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Karneval

BAP-Chef Niedecken entwirft Zochwagen

Von Stefan Volberg, 29.01.10, 22:25h, aktualisiert 29.01.10, 22:35h

Wolfgang Niedecken ist kein Fan vom Kölner Karneval. Da verreist der Chef der Rockband BAP oft, auch nach Afrika. Jetzt ist er Mitgestalter von zwei Wagen für den Rosenmontagszug. Woher kommt dieser Sinneswandel?

Wolfgang Niedecken
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Wolfgang Niedecken (l.) (Bild: Gauger)
Wolfgang Niedecken
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Wolfgang Niedecken (l.) (Bild: Gauger)
Köln - Jedes Jahr, erzählt Wolfgang Niedecken, häufen sich zum Jahresende im BAP-Büro die Anfragen mit Interviewwünschen, in denen der Chef der Rockband seine Aversion gegen den Kölner Karneval darlegen soll. Auf dem 1982 erschienen Album hatte er seine Haltung im Lied „Nit för Kooche“ formuliert. Jetzt ist er ein Mitgestalter von zwei Wagen für den Rosenmontagszug. Woher dieser Sinneswandel?

„Das war noch vor der Erfindung der Stunksitzung“, erklärte Niedecken - also „verdammp lang her“. „Seither schleppe ich das Thema mit mir rum.“ Im Grund sei das Eis aber seit der Stunksitzung bereits gebrochen. Seine ganze Familie sei allerdings karnevalsverrückt, und mit seinen Söhnen habe er - getarnt in einem Plumeau als „Gespenst“ - auch live den Zoch angeschaut, wie seinerzeit als Kind im elterlichen Haus an der Severinstraße. Das hat sich später gewandelt: „Da hatte ich mit Karneval nicht furchtbar viel am Hut.“ An Karneval verreist er oft, auch nach Afrika, wo er besonders die Wiedereingliederung der Kindersoldaten zu seinem Thema machte.

Als Zugleiter Christoph Kuckelkorn auf ihn zukam und ihm anbot, für den Zoch ein Thema vorzuschlagen, „das ihm auf der Seele brennt“, kam das sehr unerwartet. Ebenso erschien es ihm wie eine wunderbare Chance, die Menschen anzuschubsen, sich mit dem Materie auseinanderzusetzen. „Aber das sind ja Stimmungskillerthemen. Wie konnte man das noch erträglich gestalten, aber auch die Finger in Wunde legen?“ Dabei halfen zwei Profis: Wagenbauer Dietmar Willms, der beide Entwürfe schuf, und sein Kollege Edgar Hillebrenner.

Was Niedecken erzählte, setzten sie so perfekt um, dass der Sänger nur noch Details korrigieren musste. Kuckelkorn begleitete den Prozess. Was daraus in der Wagenbauhalle entstand, nennt Niedecken begeistert „Kunstwerke“. Die KG Uhu und die Luftflotte werden die Wagen durch Köln fahren. Auf einem Entwurf („weckjezäppt“) schaltet ein Ehepaar das TV-Programm aus, das Kindersoldaten zeigt, der andere („Dä Sponsor kütt“) spielt auf die Profiteure aus der „Ersten Welt“ an, die Menschen und Bodenschätze (etwa Coltan für Handys) in Afrika ausbeuten.

Wolfgang Niedecken wird sich den Zoch live angucken, vielleicht unkenntlich kostümiert in einer Burka. Er hätte auf dem Wagen des Zugleiters im Rosenmontagszug mitfahren sollen („meine Frau hat ,hurra geschrien“), doch er zog sich einen Innenbandriss am Knie zu. Doch Kuckelkorn schob bereits eine Einladung für 2011 nach. BAP, schwor der Bandchef, werde nie im Karneval auftreten. Doch auf dem Zug-Richtfest werde er den Festkomitee-Orden bekommen: „Das muss er erdulden.“



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