Von Volker Uerlings und Klaus Pesch, 21.01.10, 12:29h
Die Genehmigung für das Depot im Nordkreis Düren läuft 2013 aus. Dort lagern im Hochsicherheitsbereich Castoren mit 300 000 hochradioaktiven Kugeln. Darüber unterrichtete der Vorstand des Forschungszentrums den Jülicher Stadtrat bei einem Ortstermin.
Der Vertrag mit dem Betreiber des Zwischenlagers Ahaus stehe, berichtete Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Krafft. Ursprünglich hatte das Forschungszentrum beantragt, die Zwischenlagerung in Jülich fortzusetzen, aber zugleich die Option einer Auslagerung prüfen wollen. Die Genehmigungsbehörden hätten dann zu verstehen gegeben, dass das Lager in bestehender Form in Jülich nicht fortgeführt werden dürfe.
Das Depot sei auf der Basis der Sicherheitsbestimmungen von 1993 genehmigt worden. Fast 20 Jahre später gebe es andere Anforderungen, die aber nicht die baulichen Bedingungen oder auch die Lüftungsanlage betreffen, sondern in erster Linie die elektronische Überwachung.
Zwei Transportmöglichkeiten sind denkbar: Entweder über die Straße oder über die Schiene, denn das Forschungszentrum verfügt über einen Gleisanschluss. Sechs der Spezialbehälter dürfen pro Genehmigung gleichzeitig bewegt werden. Die Entscheidung trifft die Genehmigungsbehörde - das Bundesamt für Strahlenschutz - auf der Basis eines vorliegenden Gutachtens.
Castor-Transporte sind allerdings angesichts der Sicherungsmaßnahmen und möglicher Protestaktionen ein teures Unterfangen. Peter Schäfer vom Forschungszentrum: „Wir sind auch lieber mit einem Nobelpreis in den Medien.“ Die Transportkosten seien derzeit zwar unklar, aber eine Lagerung in Ahaus sei auf jeden Fall günstiger. Ein Hallen-Neubau in Jülich würde 40 Millionen Euro kosten, die jährlichen Betriebskosten lägen dann bei 4,5 Millionen Euro. Vier Millionen davon könnten bei einer Lagerung in Ahaus eingespart werden. Wenn auch die Jülicher Altlasten in Ahaus deponiert würden, wo bereits Kugelbrennelemente untergebracht sind, ergeben sich laut FZJ-Vorstand nämlich erhebliche Kostenvorteile, da nur noch ein Überwachungs- und damit ein Kostenapparat anfalle.
Protest kam jedoch von den Grünen. „Atomtransporte sind immer gefährlich. Sie sind der Bevölkerung nicht zuzumuten. Das Material sollte in Jülich bleiben“, sagte der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer. Zudem soll, wie bereits bekannt, in den nächsten zehn Jahren schwächer strahlender Müll aus abgebauten Atomanlagen, Bauschutt, Putzlappen und Metallschrott nach Ahaus transportiert werden. Bei etwa 1800 Gebinden (Abfallpaketen) sei nach Betreiber-Angaben „realistisch im Mittel von zwei Transporten pro Woche auszugehen“, so die Bundesregierung. Sonstige schwach- und mittelradioaktive Abfälle des Forschungszentrums, die sich in Zwischenlagern am Standort Jülich befänden, sollten ins Endlager Konrad (bei Salzgitter) verfrachtet werden, sobald dieses „annahmebereit“ für die Jülicher Lieferungen sei.
Der Atomversuchsreaktor (AVR) in Jülich selbst wird seit März 2009 unter schwierigsten Bedingungen wieder abgebaut. Die Bundesregierung bestätigte, dass das Gelände um das Reaktorgebäude herum und unter den Fundamenten radioaktiv verseucht ist. Die Kontaminationen reichten zwar ins Erdreich und ins Grundwasser. Nach Gutachten sei aber „im Zusammenhang mit den Abbaumaßnahmen eine Gefährdung des Anlagenpersonals sowie der Umwelt ausgeschlossen“.
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