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Léo Apotheker

SAP-Chef tritt zurück

Von Brigitte Scholtes, 08.02.10, 11:03h, aktualisiert 08.02.10, 22:44h

Léo Apotheker ist überraschend zurückgetreten. Der Vetrag mit dem Vorstandssprecher von Europas größtem Softwarehersteller SAP war nicht verlängert worden. Auch der Arbeitsdirektor Erwin Gunst wird das Unternehmen verlassen.

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Léo Apotheker (Bild: dpa)
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Léo Apotheker (Bild: dpa)
FRANKFURT. Die exakten Gründe über die Ablösung von Léo Apotheker an der Spitze des Softwareriesen SAP behielt Aufsichtsratschef Hasso Plattner auch gestern für sich. Selbst auf Nachfragen wollte der SAP-Gründer in einer Telefonkonferenz keine Details verraten. Strategische Differenzen mit Apotheker habe es jedenfalls nicht gegeben, stellte Plattner klar. Und: Er persönlich sei für Apothekers Ernennung verantwortlich gewesen, nun sei er auch verantwortlich für den Wechsel.

Klar wurde dennoch, dass die Unzufriedenheit der Kunden mit dem Walldorfer Softwarehersteller in den letzten Monaten immer stärker gewachsen war. Die seit Monaten verschobene Einführung der neuen Mittelstandssoftware „Business by Design“, die heftige Kritik an einem neuen Wartungsmodell und der Image schadende Streit mit tausenden Kunden über höhere Wartungskosten sorgte für Ärger. Plattner gab sich gleichwohl eine Mitschuld daran. Er habe, sagte der Aufsichtsratschef, zwar von den großen SAP-Anwendern nur positive Rückmeldungen erhalten, dabei jedoch die kleineren Anwender und diejenigen, die ältere SAP-Systeme verwenden, „vollkommen aus dem Blick verloren“. Plattner machte also deutlich: „Das war nichts, was wir Léo in die Schuhe schieben können.“

Nun jedenfalls will SAP mit einer neuen Führung den Kurs ändern und setzt wie früher schon auf eine Doppelspitze: Die beiden bisherigen Vorstände für Vertrieb und Produktentwicklung, Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, sollen das Unternehmen führen - und zwar gleichberechtigt. Plattner versicherte, diese Konstruktion solle nicht nur eine vorübergehende Lösung sein. Nun gelte es, das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen, die „mehr als verärgert“ sind.

Wie groß der Ärger bei den Kunden tatsächlich ist, machte Andreas Oczko, stellvertretender Vorsitzender der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), deutlich. In dieser Organisation haben sich 2200 SAP-Nutzer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen. Oczko sagte, wegen der Wirtschaftskrise hätten viele Anwender nicht in neue Software investieren können. Daher hätten sie vielfach Hilfen bei der Anwendung nachgefragt - und seien dabei allein gelassen worden. „Wir hätten uns gewünscht, dass SAP die Kunden mehr abgeholt hätte“, so Oczko.

Die DSAG erhofft sich von der neuen Doppelspitze Besserung - genauso wie die SAP-Beschäftigten. Denn auch innerhalb des Unternehmens hatte es in den vergangenen Monaten rumort. So sei man mit der rüden Art des Managements nicht mehr einverstanden gewesen, ist zu hören. Kein Geheimnis ist, dass Apotheker hinter vorgehaltener Hand im Unternehmen seit langem ein autoritärer und zuweilen cholerischer Charakter vorgehalten wird. Zu viel Arbeitsdruck und kaum noch neue Produkte - so lauteten denn auch die Vorwürfe des Betriebsrats. Aufsichtsratschef Plattner ist auch das bewusst. Deshalb müsse das Unternehmen nun auf allen Ebenen an seiner Erneuerung arbeiten, sagte er. „Wir wollen ein glückliches Unternehmen sein, das ist das Ziel“, so der SAP-Gründer.



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