Von WALTER K. SCHULZ, 30.01.10, 07:06h
(Ex-)Verkehrsminister Oliver Wittke toppte vor Jahresfrist seine (zu) schnellen Autofahrten mit einer anderen Blitzaktion - einem Federstrich zur Verlängerung der Nachtflugerlaubnis bis 2030. Ruhe im Karton des Frachtflugs. Doch nach dem langen Kampf in Sachen Luftfracht richten Bürger und Kommunen nunmehr ihren Blick auf den Passagierflug. Die Kernruhezeit - zumindest in Sachen Passagier - ist aktuell wieder in aller Munde. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts soll der Türöffner für einen Stopp des nächtlichen Passagierfluges sein, der inzwischen 40 Prozent der Nachtbewegungen am Airport ausmacht. Die Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln / Bonn (LSG) hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (die BLZ berichtete) nun gebeten, aktiv zu werden.
Breidenbach: Für den
Urlauber völlig Käse
Basis ist ein Landtagsbeschluss von CDU, FDP und SPD von 2007. Darin wurde zwar dem Grünen-Antrag auf ein generelles Nachtflugverbot eine Absage erteilt, der Landtag erwartete aber von der Landesregierung, dass neben den wirtschaftlichen Interessen des Flughafens auch die berechtigten Interessen der Anwohner an einer Verminderung der Lärmbelastung durch eine Kernruhezeit im Passagierflugbetrieb berücksichtigt werden. Auf den Beschluss verweist der Landtagsabgeordnete Holger Müller (CDU). Der Entschließung des Landtages habe sich auch der Kreistag angeschlossen.
Warum müssen nachts Passagiere fliegen, die dann morgens bis mittags auf den Koffern warten, bis ihr Hotelzimmer fertig ist? Helmut Breidenbach von der LSG: Das ist für den Urlauber natürlich völliger Käse. Aber: Die Reiseveranstalter wollen einen Umlauf hinzu bekommen. Sie können damit ein Flugzeug pro Tag mehr hin- und her schicken.
Blumen, Obst und Gemüse, jetzt auch Textilien und Maschinenteile als Fracht in Passagierfliegern? Weltweit befördern Airlines mehr als 60 Prozent der Fracht mit Passagierflugzeugen. Doch damit hat Köln / Bonn nichts zu tun. Flughafensprecher Walter Römer: Es gibt bei uns praktisch keine Beiladefracht in Passgierflugzeugen, weder am Tage noch in der Nacht. Grund: Die Praxis spielt vor allem bei Langstreckenflügen ein Rolle.
Das wäre ja auch ein übler Trick, sagt Wolfgang Hoffmann, Vizechef der Lärmschutzgemeinschaft, wenn man auch hier in Köln versuchen würde, die Fracht über die Hintertüre reinzubringen. Ich habe noch nichts davon gehört. In Frankfurt ist das der Fall. Sonst kämen die ja auch nicht auf diese immense Menge von über einer Millionen Tonnen Fracht pro Jahr.
In einem Gutachten (u. a. von prognos) wird ein nächtlicher Passagierstopp für Köln negativ beurteilt. Für den Fall der Beschränkung ab 2010 könne man davon ausgehen, dass 160 Bewegungen pro Woche nicht mehr in Köln abgewickelt würden. Das hieße: Von 1,25 Millionen betroffenen Passagieren im Jahr 2010 würden nur knapp 0,1 Millionen am Kölner Airport verbleiben.
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