Von UTA KRISTINA MAUL, 03.02.10, 07:18h, aktualisiert 03.02.10, 16:56h
Parallel zum neuen Zeitplan wollen Politik und Verwaltung Sorge dafür tragen, dass die so genannten Bestandsgebäude (Plenarsaal, Altes Wasserwerk, Beethovenhalle) ohne Unterbrechung weiterbetrieben werden können. Durch Stornierungen bereits für das Jahr 2010 gebuchter Tagungen und sonstiger Veranstaltungen in diesen Bestandsgebäuden soll bereits ein Einnahmeverlust von mehr als 2,2 Millionen Euro entstanden sein. Der finanzielle Schaden, den das Desaster ums WCCB der Stadt, also dem Steuerzahler, insgesamt beschert hat, dürfte riesig sein: „Ein dreistelliger Millionenbetrag ist nicht auszuschließen“, sagte Ratsherr Peter Finger (Grüne) gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von CDU und Grünen im Alten Rathaus.
„Es geht nur noch um Schadensbegrenzung. Und die ist nur durch Transparenz möglich“, ist die Devise von Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt zum Umgang mit dem einstigen Prestige- und heutigen Skandalprojekt WCCB. Mit einem Dringlichkeitsantrag für den Finanzausschuss am 10. Februar, den CDU und Grüne am Montagabend mit OB Nimptsch erörterten, wollen sie einen Rettungsversuch fürs WCCB starten. „Um schnellstmöglich handlungsfähig zu werden, müssen wir den Betrieb in den vorhandenen Bestandsgebäuden des Kongresszentrums trennen von der Frage, wie das WCCB zu Ende gebaut wird“, erklärte CDU-Stadtverordneter Klaus Peter Gilles.
Damit der Stadtrat am 18. Februar eine verantwortliche Entscheidung zur Übernahme des Betriebsteils „Kongressbetrieb“ von der insolventen WCCB Management GmbH treffen könne, muss die Verwaltung nach Meinung der Koalition unverzüglich unter anderem Folgendes vorlegen:
Beinen „belastbaren Businessplan“, aus dem nachvollziehbar alle Chancen und Risiken hervorgehen, die mit einer Fortführung des Kongressbetriebs verbunden sind;
Bein Organigramm mit Tätigkeitsbeschreibung des für den Kongressbetrieb notwendigen Personals;
B eine „belastbare Darstellung“ der vom Insolvenzverwalter auf monatlich 280 000 Euro bezifferten Betriebskosten (netto, macht brutto rund 4 Millionen Euro im Jahr, etwa 2 Millionen weniger, als noch im Dezember kalkuliert worden waren), die bis Ende 2010 für die Fortsetzung des Kongressbetriebs nötig seien;
B Informationen darüber, welche Rechts- und Organisationsform für eine Übernahme des Geschäftsbetriebs - etwa durch eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke oder die Tourismus-Gesellschaft - in Frage kommen.
Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch kündigte gestern für die Ratssitzung am 18. Februar eine Beschlussvorlage der Stadtverwaltung an mit Vorschlägen, „wie der Betrieb der so genannten Bestandsgebäude und der Beethovenhalle ohne Unterbrechung und die kommunale Einflussnahme auf die Baufertigstellung und Bewirtschaftung des Erweiterungsbaus verstärkt und gesichert werden kann.“ Für die Beethovenhalle seien dabei auch städtische Managementstrukturen denkbar.
Nimptsch verwies des Weiteren auf das Interesse einer größeren Gruppe von Investoren oder Betreibern, das WCCB zu übernehmen. Die Probleme um das Projekt hätten an seinen Marktchancen nach Einschätzung der Verwaltung wenig geändert.
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