NIEDERKASSEL. Die Nachricht war noch ganz frisch, das entsetzliche Ausmaß der Erdbebenkatastrophe im Karibikstaat Haiti noch gar nicht abzusehen. Aufgerüttelt hat sie den Professor an der Kölner Musikhochschule Friedemann Immer und seine Frau am Morgen nach den ersten Berichten gleichwohl: Irgendwas müssen wir tun, habe er sofort gedacht. Und weil er selber ein international bekannter Barocktrompeter und seine Frau Sopranistin ist, fassten sie noch am Donnerstagmorgen den Beschluss, über die eigene Spende hinaus noch mehr zu tun. Mit Hilfe des Fördervereins promusica der städtischen Musikschule Niederkassel organisierten sie in Rekordzeit ein Benefizkonzert in der evangelischen Maria-Magdalena-Kirche in Rheidt. Schon am gleichen Morgen hat mir Bürgermeister Stephan Vehreschild die Schirmherrschaft zugesagt, erzählt Immer. Dazu druckte die Stadt 2000 Flyer, Plakate kopierte als Spende die örtliche Filiale der Kreissparkasse Köln. Und schließlich erklärten sich jugendliche Pfadfinder bereit, die Einladungen auszutragen, auch die Tageszeitungen druckten noch pünktlich die Pressemitteilung. Ich habe ein bisschen grenzwertig die mir zur Verfügung stehenden E-Mail-Verteiler genutzt, schildert der Kassierer des Fördervereins, Edgar Engelhardt, die fieberhafte Werbung um Publikum. Mit Erfolg, wie sich spätestens dann zeigte, als zur Vergrößerung des Konzertraumes die Falttüren der Kirche geöffnet werden mussten. Deutlich mehr als 200 Menschen hatten sich zu einem Programm eingefunden, das Friedemann und Claudia Immer mit ihrer Kollegin und Organistin Mareile Schmidt in Teilen schon aufgeführt hatten. Wir haben es ein bisschen umgestaltet, denn die Musik sollte nicht zu getragen sein, dem Anlass gemäß aber auch nicht zu fröhlich, erklärt Professor Immer. Er ist froh über den guten Besuch, nicht nur des gefüllten Spendenhuts wegen: In einer Zeit, in der immer wieder der Kulturetat zur Disposition steht, macht es mich sehr nachdenklich, wie viele Menschen man über den Weg der Musik erreichen kann, sagt er.
Die Menschen, die hier zusammen kamen jedenfalls, haben sich zudem nicht lumpen lassen. 4128 Euro zählte Kassierer Engelhardt in seiner Bar-Schatulle, aber, so kann er schon jetzt sagen, die ersten Überweisungen sind auch schon auf unserem Konto eingegangen. Sehr konkret hat der Förderverein allen Spendern mitgeteilt, wohin ihr Geld fließen wird: Für je 750 Euro kann eine so genannte ShelterBox finanziert werden. Ein Zelt, Kochgeschirr und Klappspaten, Kanister und Schlafsäcke - insgesamt mehr als 150 Einzelteile - befinden sich in jedem dieser truhenartigen Behältnisse. Damit sollen zehn obdachlose Personen wenigstens für eine Übergangsphase ihr Überleben im Freien fristen können. Weil unser Sohn sich schon lange in Sachen ShelterBox engagiert, wissen wir auch, dass damit das Geld wirklich ankommt, erklärt Friedemann Immer.