SIEGBURG. Selten genug, dass beschäftigte Menschen, dass Erster-Klasse-Musiker und Erster-Klasse-Veranstaltungsräume in ihren Terminkalendern binnen kurzer Zeit eine gemeinsame Lücke finden. Diesmal ging es ganz schnell: Dr. Irene Pigulla traf den Bürgermeister in der Stadt und sagte: Wenn Sie das Museum stellen, dann werde ich ein Benefizkonzert für Haiti organisieren. Zwar engangiert sich Pigulla bereits seit der Tsunami-Katastrophe für ein kleines Kinderhaus auf Sri Lanka, aber ich wollte auch so gern ein Zeichen setzen, dass das Elend in Haiti den Menschen in Siegburg nicht egal ist. Kaum eine Woche zog ins Land, da hatte sie die Gruppe Sax in the City über eine Freundin, die Kennerin der Kölner Kunstszene und Galersistin Halina Szalc, engagiert und mit dem Team der Humperdinck-Apotheke vier Dutzend Plakate verteilt. Überwältigt war Irene Pigulla dennoch, als das Stadtmuseum mehr als ausverkauft war, sich das Publikum auch noch stehend drängte, um die Band des polnischen Saxophonisten Waldemar Leczkowski zu hören. Der vier hochkarätige Musiker mitbrachte, darunter den Gitarristen Bruno Müller, der auch schon mit Till Brönner zusammengearbeitet hat, den europaweit arbeitenden Keyboarder Sebastian Eichmeier, Drummer Mirko Kamo und Roland Peil, ein deutscher Percussionist der ersten Reihe. Sie nahmen das Publikum mit auf eine Klangorgie irgendwo zwischen Soul und Jazz. Immer wieder verließen die Musiker den Pfad ihrer Coversongs und verliehen ihnen mit aufregenden Soli - Leszkowski dabei häufig auch mit den brillanten Tönen eines Sopransaxophons - ihre ganz eigene Note, für die Percussionist Peil immer wieder einen ungewöhnlichen Klangteppich schuf.
Als Special Guest Onita Boone die Bühne betrat, hatten sie die Zuhörer schon ganz auf ihrer Seite, die aus der Gospel-Szene stammende Amerikanerin aber holte mit der ungeheuren Bühnenpräsenz einer Vollblut-Sängerin und einer Stimme, die an Randy Crawford erinnert, das Publikum gänzlich von den Sitzen. Aus dem oberen Stock war es nur noch als im Scheinwerferlicht wogende Masse auszumachen. Time after Time, ein Cindy-Lauper-Song, machte den Auftakt, später sang sie den aus den Charts bekannten Rihanna-Titel Umbrella schöner als man ihn jemals im Radio gehört hat. Nach mehreren Zugaben musste keiner aus dem Publikum das Gefühl haben, mit dem Eintrittspreis nur ein gutes Werk für Haiti getan zu haben: Dieses Ticket ist Gold wert gewesen.