Von Ralf Arenz, 08.02.10, 22:16h
Die Entscheidung für Weber könnte über einen Umweg fallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat laut „Wirtschaftswoche“ eine breite Mehrheit für den Portugiesen Vitor Constancio organisiert, der als EZB-Vize antritt. Wenn er zum Zuge käme, sänken die Chancen für Webers Mitbewerber auf den Chefposten, Italiens Notenbank-Präsident Mario Draghi. Er würde dann am informellen Regionalproporz in der EU scheitern. Dieser könnte andererseits Weber zum Verhängnis werden, wenn der Luxemburger Yves Mersch EZB-Vize würde. Ein Luxemburger und ein Deutscher an der EZB-Spitze sind ähnlich unwahrscheinlich wie ein Portugiese und ein Italiener.
Weber hat aber noch mehr Unterstützer. Die FDP macht sich schon länger für ihn stark, zuletzt sprachen sich auch CSU-Chef Horst Seehofer und Kurt Lauk, Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, für den Bundesbank-Chef aus. Lauk sieht in Weber einen Garanten, dass die Politik der Geldwertstabilität in der EZB gewahrt würde. Das scheint angesichts Finanzmarktkrise und den Turbulenzen um den Haushalt von Griechenland und anderer Euro-Staaten wichtiger denn je.
Weber hat nie Zweifel aufkommen lassen, dass er ein Anhänger der Stabilitätspolitik ist. In seiner Antrittsrede als Bundesbank-Chef im Jahre 2004 bezeichnete er es als „brennendstes Problem“, das damalige Staatsdefizit unter die Grenze von drei Prozent zurückzuführen. Und sowohl von Hans Eichel, dem Finanzminister der rot-grünen Regierung, der ihn für das Amt nominiert hatte, forderte er einen strikten Sparkurs als auch später von der großen Koalition. Weber ist unabhängig, parteilos und undogmatisch. Auch einer bestimmten wissenschaftlichen Richtung lässt sich der Experte für Geld- und Währungspolitik nicht zuordnen. Vielmehr erhielt er Lob dafür, dass seine Studien Theorie und Empirie gleichermaßen berücksichtigten. 2002 wurde er Mitglied der „Fünf Weisen“, dem Beratergremium der Bundesregierung.
In der Fachwelt wurde Weber schon damals geschätzt, seine Nominierung zum Bundesbank-Chef war jedoch für viele eine Überraschung. Der Wanderer und Jogger hatte sich nie in die Öffentlichkeit gedrängt. Heute würde mancher Beobachter einen weiteren Aufstieg Webers als logischen Schritt sehen. Auch wenn seine Reden oft spröde wirken - dem Bundesbankchef wird bei der Bewältigung der Finanzkrise ein guter Job bescheinigt. Seehofer jedenfalls sagt: „Ich halte viel von ihm. Natürlich hat er seine eigene Meinung, das ist bei starken Leuten so. Aber dafür haben sie auch Profil.“
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