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Allein ins Bordell statt mit Verein nach Mallorca?

Von SIGRID SCHULZ, 05.02.10, 07:06h

Wegen Veruntreuung von Geldern und der Vortäuschung eines Diebstahls muss sich ein 43-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Allerdings ging der erste Verhandlungstag...

BERGISCH GLADBACH. Wegen Veruntreuung von Geldern und der Vortäuschung eines Diebstahls muss sich ein 43-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Allerdings ging der erste Verhandlungstag ergebnislos aus und der Prozess wurde vertagt.

Als Obmann eines Sportvereins aus dem Kreis hatte der Freiberufler im letzten Jahr Gelder für eine Mallorca-Reise eingesammelt. Dabei soll er laut Anklage von den 6479 Euro Reisekosten nur 1296 Euro im Reisebüro angezahlt und den Rest für sich behalten haben. Bei der Polizei hatte der Gladbacher angegeben, dass er im Juni 5250 Euro in einem Schrank im Vereinsheim gelagert habe. Dieses Geld sei entwendet worden.

Kurze Zeit später legte der Gladbacher dann ein Geständnis ab. Er habe das Geld für die Reise eingesammelt und für Bordellbesuche ausgegeben. Den Diebstahl habe er vorgetäuscht, weil er den restlichen Reisepreis nicht mehr bezahlen konnte.

Richterin und Anklägerin

reagieren mit Skepsis

auf neue Einlassung

Vor Gericht widerrief der 43-Jährige sein Geständnis. „Ich habe bei der Polizei die Nerven verloren. Ich hatte Angst, die wühlen im Dreck. Ich hätte auch gestanden, dass ich jemanden umgebracht hätte.“ Dennoch sei er bereit, das Geld an den Verein zurück zu zahlen, denn schließlich „habe ich es verbockt“. 1000 Euro seien bereits zurück gezahlt.

Diese Aussage fanden sowohl Richterin Birgit Brandes als auch die Staatsanwältin befremdlich. „Wer soll Ihnen das glauben?“, fragte die Richterin. Völlig unverständlich sei, dass der 43-Jährige das Geld in einen Schrank gelegt haben will, zu dem mindestens zehn Personen freien Zugang hatten. „Ich lege doch auch nicht 5000 Euro auf die Treppe und wundere mich, wenn es weg ist“, so die Richterin.

Auch hielt sie dem Angeklagten die Aussage des Geschäftsführers des Vereins vor. Der hatte darin ausgesagt, dass der Angeklagte zwar enorm großen Einsatz für den Verein zeige, aber über seine Verhältnisse lebe. Schon vor dem Vorfall habe der Angeklagte sich zweimal Geld von ihm geliehen und das auch zurück gezahlt. „Er besucht Etablissements, mehr möchte ich dazu nicht sagen“, soll der Geschäftsführer gesagt haben.

Der Angeklagte aber blieb bei seiner Aussage. Auch als die Richterin einen großen Auflauf ankündigte. Sie werde sich einen ganzen Tag Zeit nehmen und sämtliche Zeugen laden. Dem 43-Jährigen riet sie, sich anwaltlich beraten zu lassen.

Die Mallorca-Reise hatte übrigens trotzdem stattgefunden. Der Verein hatte das Geld vorgestreckt.



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