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WDR Big Band

Zurück zu den Wurzeln

Von Johannes Zink, 07.03.10, 20:05h

„Songs from the Twenties“: In der ausverkauften Philharmonie spielte die WDR Big Band alte Hits aus den Zwanzigern. Ein Konzert mit Licht und Schatten: Nicht alle Solisten konnten mit dem Thema viel anfangen. Andere trumpften auf.

KÖLN. Die „Goldenen Zwanziger“ hat sich die WDR Big Band für ihr jüngstes Projekt unter der Leitung von Dennis Mackrel vorgenommen. Für die Dauer einer Konzertlänge reihten sich Klassiker aneinander aus einer Zeit, als der Jazz das aktuelle Musikgeschehen uneingeschränkt dominierte. Breitenwirkung hat dieses Repertoire offenbar immer noch, die Philharmonie war am Freitagabend ausverkauft, als die WDR Big Band unter dem Titel „Songs from the Twenties“ ihr jüngstes Projekt vorstellte.

Ein Unterfangen mit Licht- und Schatten. Zuerst das Positive: Der Rückgriff auf die Jazz-Geschichte ist für ein Ensemble, das man hauptsächlich mit aktuellem Big-Band-Spiels in Verbindung bringt, eine begrüßenswerte Tat. Gut auch, dass Mackrel das Ganze nicht als akustisches Wachsfigurenkabinett inszeniert hat und keine Kopierversuche unternommen hat.

Er hat die alten Schlachtrösser von „Basin' Street Blues“ bis „When you're smiling“ neu aufgezäumt in Arrangements, die die WDR Big Band nicht zu etwas verbogen haben, was sie ihrem Selbstverständnis nach nicht ist. Mackrels Vorstellungen passen mit der Spielweise des Ensembles gut zusammen. Aber man merkte auch, dass nicht alle Solisten den alten Titeln gleich viel abgewinnen können. Ein paar tappten stellenweise ziemlich im Dunkeln, blieben in ihren Bemühungen eigenartig auf Distanz.

Andere hatten weniger Probleme mit dem stilistischen Brückenbau. Die Saxophonistin Karolina Strassmayer zum Beispiel, die die Schnittmenge zwischen traditionellem und neuem Jazz mit schöner Leichtigkeit getroffen hat. Frank Chastenier, am Klavier eine Big Band en miniature, füllte die alten Formen ohne Mühe mit neuen Inhalten.

Gesang mit einer Überdosis Gefühl

Den Trompeter Klaus Osterloh nannte Mackrel nicht umsonst „die Geheimwaffe“ des Orchesters. Osterlohs Kenntnisse des traditionellen Jazz sind mehr als profund, und wie man das eindrucksvoll in emotionale Musik umsetzt, hat er in seinem Solo über „St. James Infirmary“ bewiesen.

Mit der Gefühlsbetonung hat es Ola Onabule dagegen ein wenig übertrieben. Er hat so eine Art schwarzen Jazz-Belcanto probiert, seinen Gesang auf Kosten inhaltlicher Geradlinigkeit mit tausend kleinen Schnörkelchen überzogen. China Moses, die Tochter von Dee Dee Bridgewater, kam dem erzählerischen Nerv der Stücke um einiges näher und hat uns damit weitaus besser erreicht.



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