Von Martina Windrath, 08.02.10, 22:48h, aktualisiert 08.02.10, 22:56h
Besonders Oberstufenschülern kommen zwar jetzt die Tage „noch länger“ vor, auch weil eine einstündige Mittagspause dazukam. Doch die meisten Schüler und Lehrer schätzen weniger Fächer am Tag, mehr Ruhe und Lernintensität. Auch integrierte Übungen statt Hausaufgaben an „Ganztagen“ haben ihre Vorteile. „Der Tag wird länger, aber inhaltlich kürzer“, tröstet Möring mit Blick auf die reduzierte Fächerzahl.
Neuer Rhythmus mit Vortrag und Freiarbeit
Wie viele Schulen sich nicht nur in Köln bereits umgestellt haben, ist unklar, es besteht keine Meldepflicht. Aber es gibt immer mehr Reformer. Der alte Frontalpauker ist ein Auslaufmodell. Zum Beispiel am Georg-Büchner-Gymnasium in Weiden läuft die Testphase im 90-Minuten-Takt. „Dass man beim alten Raster auf Dauer nicht bleiben kann, hat mittlerweile so ziemlich jeder eingesehen“, sagt Schulleiterin Beatrix Görtner. Längere Einheiten passten besser zum Ganztag - zu modernen Arbeitsmethoden und individuellerer Förderung. Die verdichtete Stundentafel zieht sich wegen der auf acht Jahre bis zum Abi verkürzten Zeit auch ohne offiziellen Ganztag bis in den Nachmittag, ein wichtiger Grund zur neuen Rhythmisierung.
„Es ist den Kindern nicht zuzumuten, wenn sie an einem Tag acht oder neu verschiedene Fächer haben und den Ranzen kaum noch tragen können“, so Görtner. Je nach „Ressort“ sind die ersten Erfahrungen unterschiedlich. Die Naturwissenschaften hätten neben der Doppelstunde gern eine dritte Stunde. Bei Sprachlehrern gibt es den Wunsch, dass die Anfänger jeden Tag in die Sprache „eintauchen“.
Schulleiter Heinz Klein, Leiter von der Martin-Luther-King-Hauptschule, gehört zu den Vorreitern von Reformen wie „Fördern statt Sitzenbleiben“. Ein neuer Unterrichtsrhythmus geht für ihn nicht nur einher mit abgestimmten didaktischen Konzepten, sondern auch mit geeigneten Räumen. „Wir bekommen in rund zwei Jahren mit dem Büchner-Gymnasium einen Neubau, bei der Konzeption der Lehrräume reden wir mit.“ Einer der Wünsche sind einsehbare Gruppenräume neben den Klassen für Förderstunden und Teamarbeit.
Das „Turbo-Abi“ sorgt auch an Gymnasien für zunehmenden Förderbedarf. An Gesamtschulen gehören Differenzierung und flexiblere Modelle per se zum Konzept. An Haupt- und Realschulen ist ebenfalls einiges in Bewegung. „Wir sind noch in der Entwicklung des Ganztags, deswegen muss die Schule anders strukturiert werden“, sagt Hauptschulrektorin Angelika Griesinger. Dazu gehören fächerübergreifende Projekte wie der Bau von Karnevalswagen oder AGs mit Unterstützern wie Jürgen Becker. Die Aufsplittung in kleinere Gruppen je nach Lernstand gibt dort den Takt vor. „Gebundener Ganztag wäre toll“, findet Griesinger. „Mit anders gestalteten Arbeits- und Entspannungsphasen.“ Klein resümiert mit Blick auf Reformen: „Wir sind noch am Anfang. Je tiefer man einsteigt, desto mehr tut sich auf.“
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