Von Matthias Hendorf, 03.02.10, 21:18h
Am 4. August des Vorjahres hatte Sturm seinen Vertrag beim Boxstall Universum gekündigt, er will sich künftig selbst vermarkten. Universum ist das Imperium von Promoter Klaus-Peter Kohl (65). Einst haben die Klitschkos, Wladimir und Vitali, hier ihre Karriere begonnen. Doch sie sind seit 2004 nicht mehr da, sie fühlten sich um Geld betrogen von Kohl und prozessierten. Wie jetzt Sturm. Das Problem: Die Klitschkos haben bereits Recht bekommen, Sturm noch nicht. Kohl erkannte dessen Kündigung nicht an und zog eine einseitige Option, die den im November ausgelaufenen Vertrag um drei Jahre verlängerte. Dagegen ging Sturm vor. Sein Anwalt Sebastian Cording, er betreute auch die Klitschkos, reichte am 8. Dezember eine Feststellungsklage bei Gericht ein. Sie soll klären, ob Sturms Kündigung wirksam ist. Ein Urteil wird in diesen Tagen erwartet.
Unruhig oder gar nervös ist Sturm aber nicht. Lässig sitzt er jetzt im Büro seines Managers Roland Bebak in der Kölner Südstadt und sagt: „Ich bin absolut positiv. Die Frage nach den Konsequenzen eines negativen Urteils stelle ich mir nicht, weil es nicht passieren wird.“ Sturm hat vieles mitgemacht, sagt er, seit er, damals noch als Adnan Catic bekannt, am 1. November 2000 bei Universum unterzeichnete. Erst später nannte sich der Sohn bosnischer Eltern Felix Sturm. „Ich wurde wie ein Leibeigener behandelt“, sagt er. Es habe irgendwann keine Kommunikation mehr zwischen ihm und Kohl gegeben.
Harte VertragskonditionenAber eigentlich dreht sich in dieser Geschichte eben doch alles um Geld. Sturm erhielt von Kohl kein monatliches Gehalt, nur die Kampfbörse und davon habe er 38 Prozent abgeben müssen, sagt er. Der Rest, die Einnahmen aus dem Kartenverkauf, die Erlöse der Fernsehrechte, Sturm sah davon angeblich keinen Cent. Anfangs, als junger Boxer, habe er das nicht durchschaut, doch „mit der Zeit lernt man dazu. Heute kenne ich mich aus mit Promotern, Managern, Gebühren, den Weltverbänden. Kohl kann mir nichts mehr erzählen. Es kann nicht sein, dass der Promoter mehr verdient als der Boxer“.
Nun will Sturm sich selbst vermarkten, mit seiner Frau Jasmin und Bebak hat er Plus One, seine eigene Promotion-Agentur, gegründet. Ihren Sitz hat sie in Köln. Dort, in der Südstadt, lässt er gerade seine neue, eigene Trainingsstätte herrichten, das „Felix Sturm Boxing“, in der auch die Agentur integriert sein wird. Bei der Besichtigung ist Sturm sogar ein bisschen hibbelig, erklärt, was in welcher Ecke gebaut wird. Bebak erzählt, es sei Mitte oder Ende März fertig. Sturm hört das und sagt: „Wie, Ende März? 1. März, ganz klar.“ Bebak, der braun gebrannte 1,90-Meter-Schrank, nickt. Kohl ist in diesem Moment weit weg. Das „Gym“ ist 1.200 Quadratmeter groß, soll 250.000 Euro kosten. Gut angelegtes Geld, glaubt Sturm.
Er hat bereits mit dem Vermarkter „Ufa Sports“ einen neuen Vertrag geschlossen. 20 Millionen Euro, so wird kolportiert, soll ihm dieser für zehn Kämpfe bringen. Noch zwei Mal möchte Sturm in diesem Jahr boxen. Der nächste Kampf soll um den Juni herum, der zweite im Dezember stattfinden - in der Kölner Lanxess-Arena. „Das ziehen wir ganz groß auf“, sagt Sturm, der Promoter.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige