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Integration in Köln

„Das Potenzial jedes Einzelnen sehen“

Von Eveline Kracht, 07.02.10, 22:34h

Die berufliche Integration von jungen Migranten scheitert oft an Vorurteilen der Arbeitgeber, schlechten Noten und fehlender Ausbildung. Unter den Azubis in Köln sind lediglich knapp zehn Prozent Migranten.

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Migranten haben erschwerte Startbedingungen ins Berufsleben (Bild: dpa)
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Migranten haben erschwerte Startbedingungen ins Berufsleben (Bild: dpa)
Köln - Niedrige Schulabschlüsse oder überhaupt keine, schlechtere Noten als deutsche Mitschüler, Defizite in der deutschen Sprache - das sind für viele junge Migranten keine guten Startbedingungen ins Berufsleben. Doch selbst unter gleichen Voraussetzungen hätten sie keineswegs dieselben Chancen, sagt Peter Welters, Chef der Agentur für Arbeit. „Das hören die Arbeitgeber nicht gerne, aber es ist so.“

Gefürchtet würden zum Beispiel Akzeptanzprobleme bei der Kundschaft, zu wenig Motivation oder „dass man bei Problemen die Eltern nicht so gut ansprechen kann.“ Von daher bekämen, wenn Betriebe die Wahl hätten, deutsche Azubis oder Mitarbeiter meistens den Vorzug. Welters: „Es muss den Unternehmen noch mehr klar werden, dass die Einstellung von Migranten durch ihre Zweisprachigkeit und sozio-kulturellen Kenntnisse auch große Vorteile haben kann.“

Von den Ende Dezember 2009 in Köln gemeldeten 852 Arbeitslosen zwischen 15 und 20 Jahren waren laut Agentur für Arbeit 31 Prozent (264) Ausländer, von den Arbeitslosen insgesamt waren es 31,7 Prozent (16 775 von 52 956). Unter den Azubis in Köln sind lediglich knapp zehn Prozent Migranten.

Die jungen Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund brauchten dringend bessere Schulabschlüsse und bessere Noten, sagt Welters. „Wenn die Familien dazu nicht in der Lage sind, müssen die Schulen stärker fördern, inklusive Sprachkompetenz.“

Ein großes Handicap bei der beruflichen Integration sieht Dr. Markus Th. Eickhoff, Abteilungsleiter für Bildungspolitik bei der Handwerkskammer, darin, dass in vielen Migranten-Familien das Geldverdienen gleich nach der Schule mehr zählt als eine fundierte Ausbildung. Wohnortnahe Jobs, etwa in Gastronomie und Handel, dazu in Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil, sind gefragt. Dass ungelernte Arbeitskräfte viel eher von Arbeitslosigkeit bedroht sind, sei den den Familien häufig gar nicht bewusst. „Wir haben es bisher nicht geschafft, den Zusammenhang zwischen beruflicher Qualifikation und dauerhafter Arbeit zu vermitteln“, sagt auch Welters. Nach seiner Einschätzung ist eine „intensive Berufsvorbereitung und -orientierung“ nötig, bei der Schule, Berufsberatung und Wirtschaft an einem Strang ziehen müssen.

Im Kölner Handwerk etwa sind laut Eickhoff derzeit nur neun Prozent der Azubis Ausländer. „Wir wollen aber mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund gewinnen.“ Ihre Quote soll im Kammerbezirk im Schnitt künftig um zehn Prozent pro Jahr steigen. Unter dem Motto „Integration durch Ausbildung“ hat sich die Handwerkskammer mit Migrantenorganisationen verbündet. Multiplikatoren wie das türkische Generalkonsulat, das Komitee der Italiener im Ausland oder der Verband der kroatischen Hoteliers und Gastronomen sind von der Kammer mit mehrsprachigen Flyern ausgestattet worden, damit sie gezielt auch die Eltern ansprechen und für Handwerksberufe werben. Im Frühjahr will die Handwerkskammer mit der Agentur für Arbeit eine Ausbildungsmesse speziell für Schulabsolventen mit Migrationshintergrund organisieren.

Um den „Weg zwischen Schule und Berufsstart“ zu verkürzen, haben Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer zudem die Beratungsstelle zur Qualifizierung von Nachwuchskräften mit Migrationshintergrund in der Region Köln (BQN) eingerichtet. Wir verstehen uns als „Brückenbauer“, sagt Koordinatorin Ingrid Höptner. Unterstützt unter anderem durch ihre türkischstämmige Kollegin Kiymet Akpinar und 20 geschulte, ehrenamtlich tätige Jugendliche mit Migrationshintergrund bietet die BQN den Schulen Unterstützung bei der Berufswahl für Migranten. „Wir gehen in die Klassen, informieren über Berufsbilder, machen Bewerbungstraining und vermitteln betriebliche Praxis-Tage“, erläutert Höptner.

Nach Beobachtung der Berufspädagogin ist eines der Hauptprobleme „die mangelnde Differenzierung“. Die Migranten würden alle „in einen großen Topf“ geworfen, obwohl es auch nicht „die“ Deutschen gebe. Die Gruppe der Aussiedler etwa bringe zum Teil „ganz hohe Qualifikationsstufen mit“, wohingegen manch junger Türke, von zu Hause verwöhnt, es einfach nicht für nötig halte, „sich selber um seine berufliche Qualifizierung zu kümmern.“ Innerhalb der türkischen Gruppe, sagt Höptner, sei zudem die Infrastruktur so gut, „dass gar nicht mehr die Notwendigkeit besteht, sich da herauszubewegen“.

Arbeitgeber, rät Höptner, sollten bei Schulabsolventen mit Migrationshintergrund von daher „genau hingucken“, auf Motivation, Interesse für den Beruf und die Bereitschaft zur Integration achten. Erst wenn beiderseitig Vorurteile abgebaut würden und das Potenzial jedes Einzelnen gesehen werde, könne die berufliche Integration gelingen.



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