Von UTA KRISTINA MAUL, 05.03.10, 07:18h
Dessen Kosten beziffert der Jurist auf rund 74 Millionen Euro netto (mit Mehrwertsteuer circa 90 Millionen), die Bauzeit auf knapp zwölf Monate. Bislang schon verbaut worden seien etwa 136 Millionen Euro bei einem Fertigstellungsgrad von 70 bis 75 Prozent des Bauvolumens. Wie viel Geld bisher insgesamt in das Projekt geflossen ist, sagt Seagon nicht - es sei aber deutlich mehr als die 136 Millionen.
Vor Ort, im früheren Plenarsaal, der zu den Bestandsbauten des World Conference Center Bonn (WCCB) gehört, teilte Seagon die gute Nachricht mit, dass Kongressneubauten und Hotel bislang in guter und angemessener Qualität errichtet worden und Baumängel nur im üblichen kleineren Umfang zu finden seien. Grundlage für diese Bewertung waren die Unterlagen der Generalübernehmerin des Bauprojekts, der SMI Hyundai Europe GmbH mit Sitz in Berlin, zu deren Insolvenzverwalter der Heidelberger Rechtsanwalt bestellt worden war. Über die SMI waren rund 150 Nachunternehmer - deren Rechnungen zum Teil, nämlich in Höhe von 8 Millionen Euro, noch nicht bezahlt seien - mit der Erstellung der einzelnen Gewerke beauftragt worden.
Die Unterlagen von SMI - 19 der 20 Aktenordner beinhalteten Belege - seien nachvollziehbar und gut geführt, sagte Dr. Rainer Schofer, von der Industrie- und Handelskammer zu Berlin öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Baupreisermittlung, Abrechnung und Bauablaufstörungen: Baudurchführung, Projekt- und Bauleitung machen einen ordentlichen Eindruck. Die Plausibilitätskontrollen nach Preisen, Volumen und Schlüssigkeit der Planungsleistungen - die Seagon unterm Strich mit etwa 20 Prozent Anteil am Gesamtbaupreis in einem insgesamt verhältnismäßigen Umfang sieht - hätten ergeben: Es passt alles.
Wies nun weitergeht? In Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Stadt (siehe Kasten) geht es nun um die Frage, wer den Weiterbau finanziert und wer die Immobilie übernimmt. Seagon weiß von zwei Hand voll ernsthaften Interessenten, die sich aber noch nicht geäußert hätten, ob sie das Projekt betreiben oder erwerben wollten; ihnen fehlten auch noch detaillierte Informationen.
Die Fertigstellungskosten von 136 Millionen Euro und die Bauzeit - neun Monate fürs Kongresszentrum samt Außenanlagen, elf bis zwölf Monate fürs Hotel - basierten im Übrigen auf der Annahme, dass zunächst ein geeigneter Betreiber für das Hotel und die öffentlichen Bereiche gefunden werde. Der Betreiber müsste sich dann unter anderem verpflichten, das bisherige Grundkonzept - insbesondere die technische Gebäudeausstattung - zu übernehmen.
Die Gutachter halten es außerdem für wirtschaftlich sinnvoll, dass die bisherigen Nachunternehmer ihre Gewerke fertigstellen können (Seagon: Sie drängen; es wäre sinnvoll, Signale zu setzen), Kongresszentrum und Hotel weitestgehend parallel zu Ende gebaut werden und eine klare Organisationsstruktur aufgebaut wird.
Wie berichtet, soll es beim Bau des Kongresszentrums zu kriminellen Machenschaften gekommen sein. Vier Manager, Geschäftsführer oder Berater wurden verhaftet, es gab Insolvenzen, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Den finanziellen Schaden für die Stadt beziffern Insider auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Am 25. März gibt es eine Ratssondersitzung zum Thema WCCB.
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