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Der Iran und die Bombe

„Es gibt noch ein Zeitfenster“

Erstellt 19.02.10, 20:23h

Nach dem neuen Bericht der UN-Atomenergiebehörde schaut die Welt mit Ärger und Sorge auf den Iran. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte, die Weltgemeinschaft dürfe sich nicht weiter vertrösten lassen.

Mahmud Ahmadinedschad
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Auf dem Weg zur Atombombe? Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bislang alle diplomatischen Angebote ausgeschlagen. (Bild: dpa)
Mahmud Ahmadinedschad
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Auf dem Weg zur Atombombe? Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bislang alle diplomatischen Angebote ausgeschlagen. (Bild: dpa)
Oliver Thränert ist Abrüstungsexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Jens Meifert sprach mit ihm über die atomare Bedrohung durch den

Iran.

Wie bewerten Sie den UN-Bericht? Er enthält auf den ersten Blick gar nicht viel Neues.

In der Tat. In der Substanz gibt es keine großen Neuigkeiten. Die Befürchtung, dass das iranische Atomprogramm eine militärische Dimension hat, musste man schon lange haben. Neu ist, dass die Sprache deutlicher geworden ist im Bezug auf die Bedrohung.

Warum gerade jetzt?

Es mag mit dem Wechsel an der Spitze der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu tun haben. Mit dem Einsatz von Yukiya Amano als Generaldirektor. Denn natürlich gibt es die Erkenntnisse schon länger, dass der Iran am Design für atomare Sprengköpfe arbeitet. Bislang gab es aber keine Einigkeit, wie man mit diesen Informationen umgeht und wie man damit an die Öffentlichkeit geht.

Manche sagen, die IAEA will zeigen, dass es genug ist mit dem diplomatischen Katz-und-Maus-Spiel. Vor allem nach dem Auftritt des iranischen Außenministers auf der Münchener Sicherheitskonferenz.

Ja, man erkennt offenbar, dass man zu deutlicheren Worten kommen muss. Der Iran hat wiederholt Aufforderungen zur Zusammenarbeit ignoriert und betreibt mit der Anreicherung des Urans nun eine Eskalation.

Was kann, was muss nun der nächste Schritt in diesem Konflikt sein?

Ich denke, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen muss noch in diesem Monat konkret über Sanktionen gegen den Iran sprechen. Nach amerikanischer Vorstellung wird es vor allem darum gehen, die iranischen Revolutionsgarden zu schwächen.

Was könnten das für Sanktionen sein?

Die Revolutionsgarden haben mittlerweile ein umfassendes Wirtschaftsimperium aufgebaut. Das heißt, sie haben internationale Wirtschaftskontakte, auch mit Banken und Auslandskonten. Da kann man versuchen einzugreifen, etwa die Geldströme abzuschneiden.

Und die militärische Option?

Ich denke nicht, dass eine solche Eskalation auf der Tagesordnung steht. Auch weil, und auch diese Information enthält der jüngste IAEA-Bericht, die Gesamtanzahl der im Iran funktionierenden und angereichertes Uran produzierenden Zentrifugen kleiner geworden ist. Offenbar hat Iran doch erhebliche technische Probleme. Es gibt also schon noch ein Zeitfenster für diplomatische Bemühungen.

Aber der Iran hat heute mit einer neuerlichen Provokation auf den Bericht reagiert: Dieser enthalte „nichts Neues“. Er sei „langweilig“. Das klingt nicht nach Annäherung.

Nein, aber solche Äußerungen kennt man nun schon, das ist nicht mehr überraschend.

Aber welchen Sinn können dann diplomatische Bemühungen haben? Es ist doch nur noch ein hin und her von Provokationen, Drohungen und Beschwichtigungen.

Es ist eine große Enttäuschung, dass die von Präsident Obama ausgestreckte Hand zurück gewiesen wurde. Das Experiment ist vorerst gescheitert, aber es gibt derzeit keine anderen Optionen. Ein militärisches Vorgehen wäre mit viel zu vielen Risiken behaftet.

Gerade mit Blick auf Israel?

Ja, Israel steht hier in einer besonderen Bedrohung. Vor allem, weil der Iran eine feindliche Rhetorik anwendet und das Land Israel nicht anerkennt. Deswegen wäre es für Israel natürlich auch sehr schwer, unter dem Damoklesschwert einer iranischen Bombe zu leben. Auf der anderen Seite wissen auch die Israelis um die Risiken eines Militärschlags in Richtung Teheran.

Für den Kurs von Diplomatie und Sanktionen ist Einigkeit im Sicherheitsrat notwendig. Wie sehen Sie die Rolle von Russland und China?

Russland scheint mir offener geworden zu sein für schärfere Sanktionen, da schwenkt man eher auf die westlichen Positionen ein. Bei China liegt das anders. Scharfe Sanktionen würde das Land wohl nicht mittragen, andererseits können auch die Chinesen nicht an einer Eskalation des Konflikts mit unangenehmen Folgen wie steigenden Ölpreisen interessiert sein.

Wagen Sie eine Einschätzung, wann der Iran über eine Atombombe verfügen könnte?

Das ist schwer zu sagen. Dafür ist unser öffentlicher Informationsstand dann auch zu lückenhaft. Ich würde sagen, es steht nicht unmittelbar heute oder morgen auf der Tagesordnung.

Aber in einigen Jahren vielleicht schon?

Ja, sicherlich.



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