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Interview mit Robert Venditti

Ein zweites Ich für jedermann

Erstellt 14.02.10, 21:42h

Robert Venditti hatte einen Master in Creative Writing, einen Aushilfsjob im Lager eines Comicverlags - und die Idee zu der Graphic Novel „The Surrogates“, verfilmt mit Bruce Willis. Barbara Buchholz sprach mit dem Surrogaten-Erfinder.

«Surrogates - Mein zweites Ich»
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Agent Greer (Bruce Willis) jagt hinter mysteriösen Menschenrobotern hinterher.
«Surrogates - Mein zweites Ich»
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Agent Greer (Bruce Willis) jagt hinter mysteriösen Menschenrobotern hinterher.

Surrogaten sind künstliche Nachbildungen von Menschen, die deren Aufgaben wahrnehmen. Wenn Sie selbst einen Surrogaten hätten, was wäre das für einer?

Er wäre genau wie ich. Ich würde ihn benutzen, wenn ich etwas Gefährliches tun wollte. Aber nicht, um etwas an mir zu verändern.

Die Idee von „Surrogates“ basiert auf virtuellen Identitäten im Internet. Aber das Internet selbst kommt im Buch gar nicht vor.

Die Leute nutzen das Internet heute mit Spielen, Chatrooms oder sozialen Netzwerken, um sich neue Identitäten zu schaffen. Meine Idee war es, diese Technik zu nehmen, die aber an keinen Computer mehr gebunden ist, sondern die draußen dein Leben für dich lebt. Das Internet brauchte ich also nicht, denn das wird im Buch nicht mehr für diesen Identitätsaspekt genutzt, dafür gibt es die Surrogaten-Technik.

Auch ein Werkzeug für eine extreme Version von Cocooning, dem Rückzug ins Häusliche.

Genau. Manche Figuren in der Geschichte nutzen die Technik, weil sie Angst vor Menschenmengen haben, andere aber, weil sie nicht akzeptieren wollen, dass sie älter werden. Wieder andere wie Feuerwehrmänner oder Polizisten, um ihre Jobs unbeschadet zu machen. Es gibt ganz verschiedene Gründe, aber das Ergebnis ist: Du bleibst zu Hause, während eine Maschine für dich lebt.

Sie siedeln Ihre Geschichte etwa 50 Jahre in der Zukunft an. Glauben Sie, eine solche Technik wird es dann geben?

Das Komische ist, als ich das Buch 2002 schrieb, wählte ich das Jahr 2054, weil ich fand, das sei weit genug entfernt. Aber inzwischen ist die Technik schon so weit fortgeschritten, dass ich denke, das wird es schon viel früher geben. In Japan hat ein Professor schon eine Roboterversion von sich selbst geschaffen. Diesen menschlich aussehenden Roboter schickt er in seine Vorlesungen, verbindet sich von zu Hause mit ihm und unterrichtet so seine Studenten. So muss er nicht zur Arbeit fahren.

Wie finden Sie so etwas?

Seltsam. Wenn Wissenschaftler darüber sprechen, wie bald wir menschengleiche Maschinen haben werden, tun sie das, als ob sie es nicht abwarten könnten. Es wirkt ironisch auf mich, wie scharf sie darauf sind, Menschen technisch überholt zu machen. Sie sind doch selbst welche.

Was für Reaktionen haben Sie von Lesern und Publikum bekommen?

Die meisten hielten die Surrogaten für eine tolle Idee. Im Buch habe ich mir Mühe gegeben, kein Urteil zu fällen, ob das gut oder schlecht ist. Ich habe beide Seiten gezeigt und den Lesern ihre Entscheidung überlassen.

Sie haben einen Master in „Creative Writing“. Warum haben Sie einen Comic geschrieben und keinen Roman?

Ich habe früher keine Comics gelesen, auch als Kind nicht. Meinen ersten Comic habe ich mit 26 Jahren gelesen. Das hat mich sofort angesprungen, denn als ich klein war, wollte ich immer Trickfilmzeichner werden. Aber ich konnte einfach nicht zeichnen. Ich habe zu schreiben begonnen, weil ich so mit Worten ausdrücken konnte, was ich nicht zeichnen konnte. Als ich diesen Comic las, kam ich plötzlich darauf, dass ich in diesem Medium die Worte schreiben könnte und jemand anders sie in in die Kunst umwandeln könnte, zu der ich selbst nicht fähig war.

Haben Sie beim Schreiben an eine Filmadaption gedacht?

Nein! Ich arbeitete damals im Lagerhaus eines Verlags. Ich hoffte einfach, jemand würde mein Buch veröffentlichen, damit ich eine Arbeitsprobe hätte, um weiterzumachen. Ich hätte nicht mal gedacht, dass irgendwer es kaufen würde.

Hätten Sie das Drehbuch zur Verfilmung von „Surrogates“ nicht lieber selbst geschrieben?

Nein, denn ich hatte meine Geschichte ja schon erzählt, wie ich wollte. Und da die Produzenten 80 Millionen Dollar in den Film gesteckt haben, sollten sie die Freiheit haben, den Film zu machen, mit dem sie sich gut fühlten.

Die Geschichte ist für den Film geändert worden.

Die Themen und die Figuren sind so ziemlich die gleichen geblieben. Aber einige Elemente sind hinzugefügt, Handlungsstränge geändert oder zugefügt, ein paar Figuren abgeändert oder neu geschaffen worden. Es ist eben ein Hollywood-Film.

Mögen Sie die Hollywood-Version?

Offensichtlich mag ich meine Version lieber, schließlich habe ich sie so geschrieben. Aber nochmal: Ich habe einen Comic geschrieben, von dem ich annahm, dass ihn kaum jemand lesen würde. Ein 80-Millionen-Dollar-Film muss einem viel größeren Publikum gefallen, sonst ist er zum Scheitern verurteilt.

Surrogates , Robert Venditti / Brett Veldele, Cross Cult, 208 Seiten, 26 Euro.



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