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WCCB

Baut Stadt in eigener Regie zu Ende?

Von UTA KRISTINA MAUL, 03.02.10, 07:18h, aktualisiert 03.02.10, 16:56h

Und wieder wird in der unendlichen Geschichte um das skandalträchtige World Conference Center Bonn (WCCB) ein neues Kapitel aufgeschlagen: Es gibt Chancen, das unfertige Kongresszentrum in städtischer Regie zu Ende zu bauen.

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Blick aufs Kongressgelände: Ziel ist, den großen Saal (l.) und das Hotelhochhaus Mitte 2011 in Betrieb zu nehmen. (Foto: Homey)
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Blick aufs Kongressgelände: Ziel ist, den großen Saal (l.) und das Hotelhochhaus Mitte 2011 in Betrieb zu nehmen. (Foto: Homey)
Bonn - BONN. Und wieder wird in der unendlichen Geschichte um das skandalträchtige World Conference Center Bonn (WCCB) ein neues Kapitel aufgeschlagen: Es gibt offenbar Chancen, das unfertige Kongresszentrum, dessen Kosten von 140 auf 200 Millionen Euro explodierten, in städtischer Regie zu Ende zu bauen. Ob diese Fertigstellung dann 60 oder gar 70 Millionen Euro teuer wird, wie es neuerdings heißt, dürfte erst Mitte Februar feststehen, wenn die Bautenstandsfeststellung vorliegt. Neues Zeitziel jedenfalls ist die Jahresmitte 2011, zu der die Neubauten - der große Saal und das Hotelhochhaus - in Betrieb genommen werden könnten. Das erklärten gestern übereinstimmend die schwarz-grüne Mehrheitskoalition im Stadtrat und der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD). Der OB war in den vergangenen Monaten noch davon ausgegangen, den Saal des Kongresszentrums bis April 2010 fertigstellen zu können.

Parallel zum neuen Zeitplan wollen Politik und Verwaltung Sorge dafür tragen, dass die so genannten Bestandsgebäude (Plenarsaal, Altes Wasserwerk, Beethovenhalle) ohne Unterbrechung weiterbetrieben werden können. Durch Stornierungen bereits für das Jahr 2010 gebuchter Tagungen und sonstiger Veranstaltungen in diesen Bestandsgebäuden soll bereits ein Einnahmeverlust von mehr als 2,2 Millionen Euro entstanden sein. Der finanzielle Schaden, den das Desaster ums WCCB der Stadt, also dem Steuerzahler, insgesamt beschert hat, dürfte riesig sein: „Ein dreistelliger Millionenbetrag ist nicht auszuschließen“, sagte Ratsherr Peter Finger (Grüne) gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von CDU und Grünen im Alten Rathaus.

„Es geht nur noch um Schadensbegrenzung. Und die ist nur durch Transparenz möglich“, ist die Devise von Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt zum Umgang mit dem einstigen Prestige- und heutigen Skandalprojekt WCCB. Mit einem Dringlichkeitsantrag für den Finanzausschuss am 10. Februar, den CDU und Grüne am Montagabend mit OB Nimptsch erörterten, wollen sie einen Rettungsversuch fürs WCCB starten. „Um schnellstmöglich handlungsfähig zu werden, müssen wir den Betrieb in den vorhandenen Bestandsgebäuden des Kongresszentrums trennen von der Frage, wie das WCCB zu Ende gebaut wird“, erklärte CDU-Stadtverordneter Klaus Peter Gilles.

Damit der Stadtrat am 18. Februar eine verantwortliche Entscheidung zur Übernahme des Betriebsteils „Kongressbetrieb“ von der insolventen WCCB Management GmbH treffen könne, muss die Verwaltung nach Meinung der Koalition unverzüglich unter anderem Folgendes vorlegen:

Beinen „belastbaren Businessplan“, aus dem nachvollziehbar alle Chancen und Risiken hervorgehen, die mit einer Fortführung des Kongressbetriebs verbunden sind;

Bein Organigramm mit Tätigkeitsbeschreibung des für den Kongressbetrieb notwendigen Personals;

B eine „belastbare Darstellung“ der vom Insolvenzverwalter auf monatlich 280 000 Euro bezifferten Betriebskosten (netto, macht brutto rund 4 Millionen Euro im Jahr, etwa 2 Millionen weniger, als noch im Dezember kalkuliert worden waren), die bis Ende 2010 für die Fortsetzung des Kongressbetriebs nötig seien;

B Informationen darüber, welche Rechts- und Organisationsform für eine Übernahme des Geschäftsbetriebs - etwa durch eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke oder die Tourismus-Gesellschaft - in Frage kommen.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch kündigte gestern für die Ratssitzung am 18. Februar eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung an mit Vorschlägen, „wie der Betrieb der so genannten Bestandsgebäude und der Beethovenhalle ohne Unterbrechung und die kommunale Einflussnahme auf die Baufertigstellung und Bewirtschaftung des Erweiterungsbaus verstärkt und gesichert werden kann.“ Für die Beethovenhalle seien dabei auch städtische Managementstrukturen denkbar.

Nimptsch verwies des Weiteren auf das Interesse einer größeren Gruppe von Investoren oder Betreibern, das WCCB zu übernehmen. Die Probleme um das Projekt hätten an seinen Marktchancen nach Einschätzung der Verwaltung wenig geändert.



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