Von Ralf Arenz, 05.02.10, 09:32h, aktualisiert 05.02.10, 10:00h
„Zuletzt hat sich das Unternehmen Stück für Stück nach oben gearbeitet“, sagt der Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Der Lohn: 308 000 Wagen der Marke kamen 2009 in Deutschland erstmals auf die Straße. So viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Ford war mit einem Zulassungsplus von 33,7 Prozent in Deutschland einer der Gewinner des Autojahres 2009. Der Marktanteil von 7,6 Prozent war sogar der höchste seit 2002. Zwar lief es in Saarlouis und im belgischen Genk, das ebenfalls zu den Ford-Werken gehört, nicht ganz so gut. Dank Abwrackboom wurden im vergangenen Jahr in Köln-Niehl aber 406 166 Fiesta und Fusion gebaut. Derzeit sind es täglich 1900 Fahrzeuge. Das liegt an der Kapazitätsgrenze.
Steiler Aufstieg in den 60er Jahren
So muss sich das Henry Ford vorgestellt haben, als er am 2. Oktober 1930 den Grundstein für das Werk legte. „Ich weiß, dass die Deutschen einen guten Job machen werden“, sagte Ford damals. In Berlin war es Ford zu eng geworden. Aus vorgefertigten Teilen, die in Holzkisten aus den USA kamen, wurde die legendäre „Tin Lizzie“ zusammengesetzt.
Köln setzte sich gegen Frankfurt am Main, Magdeburg und Neuss durch. Angeblich hat der damalige Oberbürgermeister und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer die Fäden gezogen. Vielleicht haben aber auch das 170 000 Quadratmeter große Grundstück mit ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten und die Lage am Rhein, wo auch große Schiffe Rohstoffe anliefern konnten, überzeugt.
Im Mai 1931 verließ der erste in Köln gebaute Wagen die A-Halle. Ein Lastwagen, der auf Werbetour durch das Land ging. 1200 Mitarbeiter produzierten für den überdurchschnittlichen Stundenlohn von zwei Mark auf 33 000 Quadratmeter Fabrikfläche zunächst das Modell A. Ein Modell B, genannt Rheinland, sowie die Modelle Köln und Eifel folgten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es für die Ford-Werke steil bergauf. 1956 arbeiteten über 10 000 Beschäftigte im Unternehmen. 12 M, 15 M, „Badewanne“ sind gefragt. Die Jahresproduktion wird bis 1965 auf über 500 000 Einheiten hochgefahren. 1969 hatte Ford einen Marktanteil von 15,6 Prozent in Deutschland. 1971 arbeiteten über 50 000 Mitarbeiter für das Unternehmen. Unter anderem bauten sie den legendären Capri.
Gewaltige Produktivitätsschritte folgten. Heute kommen pro Jahr über eine Million Autos aus den Werken in Köln, Saarlouis und Genk. Beschäftigt werden 29 000 Mitarbeiter. Bei anderen Herstellern ist das ähnlich. Überkapazitäten in der Branche sind die Folge. Ford hat seine Kapazitäten schon vor zehn Jahren angepasst. Ein Montagewerk in England wurde geschlossen, die Fiesta-Produktion nach Köln verlagert. In England gab es eine Aufstockung der Motoren- und Getriebefertigung. Da musste sich niemand als Verlierer fühlen.
John Fleming, der Chef von Ford of Europe, habe die Kapazitäten geschickt angepasst, urteilt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Er habe ein „gutes Unternehmen“ aufgebaut. Das sieht Bratzel ähnlich. Ford habe erfolgreich an den Kosten gearbeitet. Im hart umkämpften Volumensegment, wo Autos zu einem attraktiven Preis verkauft werden müssen, sei das wichtig. Jetzt habe Ford sogar eine niedrigere Kostenstruktur als die Wettbewerber. Geschickt sei auch, wie Ford auf der gleichen Plattform Modelle für die ganze Welt entwickele und baue.
Dudenhöffer und Bratzel loben die junge Modellpalette und das neue Design, mit dem Ford auf dem richtigen Weg sei. Die Marke müsse aber weiter mit positiven Emotionen aufgeladen werden. „Bei der Jugend kommen die Fahrzeuge noch nicht so gut an“, sagt Bratzel. „Im Bereich des Mondeo muss Ford etwas tun“, rät Dudenhöffer. Was Design, Anmutung und hochwertige Ausstattung angehe, könne Ford vom Opel-Insignia etwas lernen - nicht aber von anderen Opel-Modellen.
„Die Fast-Follower-Strategie, also abzuwarten, welche Technik sich durchsetzt, ist für einen Volumenhersteller gar keine so schlechte Strategie“, sagt der Autoexperte. Demnächst kommen allerdings 25 Elektroautos von Ford in Köln auf die Straßen. Das sei eine gute Gelegenheit für Ford, Innovationsstärke zu demonstrieren, sagt Dudenhöffer.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln