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Papst Benedikt XVI.

Verletzung von Kinderrechten verurteilt

Erstellt 08.02.10, 17:42h, aktualisiert 08.02.10, 17:45h

Papst Benedikt XVI. hat die Verletzung von Kinderrechten durch die katholische Kirche bedauert. Indirekt äußerte er sich auch zum Missbrauchsskandal an Canisius-Schulen. Unterdessen wurde bekannt, dass die meisten Taten verjährt sind.

Papst Benedikt XVI.
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Papst Benedikt XVI. (Bild: dpa)
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Papst Benedikt XVI. (Bild: dpa)
ROM/BERLIN - Papst Benedikt XVI. hat am Montag die Verletzung der "Rechte des Kindes" verurteilt. Die Kirche habe im Laufe der Jahrhunderte den Schutz von Rechten und Würde der Minderjährigen betrieben und vorangetrieben. "Leider haben dennoch auch einige Kirchenmitglieder diese Rechte verletzt", sagte Benedikt am Montag bei einer Versammlung des vatikanischen Familienrats anlässlich des 20. Jahrestags des Inkrafttretens der UN-Kinderrechtskonvention. "Die Kirche wird niemals aufhören, dies zu bedauern und zu verurteilen", betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Einen direkten Bezug zum aktuellen Skandal um den sexuellen Missbrauch von Schülern an deutschen katholischen Schulen in den 70er und 80er Jahren zog der Papst nicht.

Der Vatikan hatte sich zuvor hinter die Bitte um Entschuldigung des deutschen Jesuiten-Chefs Stefan Dartmann gestellt, diese sei "umfassend". Man werde sich daher nicht noch in einer eigenen Stellungnahme äußern, sei aber in "völliger Übereinstimmung" mit dem, was Dartmann gesagt habe. Dieser hatte vor einer Woche im Namen des Ordens bei den "Opfern von Übergriffen unserer ehemaligen Mitbrüder" um Entschuldigung gebeten.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa interpretierte die Papst-Äußerungen am Montag vor dem Hintergrund eines Missbrauchsskandals in Irland. Das katholische Land war im vergangenen Jahr von zwei Untersuchungsberichten erschüttert worden, die einen jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern in Kircheneinrichtungen dokumentierten. Katholische Priester, Mönche und Nonnen vergewaltigten, schlugen oder demütigten ihre Schützlinge. Die Kirchenleitung vertuschte die Übergriffe systematisch, aus Furcht vor einem Skandal. Die staatlichen Behörden schauten weg. Vier Bischöfe hatten nach den Enthüllungen ihre Ämter niedergelegt.

Benedikt lud darauf eine Delegation irischer Bischöfe für den 15. Februar zum Krisengespräch im Vatikan ein. Bei einer ersten Begegnung im Dezember hatte er gesagt, "erschüttert und empört" über den vielfachen Kindesmissbrauch in der Kirche Irlands zu sein.

Missbrauchsfälle am Canisius-Gymnasium verjährt

Der sexuelle Missbrauch von Berliner Schülern am katholischen Canisius-Gymnasium in den 70er und 80er Jahren hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. "Die Taten sind verjährt", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag der dpa. Unterdessen melden sich weitere Opfer. "Es werden immer mehr", sagte Anwältin Ursula Raue, die vom Jesuitenorden mit der Untersuchung der Berliner Fälle beauftragt wurde. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, rief zu Offenheit beim Umgang mit Missbrauchsvorwürfen auf. An dem Elite-Kolleg begann der Unterricht nach den Ferien unter starken Sicherheitsvorkehrungen.

Komplizierte Rechtslage

Die Berliner Staatsanwalt prüfte rund 20 Fälle vom Canisius-Kolleg, wie Sprecher Steltner mitteilte. Er verwies auf die komplizierte Rechtslage. Die Verjährungsfrist für diese Form sexuellen Missbrauchs beträgt zehn Jahre ab dem 18. Geburtstag des Opfers und sei abgelaufen. Auch etwaige Vorwürfe an den Jesuiten-Orden wie Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung seien verjährt.

Allein in Berlin haben sich bislang mehr als 30 Betroffene bei Anwältin Raue gemeldet. Ein zunächst für Mitte Februar angekündigter Bericht zu den Berliner Fällen "muss anders aussehen, als ursprünglich gedacht", sagte die Anwältin der dpa. Wann der Bericht vorgelegt werden kann, sei derzeit offen, sagte die Anwältin. "Ich nehme mir Zeit, um den Opfern zuzuhören oder ihre Mails zu beantworten. Es ist ganz wichtig, dass sie anders als damals ernst genommen werden." Eine strafrechtliche Aufarbeitung nach so langer Zeit wäre wegen der Beweise ohnehin problematisch, sagte Raue zu der Verjährung. "Wenn ein Verfahren dann mit Freispruch enden würde, wäre es noch schlimmer."

Sicherheitsleute am Canisius-Kolleg

Zum Beginn nach den Winterferien schirmte das Canisius-Gymnasium seine Schüler am Montag ab. Security-Kräfte versperrten Schaulustigen und Journalisten den Eingang zum Schulgelände. "Heute wurde deutlich, dass die Schüler zum ganz normalen Schulablauf zurückkehren möchten", sagte Gabriele Hüdepohl von der Schulleitung. Bei einer Versammlung wurden Schüler und Lehrer informiert.



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