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„Calypso Night“

Rhythmus für Wackeldackel

Von Olaf Weiden, 07.02.10, 19:17h

Beim Projekt zwischen dem französischen Steel Drum-Orchester und dem Jazzorchester des WDR trafen in der voll besetzten Kölner Philharmonie zwei fremde Haltungen aufeinander. Das vorkarnevalistische Köln war begeistert.

Kölner Philharmonie
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„Calypso Night“. (Bild: Kölner Philharmonie)
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„Calypso Night“. (Bild: Kölner Philharmonie)
KÖLN. Der Tenorsolist der WDR Big Band knüpfte sich zum Solo das Jackett zu, der Calypsonian Relator, ein Sänger aus Trinidad, öffnete sein Sakko zum Musizieren. Im karibischen „Carnival“ tanzen die Gruppen über die Straßen, im traditionellen rheinländischen Karneval wird gern marschiert. Zwei fremde Haltungen trafen also in der „Calypso Night“ in der voll besetzten Kölner Philharmonie aufeinander.

Alle verstanden sich prächtig. So ausgedehnte Stücke hatte Chefdirigent Michael Abene noch nicht arrangieren dürfen, eine ganz neue Herausforderung, die Viertelstünder lebendig zu halten. Die Bevölkerung auf den Inseln Trinidad und Tobago, wo die Wiege des Calypso schaukelte, hat ein anderes Lebens- und besonders ein uns fremdes Zeitgefühl. Die Musik wirkt wie ein Strom, der erst durch die Länge seinen Charakter entwickelt. Der Rhythmus, der angeblich die Bewegung galoppierender Pferde nachahmt, verführte auch die in den Sessel gebannten Hörer unweigerlich zum Kopfnicken. Und dieser Wackeldackel-Effekt hielt weit über zwei Stunden an.

Das Projekt zwischen dem französischen Steel Drum-Orchester von Andy Narell und dem Jazzorchester des WDR brachte ein imposantes Orchesterbild zuwege. Wie ein Fischschwarm postierten sich rund zwanzig Steel Drummer hinter der Speerspitze Narell, vorn die Steel Pans, ganz hinten die Bässe mit sechs Tonnen für die tiefen Töne. An der Nahtstelle zur Big Band saßen die Schlagzeug- bzw. Conga-Spieler Gregory Louis und Inor Sotolongo als Gäste; bis auf Bassist John Goldsby hatte die Rhythmusgruppe der Big Band frei.

Für die Bläser hatte Michael Abene wirklich klug aufbauende und sich verdichtende Arrangements entwickelt, die Trompeten schossen Blitze in den Groove der Steel Drums. Auch hängten sich die Bläserphrasen an die rhythmischen Vorgaben der gedengelten Ölfässer. Den Grundbeat und die Melodie plus manchen Kontrapunkt lieferte nämlich die Komposition von Andy Narell.

Ein Erzählersänger ist das Multitalent Relator: Angeblich ist er der Calypsonian-Heroe nach Lord Kitchener, deshalb wird er selbst Lord Relator genannt. Rein musikalisch ähnelt sein Vieltext-Sprechgesang an einen Karibik-Rapper, aber die Refrains laden dann doch immer zum Mitsingen und Mitschwingen ein - in jedem Fall zu einem zustimmenden Kopfnicken. Das vorkarnevalistische Köln war begeistert.



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