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Mein Name ist Hase...

Von GISBERT FRANKEN, 08.03.10, 07:06h

Die Spielkarte dreht sich und dreht sich: Mal ist die Herz-Königin oben und mal der grimmige Sensenmann. Ein Gleichnis auf die Welt und das Glück hat Barbara Stewen mit dieser...

BERGISCH GLADBACH. Die Spielkarte dreht sich und dreht sich: Mal ist die Herz-Königin oben und mal der grimmige Sensenmann. Ein Gleichnis auf die Welt und das Glück hat Barbara Stewen mit dieser Installation geschaffen, ein Zockerdenkmal und ein ironisches Memento Mori in Zeiten von Finanzkrise, hemmungsloser Spekulation und dem quer durch alle Bevölkerungsschichten verbreiteten Wunsch, reich zu werden ohne Anstrengung (auf Deutsch: auf Kosten von anderen).

Kinderlied und -mund

tut Weisheit kund

Insgesamt 26 Kunstschaffende haben Werke beigesteuert zur jüngsten Themenausstellung des Arbeitskreises der Künstler (AdK), die gestern im Kulturhaus Zanders eröffnet wurde. In allen Arbeiten geht es um die oben beschriebene Problematik der wirtschaftlichen Gier und der hemmungslosen Ausbeutung von Ressourcen, gefasst in die Formel eines Kinderliedes: „Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal / saßen einst zwei Hasen / fraßen ab das grüne, grüne Gras / bis auf den Rasen“. Nach ihrem Raubbau werden die Hasen allerdings vom Jäger niedergestreckt, statt zu verhungern, und am Ende hoppeln sie auch noch fröhlich von dannen: Sie sind nochmal mit dem Schrecken davongekommen.

Bei Gerda Reh hat der Hase weniger Glück: Er liegt als Filzapplikation in einem Leichenschauhaus, nachdem er sich offenbar den Bauch final verdorben hat am grünen Gras (Bündel von „Greenbucks“, grünen Dollarscheinen, umklammert er noch mit leichenstarren Pfoten), und der „Packzettel“ am Fuß identifiziert das verblichene Langohr als „Lehman Brothers“. Berg und Tal als Achterbahnfahrt wurden von vielen Künstlern mit dem Symbol der Fieberkurve steigender und fallender Aktienkurse verknüpft. So etwa bei Ellen Blank-Hasselwander, die sich bei den Glamour-Rockern von „Supertramp“ („Crisis? What Crisis?“, 1975) den Titel auslieh: „Krise? - Welche Krise?“ Da steht ein Wanderer im Caspar-David-Friedrich-Stil vor einer weiten Landschaft, collagiert aus Zeitungsschlagzeilen zur Wirtschaftskrise, flankiert von zwei Hasen.

Edda Jende greift wie Barbara Stewen auf das Motiv der Spielsucht zurück, aber sie wählt nicht das treulose Glück der Karten als Zockeremblem, sondern unter der Überschrift „Bauernopfer“ das eiskalte Spiel der Macht: Schach - nur dass die Figuren ihres Keramikspiels aus schwarzen und weißen Spielwürfeln bestehen.

Bei Friedrich Förder ist „die Maske gefallen“: Schädelförmig liegt sie am Fuße des großen Holzschnittes, der fast wie ein Grabmal über ihr aufragt, gekrönt von einer bunten Blase, in der menschliche Figuren zu einem Mosaik ineinandergreifen. Bei Lothar Sütterlin kommt es zu einer regelrechten Explosion, während auf Kay Wieses in wuchtig-wilder Manier gespachteltem Bild „Abgesägt“, ein Mann stuhllos in der Luft sitzt vor einem Tisch, der auch nicht mehr in Kontakt zu allen seinen Beinen steht. Allein die Flasche auf dem Tisch wirkt als solide Achse des Geschehens.

Die Ausstellung ist bis zum 8. April zu besichtigen, jeweils di, do, so von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung, (0 22 02) 4 40 82, im Kulturhaus Zanders, Bergisch Gladbach, Hauptstraße 267.



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