TROISDORF / BONN. Bei professionellen Drogenhandels ist normalerweise unter fünf Jahren Haft nichts drin. Aber der ehemalige Dealer aus Troisdorf hat sich nach seiner Festnahme im April 2009 für ein umfassendes Geständnis entschieden. Nicht nur das: Der 30-Jährige, der zwei Jahre in einem Troisdorfer Kulturcafé Kokain verkaufte, hat zudem seine Lieferanten und seine rund 60 Abnehmer benannt. Dafür ist er gestern vom Bonner Landgericht mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe belohnt worden - wegen Kokain-Handels in 100 Fällen mit 1,12 Kilo im Wert von rund 220 000 Euro. Seine Offenheit hatte den Angeklagten zum Kronzeugen gemacht: Er habe mit seinen Angaben, so hieß es gestern, einen Flächenbrand in der Troisdorfer Drogenszene ausgelöst. Was für ihn nicht ganz ungefährlich war und ist. Als der Ex-Dealer als Zeuge gegen seinen Hauptlieferanten aussagen sollte, wurden er und seine Familie massiv bedroht, zeitweise musste er untertauchen. Der Hauptlieferant wurde schließlich zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Ungewöhnlich ist auch die Bewährungsauflage für den Troisdorfer. Ihm wurde nicht nur auferlegt, 200 Sozialstunden zu leisten, sondern weiterhin mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten und als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Zudem wurde ihm verboten, sich in der Nähe von Spielhallen aufzuhalten. Seine krankhafte Spielsucht soll der Auslöser für seine Dealer-Karriere gewesen sein. Wegen Beihilfe erhielt seine gleichaltrige Freundin neun Monate zu Bewährung und sein Bruder (21) eine Verwarnung. Auch er muss 80 Sozialstunden leisten und 600 Euro an einen Abenteuerspielplatz in Troisdorf zahlen. (usc)