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Längere Stunden

Unterricht mit neuem Taktgefühl

Von Martina Windrath, 08.02.10, 22:48h, aktualisiert 08.02.10, 22:56h

In immer mehr weiterführenden Schulen dauert die Unterrichtsstunde oft nicht mehr 45 Minuten, sondern eine volle Stunde. Die meisten Schüler und Lehrer schätzen weniger Fächer am Tag, mehr Ruhe und Lernintensität.

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In vielen Stunden ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. (Symbolbild: dpa)
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In vielen Stunden ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. (Symbolbild: dpa)
Köln - In immer mehr weiterführenden Schulen beginnt eine neue Zeitrechnung, der alte Gong gerät aus dem Takt. Die Unterrichtsstunde dauert oft nicht mehr 45 Minuten, wie anno 1911 von den Preußen eingeführt, sondern 60 oder sogar 90 Minuten. „Wir haben mit den 60-Minuten-Unterricht mit Beginn dieses Schuljahres angefangen, nach einem Jahr der Vorbereitung“, sagt Karsten Möring, Schulleiter am Maximilian-Kolbe-Gymnasium. „Man muss nicht nur die Stundentafel grundlegend überarbeiten, sondern auch den Unterrichtsstil stark anpassen“, so der Pädagoge. „Die Stunde ist stärker gegliedert, mit Wechsel der Unterrichtsformen von Lehrervortrag und selbstständigem Arbeiten bis zu differenzierten Aufgaben je nach Leistungsstand.“

Besonders Oberstufenschülern kommen zwar jetzt die Tage „noch länger“ vor, auch weil eine einstündige Mittagspause dazukam. Doch die meisten Schüler und Lehrer schätzen weniger Fächer am Tag, mehr Ruhe und Lernintensität. Auch integrierte Übungen statt Hausaufgaben an „Ganztagen“ haben ihre Vorteile. „Der Tag wird länger, aber inhaltlich kürzer“, tröstet Möring mit Blick auf die reduzierte Fächerzahl.

Neuer Rhythmus mit Vortrag und Freiarbeit

Wie viele Schulen sich nicht nur in Köln bereits umgestellt haben, ist unklar, es besteht keine Meldepflicht. Aber es gibt immer mehr Reformer. Der alte Frontalpauker ist ein Auslaufmodell. Zum Beispiel am Georg-Büchner-Gymnasium in Weiden läuft die Testphase im 90-Minuten-Takt. „Dass man beim alten Raster auf Dauer nicht bleiben kann, hat mittlerweile so ziemlich jeder eingesehen“, sagt Schulleiterin Beatrix Görtner. Längere Einheiten passten besser zum Ganztag - zu modernen Arbeitsmethoden und individuellerer Förderung. Die verdichtete Stundentafel zieht sich wegen der auf acht Jahre bis zum Abi verkürzten Zeit auch ohne offiziellen Ganztag bis in den Nachmittag, ein wichtiger Grund zur neuen Rhythmisierung.

„Es ist den Kindern nicht zuzumuten, wenn sie an einem Tag acht oder neu verschiedene Fächer haben und den Ranzen kaum noch tragen können“, so Görtner. Je nach „Ressort“ sind die ersten Erfahrungen unterschiedlich. Die Naturwissenschaften hätten neben der Doppelstunde gern eine dritte Stunde. Bei Sprachlehrern gibt es den Wunsch, dass die Anfänger jeden Tag in die Sprache „eintauchen“.

Schulleiter Heinz Klein, Leiter von der Martin-Luther-King-Hauptschule, gehört zu den Vorreitern von Reformen wie „Fördern statt Sitzenbleiben“. Ein neuer Unterrichtsrhythmus geht für ihn nicht nur einher mit abgestimmten didaktischen Konzepten, sondern auch mit geeigneten Räumen. „Wir bekommen in rund zwei Jahren mit dem Büchner-Gymnasium einen Neubau, bei der Konzeption der Lehrräume reden wir mit.“ Einer der Wünsche sind einsehbare Gruppenräume neben den Klassen für Förderstunden und Teamarbeit.

Das „Turbo-Abi“ sorgt auch an Gymnasien für zunehmenden Förderbedarf. An Gesamtschulen gehören Differenzierung und flexiblere Modelle per se zum Konzept. An Haupt- und Realschulen ist ebenfalls einiges in Bewegung. „Wir sind noch in der Entwicklung des Ganztags, deswegen muss die Schule anders strukturiert werden“, sagt Hauptschulrektorin Angelika Griesinger. Dazu gehören fächerübergreifende Projekte wie der Bau von Karnevalswagen oder AGs mit Unterstützern wie Jürgen Becker. Die Aufsplittung in kleinere Gruppen je nach Lernstand gibt dort den Takt vor. „Gebundener Ganztag wäre toll“, findet Griesinger. „Mit anders gestalteten Arbeits- und Entspannungsphasen.“ Klein resümiert mit Blick auf Reformen: „Wir sind noch am Anfang. Je tiefer man einsteigt, desto mehr tut sich auf.“



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