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Kommentar zu Missbrauch

Immerhin ein Anfang

Von Jens Meifert, 06.03.10, 10:41h, aktualisiert 06.03.10, 10:44h

100 Betroffene in Ettal, 30 in Bad Godesberg. Die Zahl der bekannt werdenden Missbrauchsfälle in katholischen Institutionen steigt. Immer mehr Opfer melden sich zu Wort. Das Unrecht wird endlich ausgesprochen.

Am Aloisiuskolleg liegt eine Bilanz der Missbrauchsfälle vor. Die Schilderungen gäben einen bedrückenden Eindruck, „um welche Art von Gewalt“ es sich gehandelt habe, sagt Sprecher Robert Wittbrodt. Am Wahrheitsgehalt sei nicht zu zweifeln. Diese Aussagen sind von wohltuender Offenheit. Weil sie klar formulieren, dass Unrecht geschehen ist.

Die Flut an Missbrauchsvorwürfen gegen Jesuiten-Kollegs und vor allem die schockierenden Details aus Ettal sind kaum zu ertragen. 100 Betroffene gibt es dort, in Bad Godesberg 30. Das Gremium von Internatsmitarbeitern, Lehrern und Eltern hat hier das Richtige getan: Es hat den schnellen Kontakt zu den Betroffenen gesucht und den Eindruck bekämpft, hier könne etwas vertuscht werden.

Man müsse als Organisation nun lernen, wie derartige Dinge künftig auszuschließen sind, sagt der Sprecher des Kollegs. Diese Notwendigkeit hat auch Erzbischof Robert Zollitsch offenbar erkannt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hat es an Bedauern nicht mangeln lassen, auch wenn er in Ablehnung eines „Runden Tisches“ zu vehement erklärt hat, sexueller Missbrauch sei kein spezifisches Problem der katholischen Kirche.

Der Eindruck, dass Einrichtungen dieser Kirche zumindest lange Zeit dafür anfällig waren, der drängt sich leider auf. Aber es geht gar nicht darum, die Straftat des Missbrauchs einer Berufsgruppe zuzuordnen. Es ist notwendig, alles zu tun, um solche Taten auszuschließen. Die „Kultur des Wegschauens“, wie sie in Ettal konstatiert wurde, gehört bekämpft.

Dazu müssen Strukturen auf den Prüfstand. Die Kirche will die Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch ebenso wie die Personalauswahl reformieren. Richtig so. Nur sollte die Frage, was der Zölibat mit all diesen Vorfällen zu tun haben könnte, schon auch erlaubt sein.

Das Bad Godesberger Kolleg hat übrigens ein weiteres Ziel seiner Aufklärung benannt: Die christliche Werteerziehung dürfe keinen Schaden nehmen.



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