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LVR-Freilichtmuseum Kommern

Klein-Henry ist schon 250 Kilo schwer

Von Renate Hotse, 07.01.10, 18:04h, aktualisiert 08.01.10, 11:38h

Eine Geburtstagstorte aus Zwieback und Möhren - mit diesem Geburtstagsgeschenk hat Bullen-Patin Simone Lenz "ihren Henry" überrascht. Henry ist seit einem Jahr Teil eines Projektes zum Erhalt der Glan-Donnersberger-Rasse.

Glan-Donnersberger
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Eine Torte aus Zwieback und Möhren - hier muss jedes Bullen-Herz weich werden. (Bild: Düster)
Glan-Donnersberger
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Eine Torte aus Zwieback und Möhren - hier muss jedes Bullen-Herz weich werden. (Bild: Düster)
Kommern - KOMMERN. Es gab eine Torte, eine brennende Kerze und ein Geburtstagsständchen wurde auch gesungen. Auch das Geburtstagskind selbst war präsent, wenn auch in diesem Fall ungewöhnlich: Bullenbaby „Henry“ feierte seinen ersten Geburtstag, und dazu hatte es natürlich nicht selbst in den Kuhstall eingeladen, sondern das Freilichtmuseum Kommern. Denn dort ist „Henry“ als Vertreter einer uralten Rindvieh-Rasse zuhause.

So kamen gestern Nachmittag Museumsleiter Dr. Josef Mangold, seine Mitarbeiter und natürlich Henrys Patin Simone Lenz aus Bergheim im Stall in der Baugruppe Bergisches Land zusammen, um den ersten Geburtstag des kleinen Bullen zu feiern. Denn die Bezeichnung Kälbchen wäre schon untertrieben: Brachte der rot-blond gelockte „Henry“ bei seiner Geburt „nur“ 40 Kilogramm auf die Waage, bringt er es mittlerweile auf gute 250 Kilogramm.

Kein Wunder, wurde der jüngste Vertreter der gefährdeten Rasse „Glan-Donnersberger Rind“ seit seiner Geburt doch bestens betreut. Dafür sorgten nicht nur die Museumslandwirte Gerd Linden und Karl-Heinz Hucklenbroich, sondern auch Simone Lenz, die im Laufe des ersten Lebensjahres ihr stämmiges, vierbeiniges Patenkind nicht nur regelmäßig besuchte, sondern ihn auch immer wieder gefüttert und auch freiwillig seinen Stall ausgemistet hat. Sie war dabei, als er nach der langen Winterzeit im Stall zum ersten Mal auf die Weide kam und hat aufmerksam beobachtet, wie sich der Kleine zum Halbstarken entwickelte. Ihr entging keine Veränderung: „Jetzt ist er nicht mehr so hell wie bei seiner Geburt.“

„Mit ihr haben wir wirklich die ideale Patin gefunden“, lobte Dr. Mangold das Engagement der jungen Frau und bedankte sich bei ihr mit einer Jahreskarte fürs Freilichtmuseum. Die Tierliebhaberin ist froh, dass ihr Patenkind nicht als Braten enden muss, sondern in die Fußstapfen des Museumsochsen Max treten wird. „Ich bin Vegetarierin und sehe die Tiere lieber lebend auf der Wiese als in der Fleischtheke“, bekundete sie und freut sich, dass „Henry“ künftig an Pflug und Wagen angelernt und im Museum zur Arbeit eingespannt wird. Denn das dies die Bestimmung des kleinen Ochsen sein wird, gab Museumslandwirt Gerd Linden bekannt. Vor einem Jahr hatte Simone Lenz den Wettbewerb um die Namensgebung des frisch geborenen Kälbchens gewonnen.

„Unser Hund war gerade gestorben, des hieß auch Henry und hatte helles, lockiges Fell. Da habe ich es einfach mit diesem Namen versucht“, erklärte sie ihre Namenswahl. Vorgegeben war nur, dass er mit einem H zu beginnen hatte, denn Henrys Vater heißt Helge - wie übrigens auch der Ehemann von Simone Lenz. Mit ihrem Vorschlag stand sie nicht alleine dar: Unter mehreren hundert Einsendungen wurde dieser Name am häufigsten genannt und verwies zum Beispiel Alternativen wie „Hannibal“ und „Hugo“ auf ihre Plätze.

Mit dem ersten Geburtstag endet nun die Patenschaft, sicherlich gilt das aber nicht für die Besuche von Simone Lenz und ihrer Familie in Kommern. Schließlich will sie sich auch weiter von seinem Wohlergehen überzeugen. Bald wird sie seinen Zahnwechsel miterleben können. „Noch hat er seine Milchzähne, aber die fallen bald aus und dann bekommt er breitere Zähne“, erklärte Gerd Linden.

„Henry“ machte übrigens auch überregional Schlagzeilen. Nicht nur, weil Simone Lenz in verschiedenen Internetforen kräftig Werbung für die Tierpatenschaften machte, sondern auch, weil sie sich mit ihm bei einer Umfrage einer bekannten Frauenzeitschrift beteiligte. Da wurde zum Ende eines Krisenjahres der „Lichtblick 2009“ gesucht - und siehe da, Henry gewann mühelos. „Er war mein persönlicher Lichtblick des vergangenen Jahres“, bestätigt die Bergheimerin.

Der Förderverein des Museums bietet Interessierten auch in Zukunft an, Patenschaften nicht nur für Rinder, sondern alle Tiere, die im Museum leben, zu übernehmen. Allein oder zu mehreren können sie das Museum bei den Futterkosten unterstützen. Diese belaufen sich im Jahr zum Beispiel auf 20 Euro für ein Huhn, in Henrys Fall kamen - trotz der guten Milch von Mutter Layla - 500 Euro zusammen. Am teuersten wird das Vergnügen für den Paten des Museumsochsen Max: Der 1,3-Tonner frisst im Jahr für 1500 Euro. Ab einer Spende von 50 Euro können die Paten ihr Tier im Museum jederzeit besuchen, da sie freien Eintritt für das Jahr der Patenschaft erhalten. Zu den besonderen Höhepunkten zählt immer der direkte Kontakt mit den Tieren unter Anleitung der Museumslandwirte.

„Kann sein, dass bei uns das Tier des Jahres 2010 eine Ziege ist“, verriet Museumsleiter Dr. Josef Mangold. Sicher ist, dass eine der weißen deutschen Edelziegen tragend ist und in den nächsten Wochen für Nachwuchs sorgen wird.



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