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Gnadenlose Politiker-Kritik

Von BERND F. HOFFMANN, 09.02.10, 07:06h

Rick Wakeman, Ex-Keyboarder der berühmten Rockband „Yes“, war dafür bekannt, dass er 50 Töne in fünf Sekunden spielen konnte. In der gleichen Zeit schafft Wilfried...

BERGISCH GLADBACH. Rick Wakeman, Ex-Keyboarder der berühmten Rockband „Yes“, war dafür bekannt, dass er 50 Töne in fünf Sekunden spielen konnte. In der gleichen Zeit schafft Wilfried Schmickler spielend die selbe Anzahl an Wörtern. Dagegen ist selbst der frühere Schnellsprecher Dieter Thomas Heck aus der „ZDF-Hitparade“ ein verbaler Schlafwandler.

Doch Schmickler muss zwangsläufig die Wörter nur so rausrattern, denn er hat seinem Publikum viel mitzuteilen. Zumal er aktuell 30 lange Jahre Revue passieren lässt. Denn seit drei Jahrzehnten Jahren steht der „Scharfrichter unter Deutschlands Kabarettisten“ mittlerweile auf den landsweiten Kleinkunstbühnen.

Auftritt vor

600 Besuchern

im Bergischen Löwen

„Es war nicht alles schlecht“ resümiert Schmickler, und so lautet auch der Titel seines aktuellen Programms, das er jetzt vor rund 600 Besuchern im fast ausverkauften „Löwen“ präsentierte.

Man ahnt schon, dass der Titel pure Ironie ist, denn der könnte auch lauten: „Heute ist alles noch viel schlimmer.“

Besonders natürlich die Politik, und da geht der gebürtige Leverkusener gegen die Mächtigen gleich mächtig in medias res. Vom „schwarz-gelben Alptraumpaar“ ist die Rede, wenn Schmickler auf die Parteien CDU und FDP zu sprechen kommt. Speziell „Gaga“-Guido (Westerwelle) bekommt sein wohldosiertes Fett ab. „Der macht doch gerade seine Ausbildung zum Außenpolitiker“, höhnt Schmickler.

Und wo er schon mal ordentlich Dampf ablässt („Das müssen Sie auch mal machen!“), kippt er gleich noch einen kräftigen Kübel Kapitalismuskritik hinterher.

„Privatisierungsstrategen“ und „Kahlschlagexperten“ sind für Schmickler dienigen, die ständig das „Credo der freien Marktwirtschaft“ nachplappern“. Und dann entwirft der verbale Scharfschütze für die Zukunft ein Horrorszenario, in der gesellschaftlich alles den Bach runtergeht.

Glaubt man dem passionierten Berufspessimisten, dann ist Rettung nirgendwo in Sicht: Opposition? Nur ein „Haufen zerstrittener Egomane“. Die Grünen? Stimmen als Ex-Pazifisten mittlerweile für verfassungsfeindliche Kriegseinsätze, ätzt. „Das „Schlaraffenland ist eben abgebrannt“ lautet seine bittere Bilanz.

Da bleibt für ihn nur noch die Erinnerung an frühere Zeiten. Damals vor 30 Jahren, als man noch mit einer Mark für zwei Personen ins Kino gehen und den Rest für die Rente beiseite legen konnte.

Doch auch damals knirschte es für den Moralisten aus den „Mitternachtsspitzen“ schon merklich im gesellschaftlichen Gebälk. Denn schon damals erhitzten Ex-Bundespräsidenten wie „Nazi-Carstens“ oder frühere Minister wie „Waffenhändler Strauß“ die Gemüter. Und wenn Schmickler schon bei den Geistern von gestern ist, dann schickt er dem abgestürzten Jürgen Möllemann statt Trauerblumen nur das Attribut „alter Todesflyer“ hinterher.

Diese Wortwahl ist für politisch sensible Gemüter vielleicht mitunter zu drastisch. Doch Schmickler trifft mit seinen Schnellschüssen oft ins Schwarze, was auch die Publikumsreaktion vermuten lässt.

In einem Interview behaupte Schmickler mal, die Politik würde sich für sein Kabarett gar nicht interessieren. Vielleicht sollte dann ein Besuch bei ihm für Politiker zum Pflichtprogramm werden. So mancher „Volksvertreter“ käme vielleicht zur Besinnung - oder fühlte sich zumindest ertappt.



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