Von Johannes Zink, 07.03.10, 20:05h
Ein Unterfangen mit Licht- und Schatten. Zuerst das Positive: Der Rückgriff auf die Jazz-Geschichte ist für ein Ensemble, das man hauptsächlich mit aktuellem Big-Band-Spiels in Verbindung bringt, eine begrüßenswerte Tat. Gut auch, dass Mackrel das Ganze nicht als akustisches Wachsfigurenkabinett inszeniert hat und keine Kopierversuche unternommen hat.
Er hat die alten Schlachtrösser von „Basin' Street Blues“ bis „When you're smiling“ neu aufgezäumt in Arrangements, die die WDR Big Band nicht zu etwas verbogen haben, was sie ihrem Selbstverständnis nach nicht ist. Mackrels Vorstellungen passen mit der Spielweise des Ensembles gut zusammen. Aber man merkte auch, dass nicht alle Solisten den alten Titeln gleich viel abgewinnen können. Ein paar tappten stellenweise ziemlich im Dunkeln, blieben in ihren Bemühungen eigenartig auf Distanz.
Andere hatten weniger Probleme mit dem stilistischen Brückenbau. Die Saxophonistin Karolina Strassmayer zum Beispiel, die die Schnittmenge zwischen traditionellem und neuem Jazz mit schöner Leichtigkeit getroffen hat. Frank Chastenier, am Klavier eine Big Band en miniature, füllte die alten Formen ohne Mühe mit neuen Inhalten.
Gesang mit einer Überdosis Gefühl
Den Trompeter Klaus Osterloh nannte Mackrel nicht umsonst „die Geheimwaffe“ des Orchesters. Osterlohs Kenntnisse des traditionellen Jazz sind mehr als profund, und wie man das eindrucksvoll in emotionale Musik umsetzt, hat er in seinem Solo über „St. James Infirmary“ bewiesen.
Mit der Gefühlsbetonung hat es Ola Onabule dagegen ein wenig übertrieben. Er hat so eine Art schwarzen Jazz-Belcanto probiert, seinen Gesang auf Kosten inhaltlicher Geradlinigkeit mit tausend kleinen Schnörkelchen überzogen. China Moses, die Tochter von Dee Dee Bridgewater, kam dem erzählerischen Nerv der Stücke um einiges näher und hat uns damit weitaus besser erreicht.
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22. April 2012,
E-Werk Köln