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ARD und ZDF

Wintersportler unter Doping-Verdacht

Erstellt 08.02.10, 19:05h

Gleich in mehreren Beiträgen von ARD und ZDF wurden deutsche Wintersportler unter Doping-Verdacht gestellt. Ein anonymer Sportler vergleicht die Doping-Praxis im Wintersport mit der im Radsport. Auch von neuen, noch nicht verbotenen Mitteln ist die Rede.

Doping im Wintersport?
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Kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele bringen TV-Berichte den Wintersport ins Zwielicht. (Bild: dpa)
Doping im Wintersport?
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Kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele bringen TV-Berichte den Wintersport ins Zwielicht. (Bild: dpa)
VANCOUVER/BERLIN - Wenige Tage vor dem Olympia-Start in Vancouver werden deutsche Wintersportler in Beiträgen von ARD und ZDF unter Doping-Verdacht gestellt. In der im Nachtprogramm versteckten ARD- Sendung "Geheimsache Doping-Eiskalter Betrug" (Dienstag 0.15 Uhr) wird Arnold Riebenbauer, Chef des Disziplinar-Ausschusses des österreichischen Skiverbandes, in Zusammenhang mit der Blutdoping-Affäre um die Wiener Blutbank Humanplasma zitiert. Es gebe "Hinweise auf Sportler aus Deutschland, Wintersportler", die illegale Transfusionen vorgenommen hätten. Er nenne "keine Namen".

Ähnliche Vorwürfe hatte Karl Stoss, der NOK-Vorsitzende Österreichs, in der ZDF-Dokumentation "Mission Gold - Die Blutspur der Dopingbetrüger" (Mittwoch 23.15 Uhr) geäußert. "Auch diese Aussage von Herrn Riebenbauer bringt keine Neuigkeit", sagte Christian Klaue, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Montag in Vancouver. Statt dunkle Andeutungen zu machen, solle er Ross und Reiter nennen. "Die österreichischen Behörden als auch die Nantional Anti-Doping-Agentur Österreichs haben uns stets mitteilen lassen, dass es keine belastbaren Hinweise auf deutsche Athleten gibt."

Im Labor der Wiener Humanplasma wurden von Mitte 2003 bis Anfang 2006 Blutabnahmen bei Sportlern durchgeführt, wie Humanplasma-Sprecherin Michaela Eisler dem ZDF bestätigte. "Die Unternehmensleitung bedauert, dadurch einen Beitrag zu Blutdoping geleistet zu haben", hieß es.

In dem 30-minütigen ARD-Beitrag wird ausführlich ein anonymer "nordischer Skisportler, WM- und Olympia-Teilnehmer" zitiert, der die Doping-Verseuchung in seiner Sparte mit den Auswüchsen im Radsport gleichsetzt. Der ehemalige österreichische Langlauftrainer Walter Mayer, der sich 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin der Polizei-Verfolgung durch Flucht entzog, erklärte, Nach-Tests von Turin würden "sehr viele Medaillengewinner in schlechtes Licht" rücken. Im Gegensatz zu Peking wurden Doping-Proben von Turin noch nicht nachträglich analysiert.

Das Blut-Doping-Mittel CERA, über das unter anderen die des Dopings überführten Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl bei der Tour de France 2008 stolperten, ist laut Mayer schon seit 2002 auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Er sei "sicher, dass es in Turin" benutzt worden sei. Mayer hält die Doping-Kontrollen für eine Farce. "Die Sieger von Vancouver sind nicht sauber, sonst würden sie nicht siegen", sagte er.

Der anonyme Sportler, mit Kapuzenshirt im Halbdunkel gezeigt, stellte sich und andere an den Pranger: "Die Doping-Situation im nordischen Skisport ist nicht viel anders als im Radsport. Vor allem im Skilanglauf habe ich mitbekommen, dass in der Weltspitze massiv gedopt wird. Gerade auf längeren Distanzen ist es unmöglich, ohne, ich sag jetzt mal EPO oder Blutdoping, dass man jetzt irgendwo vorne mitläuft. Ich war bei Olympia gedopt und keiner hat es gemerkt." Erwischt würden in Vancouver nur, "die nicht wissen, wie Doping wirklich funktioniert".

 In Salt Lake City 2002 sei "Johan Mühlegg aus dem Verkehr gezogen" worden, "mit Aranesp". Weiter erklärte der nicht identifizierte Skisportler: "Während andere so wie ich genau das Gleiche genommen haben, und es nicht gefunden wurde." Nach Worten der Macher des ARD-Beitrages erwägt der Kronzeuge, der nur eine Aufwandsentschädigung erhalten hätte, in nächster Zeit seine Anonymität aufzugeben.

Außerdem wurde über ein neues Dopingmittel - das Herz-Medikament S 107 - berichtet, mit dem bis zu 20 Prozent mehr Leistung erzielt werden könnte. Das im übrigen leicht nachweisbare Präparat steht noch nicht auf der Doping-Verbotsliste. Mit simplen Tricks beschafften sich die Fernseh-Reporter, die sich vorher in Minsk in einem Fitnessstudio unbehelligt mit verschiedenen Dopingmitteln eindeckten und ihre Shopping-Tour mit versteckter Kamera filmten, das Mittel übers Internet aus Baden-Württemberg und Estland. Auf ARD-Anfrage kündigte David Howman, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, an, gegen S 107 vorzugehen. (dpa)



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