Von Friedemann Diederichs, 17.02.10, 20:32h
Doch nun soll nuklear erzeugte Energie eine Renaissance erleben: Dank US-Präsident Barack Obama. Mit der Verkündung einer staatlichen Finanzierungsgarantie über acht Milliarden Dollar können Betreibergesellschaften nun den Neubau von zwei Kraftwerken in Georgia in Angriff nehmen.
Es soll der Startschuss für die Errichtung von mindestens sechs Reaktoren innerhalb der nächsten zehn Jahre werden - als Ergänzung der laufenden 104 Atomreaktoren. In der Öffentlichkeit wurde die Entscheidung Obamas mehr oder weniger mit Achselzucken hingenommen. Eine heftige Debatte über die Atomkraft wie in Deutschland ist ausgeblieben - wohl auch, weil der Präsident mehrfach versicherte: „Sicher und sauber“ werde die neue Generation der Meiler.
Obwohl sich die demokratische Partei bisher stets eher skeptisch gegenüber der Kernkraft geäußert hat, hofft das Weiße Haus nun gleich drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Obama ist sicher, dass der gewaltige Bedarf der weltweit größten Industrienation an sauberer Energie nur auf diesem Weg zu decken sein wird. „Es ist ganz einfach“, rechnete der Präsident vor, „um die schlimmsten Konsequenzen des Klimawandels abzuwenden, müssen wir unsere Versorgung mit Kernkraft erhöhen.“ Zum andern schafft Obama mit seinem klaren „Ja“ die Voraussetzungen für tausende neue Jobs: Allein die beiden Reaktoren in Georgia werden rund 4300 Menschen während der Konstruktions- und Betriebsphase Arbeit geben. Dritter Vorteil für Obama: Mit der Umarmung der Nuklearindustrie bietet er den Republikaner die Hand.
Er benötigt nach den jüngsten Machtverschiebungen im US-Senat das Wohlwollen der Opposition für wichtige Projekte wie die umstrittene Gesundheitsreform. Da Amerikas Konservative seit langem für eine Ausweitung der Kernkraft plädieren, ist die Initiative des Weißen Hauses ein klares Entgegenkommen.
Obama machte allerdings auch deutlich, dass es keine „Freifahrtscheine für die Opposition“ geben werde. Er erwarte, dass man jene Unternehmen künftig kräftiger zur Kasse bitten müsse, die weiter auf Energieformen mit umweltschädlichen Emissionen setzen.
Ob die Opposition mitspielt, ist aber ebenso unklar wie die Frage der Atommüll-Endlagerung. Eine seit langem ins Auge gefasste unteriridische Lagerstätte soll in der Yucca-Bergkette nahe Las Vegas entstehen. Bisher wehren sich die Bürger aus Nevada mit Senats-Mehrheitssprecher Harry Reid - pikanterweise ein Demokrat - vehement gegen diese Lösung.
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