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Pat Metheny

Die Gitarre als Dirigent

Von Olaf Weiden, 07.03.10, 20:03h

In der ausverkauften Philharmonie begeistert Pat Metheny mit einer virtuosen Inszenierung. Die Überraschung des Abends präsentiert der amerikanische Gitarrist aber erst kurz vor dem Ende: das Orchestrion.

Pat Metheny
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Pat Metheny begeisterte die Besucher in der ausverkauften Philharmonie mit seinem Gitarrenspiel. (Bild: dpa)
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Pat Metheny begeisterte die Besucher in der ausverkauften Philharmonie mit seinem Gitarrenspiel. (Bild: dpa)
KÖLN - Wirklich originell wurde der Abend mit Pat Metheny und seinem „Orchestrion“ erst nach der Pause - da hätte das ganze Konzert laut Zeitplan längst vorbei sein sollen. So sorgte der amerikanische Gitarrist in der völlig ausverkauften Philharmonie gleich mehrfach für Überraschungen. Schon als Kind begeisterte sich der Jazzgitarrist Metheny, der vor Zeiten eher in legendären Rockhallen denn auf philharmonischem Parkett anzutreffen war, für einfache Musikautomaten wie ein Papierrollen-Klavier im großelterlichen Hause.

Diesen Traum hat sich Metheny jetzt auf der Höhe der Zeit und abgestimmt für seine komplexen Kompositionen in XXL erfüllt: Sein Musikautomat besteht aus echten akustischen Instrumenten, montiert in Gitterkäfigen, die wie ein Instrumentenarsenal zu Wänden aufgeschichtet sind und ein echtes Marionettenorchester beherbergen.

Denn der Gitarrist im Zentrum von Klavieren, Pfeifenorgel, Vibraphon und Marimba, Gitarren und Bässen und zahlreichen Trommeln, Becken und Glöckchen, kann jede Klangquelle direkt von der Gitarre ansteuern.

Zunächst erzählte der Gitarrist allerdings in Tönen die Geschichte der Klangentwicklung für sein Instrument: Auf der Akustischen zupfte er spanisch-südamerikanische Folklore, nach Nylon- kam die Stahlsaite und Schrammelcountry, nunmehr seine 42-saitige Spezialgitarre mit Harfeneffekten und Doppelhals, dann wuchs der Blues aus der modernen Jazz-Gitarre, begleitet von einer einzigen Zimbel mit Metronom-Charakter.

Wie bei einer Einweihung wurde dann der unter einem Tuch verborgene Aufbau des Orchestrions enthüllt, und die programmierten Automaten legten los. Doch die Magie der Zirkuskäfige und ihrer selbstspielenden Insassen hielt nicht lange an. Jedem Besucher wären lebendige Zeitgenossen lieber gewesen als die unwidersprochen lebendig musizierenden Roboter.

Der Clou an diesem Abend lauerte in der Nachbereitung. Der Erfinder erklärte nämlich im zweiten Teil sein Werk. Man hörte achttaktige, sich stets wiederholende Sequenzen, die auf mehreren Spuren parallel aufgezeichnet sind und sich nach und nach verdichten. Ein Beispiel dafür, wie Metheny mit seinem Team ein imposantes vielschichtiges Musikstück mit Dynamik und Dramaturgie im Moment improvisieren kann.

Das Besondere daran war nicht die vielfach strapazierte Loop-Technik, sondern der hier verwendete Synthesizer aus Naturinstrumenten - das Orchestrion. Dafür lohnte sich der LKW, mit dem Metheny momentan die Musentempel ansteuert. Ganz nebenbei: Der „Gitarrengott“ Pat spielte natürlich großartig, multistilistisch, virtuos, groovend, erdig, einfach Metheny-artig. Er ist eben eine originelle Premium-Marke.



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