Von Christian Deppe und Manfred Reinnarth, 22.01.10, 21:46h
Laut Staatsanwaltschaft sind jedoch „keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass Manipulationen erfolgt sind, um Schwachstellen oder Gefahrenstellen in der Schlitzwand zu vertuschen“. Aus diesem Grund würden die Betrugsermittlungen auch in einem gesonderten Verfahren angestellt. Die Ermittlungen der Einsturzursache würden hingegen weiterhin gegen unbekannt geführt. Staatsanwalt Günther Feld lehnte weitere Auskünfte ab, weil sie den „Ermittlungszweck gefährden“ könnten. „Wir haben drei sehr kompetente Gutachter, die sehr genau nach der Einsturzursache forschen.“
Tatsächlich soll es nach Rundschau-Informationen erhebliche Schwierigkeiten beim Bau der Schlitzwand des Gleiswechselbauwerks gegeben haben, konkret beim Aushub für die 3,40 Meter breite Lamelle 11. Der Bagger, mit dem der Aushub vorgenommen wurde, soll angeblich auf etwa der Hälfte der Strecke nach unten sowie unmittelbar unterhalb der Sohle auf massive Hindernisse gestoßen sein. Daran habe er sich sogar die Zähne der ebenfalls 3,40 Meter breiten Baggerschaufel „ausgebissen“, so dass er zunächst nicht mehr einsatzfähig war, heißt es. Mit einem Meißel sollen die Hindernisse später durchstoßen worden sein. Worum es sich handelte, sei noch nicht bekannt. Später sei mit einer schmaleren Baggerschaufel weitergearbeitet worden.
Im Zuge der Ursachenforschung wurde die Schlitzwand bereits mit indirekten Verfahren untersucht, das heißt mittels Rammsondierungen, Ultraschallerkundungen und Versuchen zur Erkundung von Grundwasserströmen. Dabei sollen an der Lamelle 11, bei deren Aushub die geschilderten Probleme auftraten, Anomalien festgestellt worden sein. Deren Ursache könne in den indirekten Verfahren jedoch nicht geklärt werden, weshalb man die Wand nun mit Hilfe des Sichtungsbauwerks in Augenschein nehmen wolle.
Die KVB schweigen zu allen Details. KVB-Sprecher Franz-Wolf Ramien legt Wert darauf, dass die KVB keine Anzeige erstattet hätten, sondern dass lediglich „im Zuge einer umfassenden Kooperation mit den Ermittlungsbehörden Informationen umgehend an die Staatsanwaltschaft Köln übermittelt“ worden seien. Denn nachdem die Gutachter am Waidmarkt Anomalien an einer Schlitzwand festgestellt hätten, seien die Protokolle zum Bau einzelner Lamellen intensiv geprüft worden. Es handele sich um elektronische, von den Maschinen automatisch erstellte Vermessungsprotokolle, die normalerweise keiner Prüfung bedürften.
Die Ratsmitglieder im KVB-Aufsichtsrat reagierten zurückhaltend. Karsten Möring (CDU) hat „Vertrauen die gründliche Arbeit der Ermittler“, ebenso Christtraut Kirchmeyer (FDP), die über den Verdacht der Datenmanipulation „erschüttert“ ist. Die Grünen, sagt Bettina Tull, wollen das Ergebnis abwarten, die SPD, so Susana dos Santos Herrmann, geht davon aus, dass die KVB weiter mit offenen Karten spiele, zumal der KVB-Vorstand dem Aufsichtsrat auch gestern zugesagt habe, ihn laufend zu unterrichten.
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