Von Katharina Hamacher, 21.01.10, 21:07h, aktualisiert 22.01.10, 13:12h
Die geballte Intelligenz in seinem Inneren ist dem minimalistischen Regalboard auf den ersten Blick nicht anzusehen. Bei einer Höhe von gerade mal 51 Millimetern kann das hochglanzlackierte Wandmöbel „Hohrizontal51“ der Firma „Finite Elemente“ so ziemlich alles, was man eigentlich von einer voluminösen Luxus-High-Tech-Anlage erwarten kann. Getreu dem Motto „Design macht die Musik“ dringt lupenreiner Sound aus den kleinen Lautsprechern neben den unauffälligen Schlitzen für CDs und DVDs, rückseitig verbergen sich die Anschlüsse für Fernseher, iPod, iPhone und mp3-Player.
Bei der Entwicklung dieser stylishen Neuheit ist Soundboard-Designer Bernd Brockhoff seinem persönlichen Grundsatz gefolgt: „Alles, was auf Anhieb unmöglich erscheint, ist Innovation.“
Das clevere Möbel ist ein Beispiel für einige „Hidden Champions“, die sich auf der Möbelmesse mitten unter die etablierten Designer mischen und (noch) nicht in aller Munde sind.
Holz mit Patina und Geschichte
Der Trend des vergangenen Jahres „zurück zur Natur“ wird auch weiterhin bei Firmen wie Ethnicraft umgesetzt. Der Möbelhersteller hat sich auf das Recyclen von Teakholz spezialisiert und präsentiert in diesem Jahr seinen ersten Ausziehtisch. Unter anderem alte, wieder aufbereitete Schiffsdielen verleihen den Tischen und Schränken Patina. Preis für die Unikate: ab 900 Euro.
Unnachahmbares bietet die italienische Firma Riva 1920. Sie fertigen Tische und Hocker aus Eichenstämmen, die mindestens 250 Jahre im Wasser der Lagune von Venedig gelegen haben. Wasser, Feuer und Luft haben im Laufe der Jahrhunderte faszinierende Spuren in das Holz gezeichnet.
Edle Holzoberflächen ergänzen auch das skulpturale Möbeldesign der bulgarischen Firma Mebelor. Designerin Penka Stantcheva kombiniert verschiedene Echtholzfurniere mit in Basic- und Trendfarben lackierten Oberflächen. Die bewegliche Tischoberfläche erlaubt verschiedene Sitzpositionen und lässt sich so intelligent den Bedürfnissen der Benutzer anpassen.
Weg von der Scharfkantigkeit ihrer Küchenmöbel und hin zum noch immer angesagten Retro-Look geht die Designerin bei Schlaf- und Regalmöbeln, die mit abgerundeten Ecken in 60er-Jahre-Tönen erstrahlen.
Zurück in die 70er geht auch Möller Design, die neben grifflosen Retro-Sideboards in schlichten Farben ihr Polsterbett im beigen Feincord-Stil präsentieren. Weg von „form follows function“, dem Leitspruch für gutes Design und hin zu „etwas mehr Gefühl“ wirkt das Steppbett jedoch eher bieder als innovativ.
Für viel frischen Wind sorgen hingegen auch in diesem Jahr wieder die „jungen Wilden“ in Halle 3.1. Großes Thema beim Designnachwuchs ist neben puristischem Ecodesign fernab vom Schmuddel-Öko-Image besonders intelligente Flexibilität.
Schön, funktional und überaus praktisch kommen Tische, Hocker, Sessel und Sofas daher, die jeder noch so kleinen Wohnung einen individuellen Stil verpassen und bei Bedarf so zusammengefaltet werden können, dass sie ganz unauffällig in der kleinsten Nische verschwinden.
Speisen am
Tapeziertisch
So spendet der trapezförmige, weißkantige Tisch aus Mdf-Holz in gedeckten Farben Platz für spontanen Besuch, während das Möbel nach dem Vorbild eines Tapeziertisches zusammengefaltet wie ein schicker schmaler Koffer mit Griffen aussieht. Designer Robert Halsbeck von der Kunst- und Designhochschule Halle nimmt mit dem Multitalent am Designcontest der Messe teil.
Als außergewöhnlicher Hingucker kommt das „Blow Sofa“ der ganz jungen polnischen Designfirma Malafor daher. Wie eine Luftmatratze lassen sich Sitz- und Rückenteil aufblasen, deren Material wie braunes Packpapier anmutet. Gehalten werden die luftigen Teile von orangefarbenen Stahlklammern.
Schreiend bunt hingegen sind Stuhl und Kronleuchter von Pepe Heykoop. Die Stücke des jungen Designers bestehen aus farbigen Bauklötzen und wurden mit dem „interior innovation award cologne“ ausgezeichnet. Doch nicht nur wegen der innovativen Möbelideen lohnt sich am Wochenende ein Gang durch die Halle 3.1.
Bemerkenswert sind auch die außergewöhnlichen Messestände, die Designstudenten selbst entworfen und gefertigt haben. Iglus aus verschraubten PVC-Kisten, Mikado-artige Gewölbe aus Holzstäben, Wände aus Pizzakartons, wirr gespannte Schnüre oder schräge Märchenwelten rahmen die Objekte des Designnachwuchses ein. Egal ob die Ideen beim Betrachter auf Zuspruch stoßen, für Inspiration sorgen sie allemal.
imm-cologne.de
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22. April 2012,
E-Werk Köln
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