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Beratung

Hilfe im Umgang mit „schwierigen“ Kindern

Von Eveline Kracht, 08.02.10, 21:51h

Das Gesundheitsamt hat einen kinder- und jugendpsychiatrische Beratungsstelle eingerichtet. Sie ist Anlaufstelle für Eltern, Schulen, Familien, das Jugendamt und Jugendhilfeträger.

Köln - Katharina, 14, schwänzt seit einem Jahr die Schule. Anna, 17, traut sich wegen ihrer Angststörung nicht mehr aus dem Haus. Meike, 15, läuft jeden Tag 15 Kilometer und isst fast nur noch Knäckebrot, um kein Gramm zuzunehmen. Und dann ist da noch Dennis, der schon im zweiten Schuljahr solche Aggressionen an den Tag legt, dass sich die Lehrerin dem Siebenjährigen nicht mehr gewachsen fühlt.

Erst letzte Woche hatten die Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrien von Uniklinik und Krankenhaus Holweide auf ihre Überlastung durch die gestiegene Zahl an Notfällen hingewiesen. Die Zunahme an psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter - 21,9 Prozent der 7- bis 18-Jährigen gelten bereits als auffällig - hat jetzt auch die Stadt veranlasst, ein Hilfsangebot zu schaffen. Mit dem Schuljahr 2009 / 10 wurde im Gesundheitsamt eine Kinder- und jugendpsychiatrische Beratungsstelle eingerichtet.

Seitdem die mit drei Vollzeitstellen ausgestattete Beratungseinrichtung unter Leitung von Dr. Sabine van Eyck im August ihre Tätigkeit aufgenommen hat, sind bereits über 160 Beratungen durchgeführt worden. Die Mitarbeiter betreuen allein 17 Förderschulen, sind aber genauso Ansprechpartner für Familien, die mit ihren Kindern nicht mehr weiter wissen, Jugendamt und Jugendhilfeträger.

„Wir bieten Sprechstunden in den Schulen an, auf Wunsch machen wir auch Hausbesuche oder führen Gespräche im Gesundheitsamt“, erläutert Mitarbeiter Kay Kreddig. In den meisten Fällen wenden sich die Lehrer an die Beratungskräfte. Auf diese Weise wurde auch Taylan (Name geändert) in der Sprechstunde vorgestellt. Der 16-Jährige hatte immer wieder die Schule geschwänzt. Im Unterricht sei der Junge aufgefallen, weil er oft gereizt reagierte, schnell „ausrastete“, abwesend erschien und traurig, dazu phasenweise nicht konzentrations- und leistungsfähig. „Wir haben ihn gefragt, was aus seiner Sicht das Problem war“, so die Kinder- und Jugendpsychiaterin, Psycho- und Traumatherapeutin van Eyck. „Er war eigentlich ein intelligenter Junge, der seine Befindlichkeit gut schildern konnte.“ Wie sich herausstellte, war Taylan in seiner türkischen Heimat traumatischen Kindheitserlebnissen ausgesetzt gewesen, die den Jungen in Form von Alpträumen und Flashbacks quälten. Als Folge der Erfahrungen reagierte er häufig aggressiv - Konfliktpotenzial auch zu Hause. Mit Einverständnis der Eltern sei für Taylan ein Traumatherapeut gesucht worden und eine betreute Wohngruppe, schildert van Eyck das Vorgehen in dem Fall.

Die Mitarbeiter beraten Lehrer und Eltern im Umgang mit den „schwierigen“ Kindern, sie fertigen Stellungnahmen an, vermitteln an Beratungsstellen oder Therapeuten. Ein Problem sei nur, so van Eyck, dass die Therapeuten oft lange Wartezeiten haben. „Es ist allein schon schwer, die Familien zu motivieren, ihre Kinder in Diagnostik und Therapie zu führen. Wenn die Behandlung dann nicht sofort losgehen kann, sinkt die Bereitschaft dazu oft wieder.“ Und noch ein Problem gibt es, wie der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes, Dr. Robert Wegner, sagt: Die Beratungsstelle ist eigentlich nur ein Projekt, befristet bis zum 30. Juni.



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