Von Ralf Müller, 08.02.10, 18:28h, aktualisiert 08.02.10, 22:12h
Mit einer Veränderung der Gebühren habe die Zertifikate-Branche ein „wichtiges neues Mittel zur Schädigung der Anleger entwickelt“, kritisierte SdK-Vorstand Daniel Bauer. Die Anlegerschützer halten Klauseln sogar für unwirksam, in denen sich die Zertifikateausgeber ständig verändernde Gebühren nach ihrem Ermessen einräumen. Das einnehmende Wesen der Banker in Sachen Gebühren rügt die SdK auch bei den aktiv gemanagten Fonds. Inzwischen verlangten schon die Hälfte der in Deutschland aufgelegten Aktienfonds eine „Performance Fee“, berichtete Bauer. Damit genehmigten sich die Fondsmanager „zusätzlich zur happigen Verwaltungsgebühr“ von 1,5 Prozent noch einen Anteil von fünf bis 25 Prozent des Zugewinns. Den Vergleichsindex zu schlagen gelinge ohnehin sehr selten. Falls es gelinge, müsste das in der Verwaltungsgebühr enthalten sein, forderte Bauer.
Steigende Verwaltungsgebühren trüben auch die Freude an den börsengehandelten Indexfonds (ETFs), die von den Aktionärsschützern grundsätzlich empfohlen werden. In zunehmendem Maße würden höhere Gebühren verlangt, die nicht nachvollziehbar seien, berichtete Bauer. Außerdem beanstandet die SdK, dass entgegen den Beteuerungen der Branche die Transparenz in diesem Bereich nicht zunehme, sondern schwinde.
Im Bereich der Aktien sprechen die Anlegerschützer den großen Dax-Unternehmen grundsätzlich Lob aus. Rechtsverstöße seien bei Großunternehmen sehr selten, sagte SdK-Vorsitzender Schneider. Als „Meister des Misslingens“ unter den Großen spielen freilich Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Maria-Elisabeth Schaeffler eine prominente Rolle im SdK-Schwarzbuch. Die „Spur der Vernichtung“ ziehe sich von Hypo Real Estate über Commerzbank und IKB bis zu Arcandor und Escada. Schneider zog aus der Sicht der Anleger zwei Schlussfolgerungen: „Keine große Chance ohne großes Risiko, und zweitens: Du sollst dein Management nicht nach kurzfristigen Maßstäben vergüten“.
Die richtigen „Schweinereien“ aber fänden in kleineren Unternehmen statt, so die Aktionärsschützer. Nicht selten verfahre ein Mehrheitsaktionär mit den Kleinanlegern nach Gutsherrenart. Das Schwarzbuch listet eine Reihe von skurrilen Fällen auf. Demnach wurden Geschäftsberichte ohne Zahlen vorgelegt, drei Hauptversammlungen hintereinander abgesagt oder Gerichtsentscheidungen konsequent ignoriert.
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