Von HELENA SANTANA LOSADA, 06.03.10, 07:09h
Eine Verschwendung, wie Dr. Tobias Blaum, Facharzt für Gynäkologie am Kreiskrankenhaus Gummersbach, weiß: Nabelschnurblut enthält einen hohen Anteil lebenswichtiger Stammzellen, die so nur noch im Knochenmark zu finden sind. Im Gegensatz zum Knochenmark sind bei den Stammzellen aus Nabelschnurblut keine Viren im Blut. Sie sind somit sauberer und erfolgreicher einsetzbar.
Stammzellen werden zum Beispiel bei der Behandlung von Diabetes Typ I, Lähmungen oder Leukämie eingesetzt.
Er appelliert daher an Mütter, bei der Entbindung die Nabelschnur des Nachwuchses zu spenden. Nabelschnurblut kann risikolos helfen.
Der Facharzt bedauert, dass die Nabelschnurblut-Einlagerung in Oberberg noch schwach verbreitet ist. So spendeten im letzten Jahr nur fünf Oberbergerinnen.
Wie läuft die Einlagerung des Nabelschnurblutes ab? Es wird nach der Geburt des Kindes in einem speziellen Beutel gesammelt und sofort verschickt. In der Uniklinik Dresden werden die Stammzellen bei minus 180 Grad eingefroren. Das Blut wird getestet und an Spenderdatenbanken gemeldet. Dabei bleiben die Spender anonym. Für die Eltern, die die Stammzellen ihrer Kinder freigeben, fallen keine Kosten an. Neben dieser anonymen Spende können Eltern die Stammzellen bei privaten Banken einlagern - für den Fall, dass ihr Kind später erkrankt, kann auf das eigene Zellmaterial zurückgegriffen werden.
Von der privaten Einlagerung hält Blaum allerdings nicht viel: Die Behandlung mit eigenem Blut ist zum Beispiel nicht sinnvoll, wenn die Genetik Ursache für die Erkrankung ist. In diesem Falle sind fremde Stammzellen zu empfehlen. Außerdem koste die private Einlagerung zwischen 800 und 2500 Euro. Für 18 Jahre Aufbewahrung. Blaum relativiert den Sinn einer Eigenblutlagerung: Etwa 500 000 Fälle sind weltweit bekannt, bei denen Eltern das Blut ihrer Kinder privat eingelagert haben. Nur 200 davon setzten es später wirklich therapeutisch ein. Das ist doch sehr wenig, meint Blaum.
Auf anderen Kontinenten ist die Einlagerung von Nabelschnurblut im Kreißsaal längst gängige Praxis: In Japan wird heute bei 50 Prozent aller Neugeburten das Nabelschnurblut gespendet.
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22. April 2012,
E-Werk Köln