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Haus der Sprache steht am Scheideweg

Von BERNWARD ALTHOFF, 20.01.10, 07:18h

Um es mit Schillers „Don Karlos“ zu sagen: „Die schönen Tage von Aranjuez sind vorbei.“ Das Haus der Sprache und Literatur (HSL) in Bonn steht nach dem Tod...

BONN. Um es mit Schillers „Don Karlos“ zu sagen: „Die schönen Tage von Aranjuez sind vorbei.“ Das Haus der Sprache und Literatur (HSL) in Bonn steht nach dem Tod der langjährigen Leiterin Karin Hempel-Soos am Scheideweg und wie es scheint, führt der Weg nicht mehr zurück zu den Tagen üppiger Subventionen. Die Stadt Bonn förderte die Einrichtung über viele Jahre mit jährlich 250 000 Euro. Allein 60 000 Euro flossen in die Miete des stattlichen Hauses an der Adenauerallee, wo das HSL seinen Sitz hat.

„Teuerster Einzelposten

im Kulturhaushalt“

„Das war der teuerste Fördereinzelposten im Kulturhaushalt“, stellte Kulturdezernent Ludwig Krapf gestern im Gespräch mit der Rundschau fest und fügte hinzu: „Diese Summe können wir uns angesichts der überaus knappen Finanzdecke der Stadt nicht mehr leisten“. Besonders die hohen Kosten für die angemietete Immobilie sind der Stadt ein Dorn im Auge.

Bereits 2009 hatte Krapf den Rotstift angesetzt und die Förderung auf 200 000 Euro heruntergeschraubt. Jetzt wirds noch weniger. In Absprache mit Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Stadtkämmerer Ludger Sander hat Kulturdezernent Ludwig Krapf den städtischen Zuschuss für das HSL in diesem Jahr auf 70 000 Euro gesenkt (vorbehaltlich der Verabschiedung des Etats), für das Jahr 2011 stehen dann nur noch 50 000 Euro an städtischer Förderung zur Verfügung.

Ludwig Krapf macht nochmals deutlich, dass die Stadt den hohen Rang der Literaturpflege vor Ort erkennt und auch weiterhin bereit ist, Gelder dafür zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen dem Haus der Sprache nicht an den Kragen gehen.“ Der Stadtdezernent stellt sich vor, künftig zusätzlich auch projektbezogene Mittel zur Verfügung zu stellen. Dass anderenorts auch mit weniger städtischer Unterstützung gute Literaturpflege betrieben wird, macht das Beispiel Köln deutlich. Das Literaturhaus Köln, dass nach Krapfs Angaben nur über etwas mehr als 130 000 Euro an städtischen Zuschüssen verfügt, an denen sich auch die Sparkasse KölnBonn beteiligt, bietet unter seinem rührigen Vorstand und dem Programmchef Thomas Böhm ein hochkarätiges Programm an. Im Lauf der gut elfjährigen Literaturvermittlung in der Domstadt sind mehr als 1500 Schriftsteller nach Köln gekommen, darunter Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, Umberto Eco, Paul Auster oder Salman Rushdie. In diesem Jahr werden Literaturnobelpreisträgerin Hertha Müller oder Dieter Kühn erwartet. Einigen Autoren wurde auch kurzfristiges Residenz-Recht im Literaturhaus eingeräumt.

Man muss allerdings hinzufügen, dass die Strukturen des Kölner Literaturhauses mit denen des Bonner Pendants nicht zu vergleichen sind. Während in Köln das Literaturhaus von einem Verein mit mehr als 800 Mitgliedern getragen wird und über potente Förderer verfügt (darunter mehrere Bankhäuser), war das Bonner Haus der Sprache und Literaturhaus mehr oder weniger auf die Person von Karin Hempel-Soos zugeschnitten, die den Literaturbetrieb vor allen Dingen mit städtischen und und staatlichen Mitteln (unter anderem Literaturstiftung des Landes NRW) finanzierte.

Wie geht es weiter? Nach der Überzeugung von Kulturdezernent Krapf muss ähnlich wie in Köln ein Trägerverein aufgebaut werden, der mehr oder weniger ehrenamtlich die Arbeit leistet. Der Kulturdezernent hat sich bereits dreimal mit dem Vorsitzenden des bestehenden Bonner „Rumpf-Verein“, Professor Joseph A. Kruse, getroffen und mit ihm über erste Schritte beraten. „Die Arbeit ist zu schaffen“, meint Krapf und fügt hinzu: „Ich bin überzeugt, dass es in Bonn und der Region genügend literaturbegeisterte Bürger gibt, die sich für ein Haus der Sprache und Literatur einsetzen“. Da dürfte er die Unterzeichner eines offenen Briefes an ihn und Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im Auge haben, der ihm gestern ins Kulturamt flatterte. Darin fordern 13 Bonner Buchhändler und Verlage die Stadt auf, sich für den Erhalt des Hauses der Sprache und Literatur einzusetzen. Der Verleger Paul Remmel, der den Offenen Brief initiiert hat, verweist auch auf eine neue Facebook-Seite, auf der innerhalb weniger Tage 118 Persönlichkeiten des Literaturbetriebs ihre Sympathie für das Bonner Literaturhaus bekunden.

Und wie gehts in Schillers „Don Karlos“ weiter? „. . . Öffnen Sie Ihr Herz dem Vaterherzen, Prinz.“ Und die Bonner Literaturfans mögen ihre Schatullen öffnen . . .



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