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Taucher verlegen Abwasserrohre im Rhein

Von LUTZ BLUMBERG, 20.01.10, 07:18h

Die Röhre aus fünf Tonnen Stahlbeton schwebt durch die Luft. Kalter Wind lässt die schwere Fracht am Haken schwanken, langsam senkt sich die Röhre vom Ufer nahe der...

BONN. Die Röhre aus fünf Tonnen Stahlbeton schwebt durch die Luft. Kalter Wind lässt die schwere Fracht am Haken schwanken, langsam senkt sich die Röhre vom Ufer nahe der Beethovenhalle in den Fluss. Hier nehmen Lars Wagner und Andre Boye die schwere Fracht in Empfang. Die beiden sind Taucher und hatten gestern wohl den ungemütlichsten Arbeitsplatz in ganz Bonn: Immer im Wechsel sorgten sie dafür, dass die Stahlbetonröhren auf dem richtigen Platz im Flussbett landeten - bei zwei Grad Wassertemperatur und einer Sichtweite, die unter Wasser „gleich Null“ ist, erklärt Carsten Thörmer, Chef der Firma Aqua-Nautik, die sich auf solche Unterwasserarbeiten spezialisiert hat. Jeder der beiden Taucher bleibe „rund eine Stunde im Wasser“, so Thörmer - Schwerstarbeit für die Spezialisten, die sich statt auf ihre Augen ganz auf die Stimme von Andreas Kessels verlassen müssen, der am Ufer steht und mittels eines Laserleitsystems sehen kann, ob die Röhren richtig liegen. Mittels Sprechfunk ist er mit dem Taucher verbunden, der gerade im Wasser ist.

Das Tiefbauamt der Stadt hat die Spezialisten aus dem niederrheinischen Niederkrüchten engagiert. Am Rheinufer, im Bereich Rosental / Fritz-Schröder-Ufer, wird derzeit ein Mischwasserkanal saniert. „Bei starken Regenfällen wird durch ihn das Wasser aus dem Regenüberlaufbecken in den Rhein abgeführt“, erklärt Werner Bergmann, Leiter des Tiefbauamts. Hatte der Kanal bisher einen Durchmesser von einem Meter, wurde er seit September vergangenen Jahres auf insgesamt 1,40 Meter erweitert. Das Besondere: Einmal am Rhein angekommen, darf das Wasser nicht einfach in den Fluss eingeleitet werden. „Wir müssen den Kanal etwa 21 Meter in den Rhein hinein weiterführen“, sagt Bergmann. Damit das zusätzliche Wasser an einer Stelle mit hoher Fließgeschwindigkeit in den Fluss eingeleitet wird.

Die Tauchausrüstung von Lars Wagner und Andre Boye ist nicht vergleichbar mit Schnorchel und Brille aus dem Sportgeschäft. Statt dessen tragen die Unterwasserarbeiter Helme mit Sichtfenster und Sprechfunk, über Schläuche werden sie mit Atemluft versorgt. Wenn die Rohrelemente im Wasser sind - jedes ist 2,50 Meter lang und wiegt fünf Tonnen - werden sie von den Tauchern erst ausgerichtet und dann aneinander festgezurrt. „Dafür haben die einzelnen Elemente eine Spannvorrichtung“, erläutert Tiefbauamtschef Bergmann. Die Leitung wird mit Unterwasserbeton in ihrer endgültigen Lage fixidert.

Wie lange es dauern wird, die 21 Meter lange Strecke in den Rheinstrom hinein zu verlegen, kann im Vorhinein nicht gesagt werden. „Wir hatten ursprünglich zwei Tage veranschlagt, aber es wird wahrscheinlich länger dauern“, erklärt Bauleiterin Irmtraud Rachor, der Rheinpegel sei mit derzeit 3,61 Metern schon fast zu hoch für die Arbeiten.



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