Von Philipp Schumacher, 01.02.10, 11:41h
Das würde dem Papst sicher gefallen, schließlich hat er in seiner Botschaft zum 44. Welttag sozialer Kommunikationsmittel verkündet, er wolle die Priesterausbildung sogar erweitern. Ziel ist, dass die nachfolgenden Generationen die Möglichkeiten des Internets besser nutzen, um den Glauben des Herrn in die Welt zu tragen.
"Durch die modernen Kommunikationsmittel kann der Priester das Leben der Kirche bekanntmachen und den Menschen von heute helfen, das Gesicht Christi zu entdecken", schreibt der Papst. Nachholbedarf gibt es dabei allemal. Es setzen nicht viele Priester auf einen Tagebuch-Blog, Twitter oder Freundschaftsnetzwerke wie Facebook.
Die Münstergemeinde nutzt den Service, um ihre Mitglieder direkt anzusprechen. Während der Weihnachtszeit bekamen sie auf Wunsch eine tägliche Impulsnachricht: "Letzter Einkaufssamstag. Nicht auf die Größe und den Wert der Geschenke kommt es an, sondern ob Liebe drin ist."
"Natürlich kann die digitale Verkündigung die persönliche Begegnung nicht ersetzen, aber es kann sie ergänzen", meint Schumacher.
Ähnlich sieht das Pastor Peter Kroschewski, der die Gemeinde Essen-Bergeborbeck betreut. Er hat über einige Jahre einen Blog gepflegt. "Die Einträge wurden kritisiert oder eben gut geheißen. Sie erfüllten den Zweck eines solchen Tagebuchs", erklärt Kroschewski. Gerne nutzte er politische Nachrichten, um sie mit theologischem Blick aufzuarbeiten. Als Anfang 2009 die Pius-Bruderschaft in die Schlagzeilen geriet, weil ihr Bischof Richard Williamson den Holocaust geleugnet hatte, gab es viele Reaktionen. In Essen führt die Bruderschaft das Priorat St. Bonifatius.
Das zeigt das Interesse in der Bevölkerung. Und gerne hätte Kroschewski weiter für Gesprächsstoff über Kirchenthemen gesorgt. Der Blog ist mittlerweile aber eingestellt, weil dem ordinierten Priester die Zeit fehlt, ihn regelmäßig zu pflegen. "Ohne tägliche Einträge verliert man die Leserschaft. Das bringt nichts."
Kroschewski sieht das Internet als Chance, um Jugendliche anzusprechen. Vom Internet begeistert, hat er sich schon überlegt, eine Webcam aufzustellen und Messen live zu übertragen. Im Seelsorgebereich könne der erste Kontakt anonym erfolgen.
Eine breite Palette von Möglichkeiten gäbe es, nur ein Problem: Die Kirche legt immer mehr Gemeinden zusammen und spart Priesterstellen ein. Die Arbeit in der Gemeinde nimmt mehr Zeit in Anspruch. Zusatzangebote bleiben auf der Strecke.
Fast schon privilegiert ist dagegen Dietmar Heeg. Der Pfarrer betreut die katholische Fernseharbeit, bloggt, spricht einen täglichen Tagessegen, twittert und fädelt Glaubensverkündigungen in die Netzwerke ein. "Wir erreichen auf diesem Weg junge Menschen, die schon lange keinen Fuß mehr in die Kirche gesetzt haben", erklärt er. Zwischen 50 und 120 Clicks zählt er durchschnittlich am ersten Tag. Mit dem neuesten Britney Spears-Video ließe sich das nicht vergleichen, aber immerhin. Die Initiative des Papstes, die Ausbildung besser aufs Internet abzustimmen, hält er jedenfalls für sinnvoll. Das Medium Internet mag vielleicht nicht jedem liegen, meint er, aber die katholische Kirche müsse sich dringend aufstellen auf dem "modernen Marktplatz, dort wo das Leben brummt".
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