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„Prinz aus dem Morgenland“ regiert Bonn

Von BERNWARD ALTHOFF, 10.01.10, 20:51h

Wenn Schneetief „Daisy“ im Rheinland schwächelt, dann müssen eben die Jecken die Stürme entfachen. Nun ja, mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, aber das war die...

BONN. Wenn Schneetief „Daisy“ im Rheinland schwächelt, dann müssen eben die Jecken die Stürme entfachen. Nun ja, mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, aber das war die beste Bonner Prinzenproklamation seit langem. Fakt ist, dass „man“ wieder lieber zur Proklamation geht. Wo in den Vorjahren Lücken klafften, barst die Beethovenhalle in diesem Jahr aus den Nähten, 1700 bestens aufgelegte Gäste waren Zeugen der Inthronisation von Prinz Amir I. und Bonna Uta I.

Mit dem zupackenden Amir I., gebürtiger Iraner, den OB Jürgen Nimptsch passend „den Prinzen aus dem Morgenland“ nannte, und der charmanten Uta hat der Festausschuss Bonner Karneval augenscheinlich eine gute Tollitäten-Wahl getroffen. Man nimmt den beiden ab, dass sie - Migrationshintergrund hin, social correctness her - auf jeden „Zeitgenossen“ zugehen wollen. „Fastelovend ist ein Fest für alle, unabhängig von seiner Haut- und Uniform-Farbe, seiner Religion, seiner Herkunft, seines Alters oder Berufes“, bekannte Amir I.

Tja, und dann hat Bonn einen Top-Karnevalisten gewonnen, dessen eigentliche Bühne im Alten Rathaus steht. Die Rede ist von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, der einen mitreißenden Auftritt bei der Proklamation hatte. Der Ex-Baas des Kölner „Divertissementchen“ betrat mit Allongeperücke die Bühne und intonierte zunächst die Arie des bräsigen Bürgermeisters van Bett aus der Lortzing-Oper „Zar und Zimmermann“, dabei unterstützt vom Ludwig-Chor: „O sancta justitia! Ich möchte rasen, von früh bis spät lauf ich herum, ich bin von Amtspflicht ganz aufgeblasen . . . O, ich bin klug und weise, mich betrügt man nicht!“

Diesen selbstironischen Unterton griff Nimptsch in der Inthronisations-Rede in feinstem Bönnsch auf. „Die Devis kann nur sin: Zesammestonn! Mer wisse, dat de Nüssele (Gelder!) knapp sin und et jit in uns Stadt doch su paar Saache, do sin noch e paar Kleinigkeite zo maache“. Dann zählte Nimptsch die „Kleinigkeite“ auf: „Dat Loch vürm Bahnhof, uns Festspielhüsje, he die Hall, dort dr Busbahnhof, die Südüberbauung . . .“ Doch alles wird gut: „Sujar dat Stadthuus, un och der BSC, selvs dat vermaledeite WCCB, et weed jeregelt. Ejal wie mer et maache: Bönnsche Saache, drövver laache!“

„Laache“ und applaudieren taten die Gäste auch im Beiprogramm, mal mehr beim „Bergischen Jung“, mal weniger bei Konrad Beikircher, besonders aber im Schlussprogramm mit den Auftritten der „Kölner Stattwache Ahoi“ und dem Bonner Brass-Ensemble „Quer Beat“. Wobei sich der Mut von Sitzungspräsidentin Marlies Stockhorst, ein offen schwul sich gebendes Ensemble wie die „Ahoi“-Garde zu verpflichten, ausgezahlt hat. Die Jungs sind wirklich Klasse. Und wem dass nicht gepasst hat, der sollte sich halt das Sessionsmotto zu Eigen machen: „Bönnsche Saache, drövver laache!“



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