags - im Schnitt trauten sich pro Jahr rund 670 Brautpaare.
Nach Informationen der Rundschau gab es im Stadthaus Bestrebungen, diese Trauungsmöglichkeit nach der Sanierung ersatzlos zu streichen - zumal OB Nimptsch offenbar damit liebäugelt, das repräsentative Dienstzimmer wieder als ständiges Arbeitszimmer zu nutzen. Sein jetziges im dritten Stock bekäme dann Stadtdirektor Volker Kregel. Definitiv entscheiden wolle sich Nimptsch aber erst, wenn die Fachverwaltung - wohl noch im Januar - eine Raumplanung vorlege, so Stadtsprecher Friedel Frechen. Der OB wolle aber dafür sorgen, dass Trauungen im Alten Rathaus auch nach dem Umbau möglich bleiben.
Außer dem OB und 20 bis 25 seiner Mitarbeiter aus der Verwaltungssteuerung und dem Ratsbüro zieht auch die Chefin des Stadtmuseums, Ingrid Bodsch, in die Welschnonnenstraße 7. Das Stadtmuseum befindet sich zwar in der Franziskanerstraße, seine Verwaltung aber im Alten Rathaus. Bleiben können alle Verwaltungsabteilungen und Ratsfraktionen, die auch heute schon im Anbau an der Rathausgasse sitzen. Für Empfänge und sonstige Festivitäten soll zum Teil das Foyer des Stadthauses genutzt werden. Die Stadt ist aber auch in Gesprächen mit der Universität und der katholischen Kirche, um je nach Anlass womöglich in Festsäle der Hochschule oder das neue Münstercarree „auswandern“ zu können.
Den Sanierungsarbeiten weichen müssen auch die Gemälde und Gobelins aus Stern- und Dienstzimmer sowie dem Gobelinsaal. Sie sollen beim Landesamt für Denkmalpflege in der Abtei Brauweiler gelagert und eventuell restauriert werden. Das allerdings kann von den 4,4 Millionen Euro nicht bezahlt werden. Vielleicht eine Aufgabe für den privaten Bürgerverein „Altes Rathaus", der sich nach der Sanierung die dauerhafte Instandsetzung und Erhaltung der „guten Stube" Bonns auf die Fahnen geschrieben hat? Wer Näheres zu dem Verein wissen will, kann sich im Internet schlau machen.
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