Schriftgröße

„Flöckchen“ zu Karneval

Gute Laune aus GL im Gepäck

Von Guido Wagner, 05.02.10, 22:55h

Sie sind ein jecker Gladbacher Exportschlager: Bis zu 7500 Kilometer sind die „Flöckchen“ jede Session unterwegs, um Stimmung bis in entlegenste Winkel des karnevalistischen In- und Auslands zu bringen.

Flöckchen auf Tour
Bild vergrößern
Flöckchen Uwe Kraus in der "Hölle von Vettweiß". (Foto: Wagner)
Flöckchen auf Tour
Bild verkleinern
Flöckchen Uwe Kraus in der "Hölle von Vettweiß". (Foto: Wagner)
Bergisch Gladbach - Vorsichtig spinxt Uwe Kraus in den Saal: An runden Tischen sitzen über 1000 Gäste, einige kostümiert, die meisten in Abendgarderobe - klar: Das hier ist ja nicht das Rheinland, sondern karnevalistisches Ausland. Genauer: Ruhrpott.

„Das wird schwer“, flüstert Kraus seinem Bühnenpartner Markus Kierdorf zu, mit dem er seit 16 Jahren als „Die Flöckchen“ unterwegs ist. „Was ruft man hier eigentlich?“, fragt Kraus. „Helau“ kommt prompt die Antwort vom Literaten. Die Flöckchen staunen: „Helau“ und dann auf jedem Tisch ein Pittermännchen Kölsch - die Kombination kannten sie noch nicht.

Dabei haben sie auf ihren Touren durch die Republik und ins benachbarte Ausland schon die merkwürdigsten Karnevalsriten kennen gelernt. Ob „Halt Pohl“ in Mönchengladbach, „Kowelenz Olau“ in Koblenz oder „Wupp-di-ka“ in Wuppertal - auch mit närrischen Ausrufen kennen sie sich mittlerweile gut aus. Einer der ungewöhnlichsten - nämlich „Wau-wau“ - wird ohnehin mitten in heimischen Alaaf-Gefilden gepflegt: beim Schäferhundeverein in Bergisch Gladbach-Katterbach.

Dreimal „Helau“ schallts in Oberhausen, der Prinz marschiert aus, die Flöckchen ein. Kraus fragt das Publikum nach der Stimmung, zaghafte „Guuut“-Rufe, der halbe Elferrat verdrückt sich, offenbar drückt die Blase. Die Gäste im Saal schert das nicht, die beiden Exoten aus der Nähe von Köln, die da auf der Bühne stehen, erscheinen interessant.

Weil Flöckchen-Keyboarder Stefan Linden am Nachmittag bei einer Goldhochzeit als Alleinunterhalter die Stellung gehalten hat, kommt die Musik in Oberhausen vom Band: Ein Potpourri bekannter Melodien mit Texten op Kölsch. Die Ruhrpottler verstehens kaum, machen aber mit. Nach dem ersten Lied ist die Hälfte des Saals auf den Beinen, Kraus und Kierdorf holen Tänzerin Jenny Schmitz zum Samba „Fiesta de Colonia“ auf die Bühne und die restlichen Gäste von den Stühlen. Artig stehen sie an den Tischen und klatschen. Von daheim in Gläbbisch sind die Flöckchen ausgelassenere Szenen gewohnt. Dem Sitzungspräsidenten in Oberhausen jedoch fehlt der Vergleich: „Der Saal tobt“, freut er sich und fordert eine Zugabe. Die Flöckchen setzen noch einen drauf.

Wenige Tage zuvor ging das nicht so einfach. Da mussten sich die Flöckchen die Worte des Sitzungspräsidenten erst übersetzen lassen. Im niederländischen Landgraaf traten sie vor einigen hundert Jecken in einem nach deutschen Brandschutzvorschriften wohl heillos überfüllten Saal auf: „Wo mir sin, do es Party“ - die Holländer standen auf den Stühlen.

Einen Auftritt wegen einer weiten Anreise ablehnen? Für die Flöckchen kein Thema. „Die Leute können ja nix dafür, dass sie so weit weg wohnen“, sagt Kraus grinsend. Und so viel haben er und seine Kollegen auch in Landgraaf verstanden: Im nächsten Jahr sollen sie wiederkommen. Schon für die Plakate lohne es sich, meint Kierdorf, „da waren wir als ,De Flokjes angekündigt“.

Die Techniker Andreas May, Martin Krebs und Uwe Wirges laden die Anlage in den Kofferraum, „Merchandising-Manager“ Horst Küsters verstaut den Koffer mit T-Shirts, CDs und Ansteckern. „Wir waren ja gerade in Berlin“, ruft einer, als er den Namen des Saals im Oberhausener Kongresszentrum auf dem Fluchtwegeplan entdeckt. Uwe Kraus denkt an die Fans in der Bundeshauptstadt. Nachdem die Flöckchen dort vor einigen Jahren aufgetreten sind, hat sich gleich ein Fan-Club gegründet. Ebenso wie in Koblenz oder Leverkusen. Und natürlich gibts auch in Gläbbisch gleich mehrere Fan-Vereinigungen.

An diesem Abend sind mit Sylvia Kraus, Alina Friedrich, Nicole Bratz, Ursel Hamm und Melanie Heger einige der treuesten Fans mit auf Tour. Manchmal fahren auch Kraus Sohn Dominik und Freund Pierre mit, die beiden Nachwuchstechniker der Crew.

Mit 130 Sachen gehts Richtung Dänemark. Nein, nicht in das Nachbarland im Norden - auch eine Bonner Karnevalsgesellschaft trägt diesen Namen. Im Foyer treffen die Flöckchen Martin Schopps alias „Die Rednerschule“ aus Schildgen. Ein kurzer Plausch, dann gehts auf die Bühne. Wenigstens ist man hier wieder in Alaaf-Land. Es muss schnell gehen, in Siegburg warten bereits die Husaren Schwarz-Weiß. Und die Straßen sind spiegelglatt. Zum Glück kann Fahrer Uwe Wirges auf der Autobahn einem Schneeräumer folgen - eine passende Eskorte für echte Flöckchen.

Bei den Husaren treffen die Flöckchen vier Belgier - die Fragen, die Kraus ihnen von der Bühne aus stellt, verstehen sie nicht. Aber die Musik. Lautmalend singen sie mit. Stimmung aus GL ist eben international verständlich.

Erst weit nach Mitternacht steuert der Flöckchen-Bus wieder Richtung GL. Markus Kierdorf döst. Der Bus ist in der Session so etwas wie das Schlafzimmer, murmelt er. Bei den Flöckchen habe er gelernt, im Auto zu schlafen. Vielleicht träumt er ja gleich von den beiden Lieblings-Wohnzimmern der XXL-Stimmungsmacher: der „Hölle von Vettweiß“ bei Düren oder dem Riesenzelt der KG Rot-Weiß Lindlar in Lindlar. An beiden Orten werden sie seit Jahren in den Festzelten von mehreren tausend Jecken empfangen. Oft mehrere Tagen hintereinander. „Gerade bei Damensitzungen ist eine unglaubliche Stimmung“, sagt Kraus grinsend.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige



BLZ-Aktion


Bildergalerien


Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Rundschau-Service


Rundschau-Forum


Handball exklusiv


Extra


Extra


Extra


RHEINLAND WETTER


Top-Links (Anzeige)


Aktion


Lokalsport



Extra


Dienste