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Die Einsamkeit zweier Welten

Von DÖRTE STAUDT, 06.03.10, 07:09h

Sie meint, er sei zu sensibel „für den Dienst am Kunden“, er sieht sie als „verknöcherte alte Schlampe.“ Sie ist in den Wechseljahren, er hat „den Blick...

NEUNKIRCHEN-SEELSCHEID. Sie meint, er sei zu sensibel „für den Dienst am Kunden“, er sieht sie als „verknöcherte alte Schlampe.“ Sie ist in den Wechseljahren, er hat „den Blick durch die rosarote Brille längst verloren“. Zwei Welten treffen aufeinander im Theaterstück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“: Der homosexuelle Tanzlehrer und die Witwe eines Baptistenpredigers. Und doch offenbart sich, in sieben Szenen voller erbitterter Streitereien und einer immer stärker werdenden ehrlichen Auseinandersetzung, wie viele Erfahrungen sie miteinander teilen. Eine tragische Lebensgeschichte und die Einsamkeit zweier Persönlichkeiten, die sich der Gesellschaft nicht so recht zugehörig fühlen. Klug gewählt hat Regisseur Jörg Kaehler dieses Stück des zeitgenössischen amerikanischen Autors Richard Alfieri für eine Aufführung in dem winzigen Privattheater des Vereins „Haus Birkenried“. Denn die Rolle der Lilly Harrison ist seiner Ehefrau, der Schauspielerin Sibylle Kuhne - so klischeehaft es klingen mag - auf den Leib geschrieben.

Kuhne bereicherte das Publikum schon häufiger in diesem Haus mit ihren Darstellungen einer nicht mehr ganz jungen, gebrochenen Frau: in dem Peter-Hacks-Stück „Ein Gespräch im Hause Stein“ oder in „Mathematik der Liebe“ von Esther Vilar. Faszinierend ist auch jetzt wieder ihr Mienenspiel zu lesen, in dem sich mädchenhaftes Kichern und tiefste Verzweiflung, schroffe Ablehnung und überschäumende Lebensfreude spiegeln. Ihr Gegenüber, der Schauspieler Guido Renner, der in Köln aus dem „Theater der Keller“ bekannt ist, spielt jungenhaft sympathisch die Rolle des glücklosen Tanzlehrers Michael Minetti.

Gemeinsam faszinieren sie in dieser nur auf den ersten Blick leichten Tragikomödie. Die wenigen Requisiten im Bühnenbild, sie würden sie gar nicht benötigen. Mit ihren „Tanzstunden“, die wie die Stimmung auf der Bühne vom lauten Swing über den erotischen Tango zum letzten, langsamen Blues wechseln, könnten sie ihr Publikum auch auf jeder nackten „Briefmarkenbühne“ in Bann halten. Zum Schluss bleibt verstohlenes Tränentupfen.

Weitere Aufführungen gibt es auf der Bühne in Haus Birkenried, Hohner Straße 13, am 6. 11., 12., und 13. März sowie am 8., 9., 10., 15., 16. und 17. April, jeweils 20 Uhr. Karten à 15 Euro sind im Floristik-Studio Buchner oder unter 0 22 47 / 49 97 erhältlich.



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