Von WOLFGANG MRZIGLOD, 03.02.10, 19:08h
Bevor der Chef, Spezialist für Orden und Pokale, aber selber zu einer der Farbspritzen mit den feinen Nadeln greift, um die Metallplatten zu kolorieren, muss er schnell noch eine Farbe anmischen: Lila. Wir haben einen Orden mit einer Kuh, die soll so aussehen wie aus der Schokoladenwerbung, erklärt er.
Die Farbe für die Orden ist recht teuer. Dafür wird keine Grundierung benötigz, die Farbe kann direkt auf Metall auftragen werden. Wenn alle Flächen ausgemalt sind, kommen die Orden in den Ofen und werden gebrannt. Das Gros der Arbeit für dieses Session ist geschafft, nur noch einige kleinere Partien oder Nachbestellungen sind herzustellen, erklärt Wilfried Wüst.
Karnevalsorden sind Handarbeit. Am Computer werden die Muster nach den Entwürfen oder Vorstellungen der Kunden und Vereine produziert und dann in einer Gießerei hergestellt. Danach werden die filigranen Vorlagen mühsam per Hand ausgemalt und nach dem Brennen mit mehrfarbigen Kordeln, passenden Metallketten oder bunten Bändern versehen.
Karnevalsorden und Ehrenzeichen kann man bei Wilfried Wüst seit 1998 kaufen. Bis dahin hatte sich der Frechener Unternehmer auf Pokale für Sportvereine spezialisiert. Seit dem Umzug an die Ringlokhallen im Jahr 2002 hat er sein Sortiment für die fünfte Jahreszeit erheblich erweitert und liefert alles, was das jecke Herz begehrt. Wir liefern nicht nur an Frechener Gesellschaften, unsere Kunden kommen aus dem Rhein-Erft-Kreis, der Eifel, aus Aachen, Köln oder auch aus anderen Teilen Deutschlands, so Wüst. Wie zur Bestätigung zeigt er auf die Wand hinter sich, wo einige Muster der vergangenen Jahre zu finden sind. Auch in einer wackeligen Schublade findet man Orden und Ehrenzeichen vergangener Jahre als Beispiel für die Vielfalt an Formen und Ideen.
Viel geändert hat sich nach Worten des Fachmanns in den Jahren nicht. Die traditionellen Garden schwören auf ihre oft mehrteiligen Gardekreuze mit Strass und glitzernden Glassteinen. Dreigestirne, Prinzenpaare und Prinzen oder Prinzessinnen wollen meistens einen Sessionsorden haben, der - leicht abstrakt - sie selber zeigt, wobei dann meistens noch einige Utensilien auf die Hobbys oder Berufe der Majestäten hinweisen sollen.
Die normalen Gesellschaften greifen Themen aus dem Alltag auf, wie seinerzeit die Euro-Einführung oder auch die Finanz- und Wirtschaftskrise. Reine Motto-Orden findet man auf dem Land weniger.
Wilfried Wüst hat beobachtet, dass man jetzt wieder mehr Glanz auf den Orden haben will: Vor einigen Jahren waren mattere Farben gefragt. Was in den letzten Jahren hinzugekommen ist, ist der so genannte Damenorden, eine etwas kleinere und leichtere Version des normalen Ordens für die Frauen. Gefragt sind neben Ordensspangen auch preiswerte Buttons mit dem Tollitäten-Konterfei oder dem Logo der Gesellschaft.
Seit einigen Jahren kann man auch Orden kaufen, die in Asien hergestellt werden. In der Region werden sie aber nur wenig vertrieben, denn die ersten Entwürfe zeigten Mariechen oder Prinzen mit asiatischem Gesichtsausdruck. Und welch rheinische Frohnatur möchte sich schon so dargestellt wissen. . .
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