Erstellt 21.02.10, 21:47h, aktualisiert 21.02.10, 22:21h
Um andere zu warnen. Durch Spionagestrategien fließt unglaublich viel Geld aus deutschen Unternehmen ab. Es ist wichtig, die Unternehmer und ihre Mitarbeiter für die Gefahr zu sensibilisieren.
Was hält Betroffene davon ab?
Sie fürchten einen Imageverlust, wenn der Vorfall öffentlich bekannt wird.
Ihre Erfahrungen in China?
Ich war schon über 20 Jahre im China-Geschäft, als 2004 die staatliche CNPC als größter Gasversorger Chinas, der bereits Maschinen von uns bezog, ein Joint Venture vorschlug. Das war zunächst wie ein Sechser im Lotto für mich.
Warum ließen Sie sich darauf ein, wenn Sie die Situation in China schon kannten?
Ich hatte mit 51 Prozent die Anteilsmehrheit am Joint Venture. Dadurch fühlte ich mich sicher.
Wie ging es weiter?
Ich baute vor Ort eine Firma mit 450 Mitarbeitern auf, bis auf vier waren alle Chinesen. Ich war auch selbst regelmäßig und oft dort. Bei dem obersten CNPC-Chef war ich oft Gast in Peking, auch hier in meinem Haus haben wir gefeiert. Ich dachte, er sei ein Freund. Aber da gab es schon die Strategie, mich aufs Kreuz zu legen.
Wann kamen Ihnen Zweifel?
Im April 2005. Daraufhin sprach ich mit einem Freund im chinesischen Wirtschaftsministerium. Er riet mir, mich offiziell nach Deutschland zu verabschieden. Dann fuhren wir vor das Werksgelände und warteten. Bald kam ein Bus, Leute stiegen ein und aus. Wir verfolgten den Bus und entdeckten 87 Kilometer entfernt genau die gleiche Fabrik wie unsere. Drinnen lagen überall meine Zeichnungen. Sie hatten sowohl die komplette Produktionsanlage als auch die Produkte kopiert.
Wie haben Sie reagiert?
Ich war geschockt. Das waren alles meine Kollegen, einige davon hielt ich für meine Freunde. Ich habe dann umgehend alle Chinesen entlassen, die Zusammenarbeit mit CNPC aufgelöst und alleine weiter produziert.
Wie ging es weiter?
Später stellten wir einen jungen chinesischen Ingenieur ein. Er sprach sehr gut Englisch und seine Qualifikationen beeindruckten uns. Der Mann machte sich sehr gut - bis ich ihn dabei überraschte, wie er im Computerraum mit seinem Laptop Baupläne vom Hauptcomputer lud.
Was geschah dann?
Ich rief die Polizei. Ein hochdekorierter Polizist kam und verhaftete den Mitarbeiter. Der Polizist nahm auch den Laptop, also die Firmendaten, mit. Am nächsten Tag sollte ich den Computer abholen. Dazu kam es aber nicht. Die Polizei war plötzlich nicht mehr zuständig und sagte, man habe von höchster Stelle Einfluss auf die Sache genommen. Der chinesische Ingenieur kam frei und verschwand mit Laptop.
Zogen Sie Konsequenzen?
Ich habe unmittelbar danach in China alles aufgelöst.
Glauben Sie, der chinesische Geheimdienst war im Spiel?
Auf jeden Fall. Als ich in Deutschland an die Öffentlichkeit ging, riet mir der chinesische Botschafter, mich künftig zurückzuhalten, sonst könne das ,zu meinem Nachteil sein. Daraufhin habe ich vor meiner nächsten China-Reise Journalisten informiert, dass ich, sollte ich mich bis zu einem bestimmten Termin nicht melden, verhaftet worden bin.
Haben Sie in China nochmal ähnliches erlebt?
Ja. Ich wurde als Berater hinzugebeten, als es Probleme beim Bau der West-Ost-Pipeline gab, für den wir rund 80 Prozent aller Maschinen lieferten. Damals, 2002, hatten die Chinesen gerade ihre erste Schwebebahn (zwischen Schanghai und dem Flughafen der Stadt) in Deutschland gekauft. Auf dem Weg zur Pipeline-Baustelle fuhren wir mit einer Sondergenehmigung durch gesperrtes Gebiet. Ich habe meinen Augen nicht getraut - dort wurde bereits eine Magnetschwebebahn getestet. Die Chinesen hatten also direkt begonnen, eine eigene Bahn zu entwickeln und zu testen. Das war offiziell nicht bekannt.
Auch hier in Deutschland wurden Sie attackiert.
Ja, von einem ehemaligen Mitarbeiter und auch vom amerikanischen Geheimdienst. Bei einer Sicherheitsprüfung durch den Verfassungsschutz stellte man fest, dass der CIA zwei Mal versucht hatte, auf unseren Hauptrechner zuzugreifen.
Welches Know-how in Ihrem Unternehmen muss besonders geschützt werden?
Wir haben eine spezielle Laserschweißtechnik zum Bau von Pipelines entwickelt, die als Weltpatent geschützt ist. Sie bedeutet einen Quantensprung für die Branche, etwa wie die Entwicklung vom Segelflugzeug zur Rakete. Mit der alten Technik können 200 bis 300 Leute knapp anderthalb Kilometer pro Tag bauen - mit der neuen schaffen zehn Leute fünf Kilometer. Das bedeutet Sicherheitsstufe hoch drei, auch die Bundeskanzlerin ist eingebunden.
Wie das?
Bei einer gemeinsamen Chinareise habe ich ihr im Flugzeug ein Muster-Verbindungsstück gezeigt, das eigentlich für Geschäftspartner gedacht war. Als Physikerin kennt sie sich ja aus - und war sehr beeindruckt. Nun möchte sie alle drei Monate einen Bericht über die weitere Entwicklung.
Wie schützen Sie Ihr Wissen?
Unsere Konstruktionsabteilung ist tabu, da kommt niemand so ohne weiteres rein. Handys und besonders BlackBerrys sind dort verboten. Der Zentralcomputer für diese Technologie steht in den USA - so etwas muss man wissen.
Und bezogen auf China?
Wir produzieren dort nicht mehr - das Sicherheitsrisiko ist einfach zu groß. Wir liefern dorthin nur noch Maschinen von hier aus.
Auch die Freunde aus USA spionieren uns aus
23.02.2010 | 09.11 Uhr | quintus prior
Den Chinesen ist ja alles zuzutrauen. Sie machen aber nur genau das, was alle anderen - zuvorderst unsere amerikanischen Freunde - auch machen.…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln